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Aufbruch in eine neue Welt: Eilis Lacey, dargestellt von Saoirse Ronan.
Aufbruch in eine neue Welt: Eilis Lacey, dargestellt von Saoirse Ronan.(Foto: Twentieth Century Fox)

"Brooklyn" für Nostalgiker: Wo die Liebe so existenziell wie unschuldig ist

Von Anna Meinecke

Ein neuer Badeanzug macht noch keine Amerikanerin - aber ein ganzes Stück amerikanischer! Im New York der 1950er-Jahre sucht die junge Irin Eilis ihr Glück. Der Film "Brooklyn" erzählt, wie sie es findet und beinahe wieder ziehen lässt.

Die Geschichte der USA ist vor allem eine Geschichte der Einwanderer. Es ist die Geschichte von Menschen, die aufbrachen in eine neue Welt. Während die meisten Erzählungen jedoch bis heute vom Übersiedeln ganzer Familien oder Guppen handeln, begleitet der Film "Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten" eine junge Frau, die in den 1950er-Jahren ganz allein den Kontinent wechselt.

In ihrem Heimatort im Südosten Irlands ist für Eilis Lacey nicht viel zu holen. Sie wohnt zusammen mit ihrer älteren Schwester Rose bei ihrer Mutter, arbeitet unter einer garstigen Chefin in einem kleinen Lebensmittelladen, die Jungs vor Ort interessieren sie nicht. Damit Eilis ein besseres Leben führen kann, soll sie nach New York ziehen, nach Brooklyn.

Oma, wie war das damals?

Leichter wird es für Eilis dort aber erst einmal nicht. Nachdem sie die Überfahrt bitter unter Seekrankheit gelitten hat, malt ihr das Heimweh Schatten unter die Augen. Und gerade als sie ihr neues Leben in Brooklyn lieben lernt, muss sie plötzlich wählen zwischen dem aufregenden Rummel der Metropole und der Geborgenheit der Heimat, zwischen Coney Island und menschenleeren Dünen - und zwischen zwei Männern.

"Brooklyn" fühlt sich an wie eine Schachtel alter Fotos. Mit dem zärtlich-nostalgischen Blick einer nächsten Generation erzählen Regisseur John Crowley und Autor Nick Hornby, der dieses Mal nicht die Romanvorlage, sondern das Skript geliefert hat, von Ängsten und Sehnsüchten, die vielleicht noch heute gefühlt werden - aber eben anders. Oma, wie war das, als du den Opa kennengelernt hast? "Brooklyn" könnte eine Antwort unter vielen sein.

Romantik ohne Kitsch

In die Rolle von Eilis schlüpft Saoirse Ronan. Bereits im Alter von 13 Jahren war sie für einen Oscar nominiert, für ihre Rolle in "Abbitte" an der Seite von Keira Knightley. In diesem Jahr ist der Goldjunge nun wieder zum Greifen nah. Das junge Ausnahmetalent ist erwachsen geworden, ihr Spiel ist in jedem Moment präzise. Sie ist eine dieser Schauspielerinnen, die mit dem leisesten Zucken einer Augenbraue vom größten Herzschmerz erzählen können.

Wer ins Kino geht, um etwas zu fühlen, ist bei "Brooklyn" genau richtig aufgehoben. Der Film ist romantisch, ohne kitschig zu sein. Er erfasst die Zwänge einer Zeit, ohne über sie zu urteilen. Er ist bildgewaltig, doch fehlt es ihm in keinem Moment an Substanz.

"Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

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Quelle: n-tv.de

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