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Peter Tosh
Peter Tosh(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Peter Tosh, Elvis Presley, Neil Young: Zeichen großer Musik

von Manfred Bleskin

Zum Sommer passt die Neuauflage der großen Lieder der Reggae-Legende Peter Tosh. Immerhin sechs CDs füllen sie. Weit mehr Scheiben ließen sich wohl mit den Hits von Elvis pressen. Eine 3er-Box muss vorerst reichen. Neu, aber nicht minder hitverdächtig ist "Americana" von Neil Young.

Mein Gott, ist denn heut' schon Weihnachten, um Franz Beckenbauer einmal mit dem einzigen vernünftigen Satz zu zitieren, der ihm je über die Lippen gekommen ist? Wahrscheinlich. Die CD-Regale sind voll mit guter Musik, die jüngst das Licht des Marktes erblickt hat. Oder wiedererblickt hat.

Da ist zunächst eine sechsbändige Ausgabe der Songs von Peter Tosh, jenes Jamaikaners, der neben Bob Marley eine der beiden Ikonen des Reggae war. Die Edition beginnt auf der ersten Scheibe mit "Don't Look Back", einem Duett mit Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger. Auch das wurde kein richtiger Hit.

Aber mit seiner Musik hat Tosh Zeichen gesetzt. Politische: Gleichberechtigung der Schwarzen. Gut. Eigennützige: Legalisierung von Cannabis und ähnlichen unnützen Kräutern. Schlecht. Das ist einer seiner Widersprüche, mit denen wir leben müssen. Wundervolle, schleppende, träumende, aufschäumende Musik. Die wohl beste Kompilation der Songs, des 1987 auf tragische Weise ums Leben gekommenen Genius’. 

Elvis hat auch Zeichen gesetzt. Ohne den Mann aus Tupelo im US-Bundesstaat Mississippi hätte es wohl nie jene Musik gegeben, die wir heuer im engeren Sinne Rock and Roll nennen. Rock and Roll gab es vor Elvis, und es wird ihn auch noch lange nach ihm geben. Doch das Verdienst des weißen Truckfahrers, der schon dabei war, den Beruf eines Elektrikers zu erlernen, wie er uns auf einer der drei CDs im Interview verrät, besteht darin, die sogenannten Rassenschranken in der Musik überwunden zu haben, weiße und schwarze Töne zu einem Ganzen zusammengefügt zu haben.

"Negermusik", sagten sie damals in den Südstaaten, "wollen wir nicht hören". Doch er hat sie besiegt, mit seinem Mix aus Rhythm & Blues und Country, die bornierten Ku-Klux-Klan-Typen des "bible belt". Die CD "Music Elvis Loved" erlaubt einen Einblick in die Musik, die die Welt, naja, die Welt der Musik, verändern sollte.

Seine erste Plattenaufnahme 1954 "That's All Right (Mama)" war eine Coverversion des schwarzen Bluesmannes Arthur "Big Boy" Crudup. Ebenso "My Baby Left Me". Elvis bediente sich auch im Countryfeld: Den "Blue Moon Of Kentucky" von Bill Monroe & His Bluegrass Boys verrockte er zu einem Standard, an dem sich dann auch Buddy Holly und John Lennon abarbeiten sollten. Auch Crooner wie Dean Martin und Startenor Mario Lanza dienten ihm als Vorlage. Elvis hat aus den Liedern meist, aber nicht immer etwas Besseres gemacht. Spannend, wie er auf der dritten CD selbst die Entstehungsgeschichte einiger Songs erklärt.

Wenn man so will, macht auch Neil Young auf seinem neuen Album "Americana" nichts anderes als Elvis Presley. Er bedient sich zusammen mit seiner Band Crazy Horse im gut sortierten Supermarkt der nordamerikanischen Volksmusik. Herausgekommen ist ein Album, das es wohl verdient hätte, in diese nicht genau umrissenen Kategorie "American Songbook" aufgenommen zu werden.

Dabei hält sich der ursprünglich aus Kanada Stammende teils an die schönen Originalmelodien, denen mit seiner krächzenden Gitarre gleichwohl ein Soundkostüm verpasst, dass es einen manchmal unangenehm kalt über den Rücken läuft. "This Land Is Your Land" vom Genius Woody Guthrie ist so ein Fall. Die Mörderballade von Tom Dula, im deutschen Sprachraum dereinst als "Tom Dooley" vom Kingston Trio popularisiert, von Freddy Quinn zersungen, hingegen klingt völlig anders; ebenso die Satire "Clementine", in der sein Mädchen Heringskisten als Sandalen trägt, im Teich ertrinkt, was dem Schwerenöter aber nichts ausmacht, weil Clementine noch ein kleine Schwester hat, die man auch küssen kann. Nun sind diese Zeilen nicht gleichzusetzen mit einer Anforderung "to hug and to kiss" die empfohlenen Scheiben, aber in Ihren Spieler schieben könnten sie die schon mal. Übers Wochenend, danach und über Weihnachten hinaus.

Peter Tosh: “1978 – 1987”, 6CD, EMI Records

Elvis Presley: „Collector's Box“, 3CD, in-akustik, Chrome Dreams

Neil Young & Crazy Horse: “Americana”, CD, Reprise Warner

Quelle: n-tv.de

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