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Hier wird noch angestoßen, doch schon wenige Momente später ist die Stimmung angespannt.
Hier wird noch angestoßen, doch schon wenige Momente später ist die Stimmung angespannt.(Foto: Adventure Pictures)
Mittwoch, 26. Juli 2017

"The Party" eskaliert: Ziemlich schlechte Freunde

Von Anna Meinecke

Angebrannte Snacks, Tränen und ein Kokser - "The Party" hat alles, was einen Abend unter Freunden entgleisen lassen könnte. Und dann sind da noch die tatsächlichen Konfliktherde. In Schwarzweiß inszeniert Sally Potter ein Kammerspiel fürs Kino.

Das war's dann also mit den feministischen Idealen, mit der gleichberechtigten Beziehung, der Liebe und dem ganzen anderen Mist, der in Studienzeiten zur Selbstverständlichkeit erklärt worden war und fortan - ja, was? Das fragt sich eine Gruppe Londoner Linksintellektueller zwischen Sekt und Häppchen, irgendwann, als der Anlass ihrer Zusammenkunft lange in den Hintergrund geraten ist.

Wie bei so vielen Geschichten, die vom Abgrund erzählen, ist auch bei "The Party" zu Beginn alles eher in Ordnung. Gastgeberin Janet ist zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett ihrer Partei ernannt worden. Es ist die Krönung ihrer politischen Karriere - ein freudiger Anlass also, zu dem sie ein paar Freunde in ihr Londoner Stadthaus eingeladen hat.

Offene Rechnungen

Auf engem Raum braucht es nur die erste Unruhe, ein kleines Skandälchen, ein bisschen Schicksalsschlag und prompt erinnern sich die Gäste an all die offenen Rechnungen, die sie miteinander haben.

Neben Kristin Scott Thomas und Patricia Clarkson gibt Bruno Ganz in "The Party" den Esoteriker.
Neben Kristin Scott Thomas und Patricia Clarkson gibt Bruno Ganz in "The Party" den Esoteriker.(Foto: Adventure Pictures)

Sally Potter hat das Drehbuch für "The Party" geschrieben und auch gleich Regie geführt. Ihre Bilder sind schwarz-weiß statt aufgebläht durch Special Effects, die Kamera hält drauf auf die Gesichter, wenn sie brechen und so gleicht der Kinobesuch denn dem eines Kammerspiels am Theater. Der Fokus liegt auf den Schauspielern - übrigens ein ganz exzellenter Cast, die Botschaft greift tiefer, als die Handlung in Echtzeit vordergründig anbietet.

Wer will ich sein?

Klar, "The Party" verhandelt die Tücken von Parteipolitik und die Bodenfallen einer jahrelangen Ehe gleich nebenbei mit. Im Kern aber geht es um Lebensentwürfe. Es geht um das Recht, jemand sein und werden zu dürfen. Um die Enttäuschung über all das, was man nicht geworden ist oder was man nicht werden wollte.

"The Party" hat Drillinge und eine Schusswaffe und damit kleine Spannungsbömbchen in petto, die auch dort zünden, wo linksintellektuelle Identitätsfragen nicht fruchten wollen. Die ehrlichsten Lacher wird der Film wohl von all denen ernten, die auch schon mal vor einem besonders wohlsortierten Bücherregal die Gläser haben klirren lassen. Kein Streifen für alle also, aber einer der hält, was er verspricht.

"The Party" startet am 27. Juli in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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