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Posieren in Perfektion: Penélope Cruz und Ben Stiller bei der Premiere in Madrid.
Posieren in Perfektion: Penélope Cruz und Ben Stiller bei der Premiere in Madrid.(Foto: dpa)

"Blue Steel" für Fortgeschrittene: "Zoolander 2" ist ein bisschen last season

Von Sabine Oelmann

Ben Stiller und Owen Wilson sind an und für sich schon ein Fest: Man guckt sie gerne an, sie sind meistens komisch und nun haben sie auch noch die heißersehnte Fortsetzung von "Zoolander" gedreht. Aber lohnt sich der Gang ins Kino?

Die Messlatte liegt hoch, so ist das bei Fortsetzungen nun mal: Man muss sich am Original bewerten lassen, und das lief vor 15 Jahren. George W. Bush herrschte im Weißen Haus, Gerhard Schröder herrschte bei uns, ansonsten herrschten Maul- und Klauenseuche, Rinderwahnsinn und Hühnerpest in Deutschland (was in keinem Zusammenhang mit den genannten Politikern steht), das Bonmot des Jahres kam von Klaus Wowereit, Berlins Regierendem Bürgermeister - und es lautete: "Ich bin schwul. Und das ist auch gut so." 2001 wurde das deutschsprachige Wikipedia gegründet und Berlusconi wird Regierungschef in Italien. In Großbritannien lenkt Tony Blair die Geschicke seines Landes und - der Weltmännertag wird endlich eingeführt. Wie gemacht für Derek Zoolander und Hansel!

Und noch ein letztes Selfie!
Und noch ein letztes Selfie!(Foto: AP)

Guck' mal wie "Blue Steel" - ein geflügeltes Wort unter Freunden und Geschwistern, und das zu einer Zeit, in der noch keiner Selfies machte. Ben Stiller und Owen Wilson blödelten sich 2001 durch die Kinos - und zwar mega-erfolgreich. Was liegt da näher, als eine Fortsetzung zu drehen. Im ersten Teil konnte Zoolander als "bestes männliches Model" dank seines "Magnum"-Blicks die Modewelt retten - doch seither hat sich viel getan: Matilda Jeffries, die Liebe seines Lebens, verstarb auf tragische Weise, kurz danach ging das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn flöten. Sein Leben fristet Zoolander seitdem zwar modebewusst, jedoch als Einsiedler, fernab der Schönen und Reichen - bis eines Tages Billy Zane vor seiner Berghütte steht und ihm die Einladung für eine Modenshow überreicht.

Noch nicht einmal bei der Veranstaltung angekommen, trifft Zoolander auf einen alten Bekannten: Hansel (Owen Wilson). Er ist dem Ruf der Modezarin Alexanya Atoz (nicht zu erkennen: Kristen Wiig) ebenfalls gefolgt und freut sich zunächst nicht sonderlich, seinen einstigen Konkurrenten wiederzusehen. Doch den beiden bleibt keine andere Wahl, als zu kooperieren: Eine geheime Organisation meuchelt Promis wie Justin Bieber und Kanye West ab und auch Dereks Sohn ist in großer Gefahr. Nur die beiden trotteligen Ex-Models und Fashion-Polizistin Valentina (Penélope Cruz) können den Fall lösen.

Eine lange Zeit ist vergangen
Derek und Hansel in Action ...
Derek und Hansel in Action ...(Foto: dpa)

Das Problem bei extrem witzigen oder extrem erfolgreichen Filmen: Die Erwartungen sind ebenfalls extrem, und zwar extrem hoch! Bei Klamauk wie "Zoolander" ist es der Überraschungseffekt und die damit einhergehende Situationskomik, die einen Film zu einem Blockbuster machen können. Bei "Zoolander 2" jedoch ertappt man sich dabei, wirklich gerne lachen zu wollen, es aber nicht wirklich zu können. Das Lachenbleibt einem im Halse stecken, es will raus, aber es bekommt nicht so recht die Gelegenheit dazu. Liegt es daran, dass die Chemie zwischen Stiller und Wilson in den vergangenen 15 Jahren ziemlich gelitten hat? Das komödiantische Timing scheint den beiden Hauptdarstellern in vielen Szenen jedenfalls abhanden gekommen zu sein. "Ich habe das Feuer in meinem Gesicht verloren", jammert Zoolander an einer Stelle frustriert. Selbiges gilt auch für Ben Stiller: die Unbeschwertheit, die Frische, wo sind sie hin? Klar ist das lustig, wenn er einen Schönling für seinen Sohn hält und den Dicken bekommt, klar ist es witzig, wenn ausgerechnet Justin Bieber eine der lustigsten Szenen im Film hat, natürlich sind die alle toll angezogen und die Dialoge herrlich an manchen Stellen. Aber der Funke will nicht so recht überspringen. 

Einfach nur schön: Benedict Cumberbatch.
Einfach nur schön: Benedict Cumberbatch.(Foto: AP)

Für die Glanzmomente sorgen tatsächlich andere, allen voran Benedict Cumberbatch als androgynes Model. Er ist in den wenigen Sekunden, in denen er zu sehen ist, fast witziger als Stiller, Wilson und Will Ferrell alias Bösewicht Mugato zusammen. Auch Kristen Wiig als dezent operiertes Donatella-Versace-Lookalike nutzt ihre geringe Screentime bestens aus. Überhaupt ist es beeindruckend, welche Stars sich zu einem Mini-Auftritt in "Zoolander 2" überreden ließen. Nur so viel sei gesagt: manche von ihnen entgehen einem leider, sollte man sich im falschen Moment bücken, um sein PopCorn aufzuheben.

Leider muss man sagen: Die 15 Jahre Wartezeit auf die Rückkehr von Derek Zoolander, Hansel und den Superschurken Mugatu haben sich nur für ganz harte Fans gelohnt. Zum Beispiel für solche, die seit 15 Jahren über die "Blue-Steel-Visage" ihres Bruder lachen können.

"Zoolander 2" läuft seit dem 18. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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