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Gefangen im hohen Norden? Mach das Beste draus.
Gefangen im hohen Norden? Mach das Beste draus.(Foto: Capelight)
Montag, 28. Oktober 2013

Eine Randnotiz des Zweiten Weltkriegs: "Into The White": Wenn Nazis mit Briten …

Von Thomas Badtke

Großbritannien und Deutschland liefern sich im Winter 1940 einen Wettstreit im Kampf um die Eroberung Norwegens. Ziel ist die Kontrolle über den Eisenerz-Export. Eine deutsche Besatzung wird über der Wildnis Norwegens abgeschossen und damit beginnt der Kampf ums nackte Überleben.

Absturz in der Wildnis Norwegens: Der Kampf gegen den Feind tritt in der unwirtlichen Natur in den Hintergrund.
Absturz in der Wildnis Norwegens: Der Kampf gegen den Feind tritt in der unwirtlichen Natur in den Hintergrund.(Foto: Capelight)

"Wir marschieren an die Küste. Stoßen zu unserer Armee und kehren zurück in den Krieg", sagt Leutnant Horst Schopis (Florian Lukas; "Goodbye Lenin", "Nordwand") zum Rest seiner Bomber-Crew. Bei einem Luftkampf über der Wildnis Norwegens wurden sie Ende April 1940 von einem britischen Jagdflieger abgeschossen - nachdem sie immerhin einen Feind vom Himmel geholt haben. Aber das ist jetzt nur eine kleine Randnotiz.

Ohne zu Murren machen sich Schopis, der wortkarge Feldwebel Wolfgang Strunk (Stig Henrik Hoff; "The Thing") und der junge Unteroffizier Josef Schwartz (David Kross; "Der Vorleser") auf den Weg. Schwartz ist am Ellbogen verletzt, Strunk trägt den Proviant: Würstchen, Sauerkraut, Bier. Es sind 20 Grad unter null. Als auch noch ein Sturm aufzieht, müssen sie den Plan ändern - und finden Schutz in einer norwegischen Jagdhütte. Als sie es sich bequem machen, bemerken sie zwei weitere Gestalten, die auf die Holzhütte zusteuern. Briten. Der Feind.

In der weißen Hölle

Smith versucht die Deutschen in der Hütte immer wieder mit Kleinigkeiten zu provozieren.
Smith versucht die Deutschen in der Hütte immer wieder mit Kleinigkeiten zu provozieren.(Foto: Capelight)

Captain Davenport (Lachlan Nieboer; "Torchwood") wird von seinem Piloten Robert Smith (Rupert Grint; "Harry Potter"-Reihe) begleitet. Wie sich herausstellt, wurden sie von Schopis‘ Crew vom Himmel geholt. Schopis reagiert schnell, Davenport und Smith werden zu deutschen Kriegsgefangenen erklärt. "Sollten wir sie nicht erschießen?", fragt Schwartz. "Nein, wir sind keine Hottentotten, Schwarz!", entfährt es Schopis. Und so wird die kleine Blockhütte in einen britischen und einen deutschen Bereich aufgeteilt. Will einer der beiden Gefangenen in den deutschen Bereich, muss er fragen. Kleine Sticheleien, unter Feinden eben.

Davenport bekommt schnell spitz, dass Schwartz das schwächste Glied in Schopis' Crew-Kette ist. Schwartz ist noch jung, heißblütig und ein glühender Verehrer des Führers. Adolf Hitlers "Mein Kampf" ist Schwartz Lieblingslektüre und er wird nicht müde, daraus zu zitieren. Strunk ist da gelassener. Er ist freiwillig zur Wehrmacht gegangen und schon über 40. Seine Familie hat ein Unternehmen, er wollte es einfach nicht führen - sei nicht gemacht für den Bürojob, sagt er. Sein Holzfäller-Äußeres unterstützt seine Worte.

Wechselnde Vorzeichen

Als der Sturm länger andauert als zunächst gedacht, gehen die Vorräte zur Neige und das Feuerholz wird knapp. Die ungleiche Jagdhütten-Besatzung rückt näher zusammen. Aber nur ein falsches Wort, ein kleiner Fehler reicht, und die Lage eskaliert. Es ist Krieg. Schwartz macht diesen Fehler. Smith bekommt seine Waffe zu fassen und schon wendet sich das Blatt. Nun haben die Briten das Sagen in der Hütte.

Auch das ist Krieg in Norwegen: Strunk und Smith haben Spaß auf Skiern.
Auch das ist Krieg in Norwegen: Strunk und Smith haben Spaß auf Skiern.(Foto: Capelight)

Schwartz' Wunde entzündet sich indes. Wundbrand. Schwartz muss dringend in ein Krankenhaus. Doch draußen tobt noch immer der Sturm. Mit der Hoffnung auf Wetterbesserung wird die Hütte noch einmal nach brauchbarem Feuerholz durchsucht. Dabei taucht überraschend eine Kiste auf, mit etwas Essen und noch mehr Alkohol.

Zumindest Schwartz‘ Situation bessert sich darauf, denn alkoholisiert wird ihm von Schopis und unter der Mithilfe Davenports, Strunks und Smiths der Arm mit einer Axt amputiert. Als Schwartz danach unter Schock einschläft, löst der Schnaps die Zungen der restlichen Männer. Schopis und Davenport freunden sich an, so gut es unter Kriegsfeinden geht. Auch zwischen dem wortkargen, ruhigen Strunk und dem jungen Frauenhelden Smith wächst der Respekt. Als der Sturm endet und die beiden Gruppen getrennt und vollkommen friedlich ihrer Wege gehen wollen, werden sie allerdings entdeckt - und der Krieg kehrt schneller zurück mit Tod und Trauer, als sie dachten.

Auch so ist der Krieg gewesen

"Into The White" ist bei Capelight auf DVD und Blu-ray erschienen.
"Into The White" ist bei Capelight auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Capelight)

Zugegeben, am Ende des Films liegt etwas Wehmut in der Luft. Der Zuschauer hat rund 90 Minuten zugesehen, wie auf engstem Raum aus Feinden fast schon Freunde geworden sind. Man empfindet Sympathien für Feldwebel Strunk, der auf den ersten Blick so tumb daherkommt, aber ein herzensguter Mensch ist. Man lernt schnell, Schwartz nicht zu mögen - und das liegt nicht nur an seiner Führer-Verehrung. Schopis Selbstzweifel nach dem Bomber-Absturz nimmt man ihm getrost ab. Und auch wenn Davenport etwas gestelzt daherkommt und Smith statt als Brite auch als typisch-großkotziger Ami hätte durchgehen können - man will als Zuschauer wissen, wie es weitergeht. Wie endet der Film? Schließlich basiert er auf einer wahren Begebenheit, wie es im Vorspann heißt.

Und am Ende erfährt man dann auch, was aus den Protagonisten - zumindest die, die überlebt haben - geworden ist. Das wiederum wirft neue Fragen auf: Wieso ist Hollywood bisher nicht auf diese "wahre Begebenheit" aufmerksam geworden? Der Film des Norwegens Petter Naes ist zwar eine norwegisch-deutsche Koproduktion. Allein am englischen Titel "Cross Of Honour" erkennt man aber, wohin die Reise hätte gehen können. Allerdings war es für den Filmstoff besser, dass ihn kein Hollywood-Studio zu fassen bekommen hat.

Kaum Special Effects

Der Film kommt ohne große Special Effects aus. Ohne Krawumms und Kabumms. Er zeigt auch keine Luftschlachten, nicht einmal einen einzelnen Luftkampf. Der Film beginnt an der Absturzstelle. Dort, wo Schopis' havarierte Ju im Schnee steckt. Und das zeigt bereits, welche Richtung der Film einschlagen wird: Er will nicht erschrecken, er will menscheln. Das schafft er auch ohne Probleme. Klar, ein paar wunderschöne winterliche Landschaftsaufnahmen sind auch mit dabei, aber das, was wirklich zählt, ist die Tatsache, dass in der norwegischen Blockhütte keine Barbaren aufeinandertreffen, keine Kriegsgräuel gezeigt werden, keine billige Effekthascherei betrieben wird. Das Motto lautet vielmehr: Mensch sein - und bleiben, egal in welcher Lage du auch immer stecken magst.

Dass diese Aussage in"Into The White" transportiert wird, liegt vor allem an den ruhigen Bildern, der musikalischen Untermalung und den schauspielerischen Darbietungen. Die wirken zwar zum Teil etwas überspitzt, aber sind noch nicht karikierend. Und so bleibt am Ende beim Zuschauer ein Gefühl zurück, dass es über den Zweiten Weltkrieg noch jede Menge kleine Geschichten gibt, die es lohnt zu erzählen - Geschichten wie die in "Into The White". 

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Quelle: n-tv.de

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