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Die Gustav-Gorky-Bücher sind bei Oetinger erschienen.
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Gustav vom Planeten Gorky : Außerirdischer besucht die Bröselmanns

Von Solveig Bach

Wenn man beim "Urknall" arbeitet, gehören Reisen auf fremde Planeten einfach dazu. Die Erde und vor allem ihre Bewohner haben zwar keinen besonders guten Ruf, aber Y3 ist trotzdem neugierig. Er ahnt nicht, dass er hier nicht nur einen neuen Namen und Freunde finden wird, sondern auch noch beinahe als Gurke stirbt.

Außerirdische sind klein und grün und kommen vom Mars - was für ein Irrtum. Sie sind rosa, haben einen kleinen Rüssel und kommen vom Planeten Gorky. So ist das jedenfalls bei Erhard Dietl, der nach den bereits heißgeliebten Olchis einen neuen Kinderhelden erfunden hat – den Außerirdischen Gustav Gorky. Seinen extrem irdischen Namen verdankt er dem Erdlingsjungen Bruno Bröselmann, der findet, man brauche einen Vornamen und einen Nachnamen.

Bis zu seinem Besuch auf der Erde ist Gustav auch gut mit seiner gorkyanischen Bezeichnung Y3 durchs Leben gekommen, aber dann wird er in seiner Eigenschaft als Reporter des Magazins "Urknall" auf die Erde geschickt. Die Rubrik "Neues vom blauen Planeten" braucht dringend eine Auffrischung, leider haben die Erdlinge im Rest des Universums einen ausgesprochen schlechten Ruf. Sie sind nicht nur technisch unterentwickelt, sondern auch sehr streitsüchtig, sie töten einander sogar. Deshalb macht sich die Redaktion auch Sorgen um Y9, der Gustav vorausgereist ist und den er bei dieser Gelegenheit gleich finden soll.

Zunächst allerdings entgeht Gustav Gorky knapp dem Verglühungstod in der Atmosphäre, weil er an einen etwas unbedarften Raumtaxifahrer gerät. Per Rettungsfallschirm landet er an der Wohnbehausung der Familie Bröselmann, bestehend aus Vater, Mutter, Opa Herrmann und besagtem Bruno. Ihren Lebensunterhalt verdient die Familie mit Geldgeschäften an einem Imbiss, weil Erdlinge nämlich dauernd Nahrung aufnehmen müssen.

Die Wurst-Innovation

Die Hörbücher von Oetinger-Media und kosten 16,95 Euro.
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Für Gustav ist die Begegnung mit den Bröselmanns gleichermaßen Glücksfall wie Fluch. Zwar erfährt er dadurch viele Dinge aus dem Leben der Erdlinge, beispielsweise, dass Kinder lange und dauernd die Schule besuchen müssen, anstatt einfach programmiert zu werden und eine Menge über verstopfte Klos, die geringe Ladefähigkeit von Handy-Akkus und eben über Geldgeschäfte. Leider gerät er mit seiner Idee, saure Gurken mit Schoko-, Erdbeer- und Wurstgeschmack zu versehen, auch gleich mit einem fiesen Imbissunternehmer aneinander, der den Bröselmanns mächtig auf die Pelle rückt, um die Geschmacksinnovation möglichst billig zu erwerben und anschließend teuer an seinen eigenen Buden anzubieten.

Das alles wird von Beschreibungen von Gustavs Heimatplaneten, immer wieder neuem Erstaunen über das Erdlingsleben und so mancher außerirdischen Superfähigkeit unterhaltsam angereichert. Jungs finden besonders Gustavs Laserpistole toll, obwohl er sie nur einmal einsetzt, um einen Stein zu entmaterialisieren. Und dann ist da natürlich noch die Suche nach Y9, der sich als ausgesprochen spinnerter und eifersüchtiger Kollege entpuppt.

Spannung und Humor

Erhard Dietl ist ein Altbekannter in der Kinderbuchszene, seit er 1976 sein erstes Buch veröffentlicht hat. Seine "Olchis" und die Illustrationen für die "Franz"-Bücher von Christine Nöstlinger haben längst Kultstatus. Das bayerische Multitalent wechselt genial zwischen texten, musizieren und malen. Auch bei Gustav Gorky kommen all diese Fähigkeiten Dietls üppig zum Einsatz. Er hat eine köstliche Geschichte erdacht, mit einem Helden, der sich wunderbar über Dinge wundern kann, die einem als Erdling so normal erscheinen. Er hat Gustav eine Liebe zur Musik mitgegeben und ihn – mit Brunos Stiften – Zeichnungen von sich, der Erde und allen anderen Erlebnissen anfertigen lassen.

Dabei findet er genau die richtige Mischung aus Absurdität und Humor, aus Spannung und Fantasie, die Jungleser wirklich glücklich macht. Die Kapitel haben eine gute Leselänge, ohne allzu lesedidaktisch daherzukommen. Die Geschichte ist niemals hanebüchen, langweilig oder belehrend, aber wenn Gustav mit Vorliebe Handy-Akkus leersaugt und sich bei Sphären-Klängen entspannt, dann kann man ahnen, dass Dietl Lesen besser findet als Computerdaddeln. Auch die besondere Leistung der Gorkyaner, in Frieden miteinander zu leben, legt Gustav den Erdlingen immer wieder ans Herz.   

Inzwischen ist bereits die zweite Gustav-Gorky-Geschichte erschienen. In "Ein Roboter dreht durch" begleitet Gustav die Bröselmanns in einen Italien-Urlaub. Für diese Erdreise hat er einen MAGBOT mitgebracht, der ihn beim Analysieren der Erdlingsnahrung unterstützen soll. Leider ist MAGBOT irgendwie kaputt, nachdem er von einem Hund angepinkelt wurde, und gerät zunehmend außer Kontrolle. Und auch der nervige Reporterkollege Y9 ist aus furchtbar selbstsüchtigen Motiven überhaupt keine Hilfe. 

Von beiden Büchern gibt es auch tolle Hörbuchfassungen, in denen Stefan Kaminski das Buch nicht einfach nur ungekürzt vorliest. Mit der Musik und den diversen metallischen und sphärischen Geräuschen kommen die Hörbücher eher schon als Hörspiele daher und Kaminski könnte für Gustav Gorky das sein, was Rufus Beck einst für Harry Potter war - die perfekte Stimme.

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Quelle: n-tv.de