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Boone entwirft eine Dystopie, in der Spinnen als Kolonisatoren in Erscheinung treten.
Boone entwirft eine Dystopie, in der Spinnen als Kolonisatoren in Erscheinung treten.(Foto: imago/Karina Hessland)
Sonntag, 30. Juli 2017

Nichts für Arachnophobiker: "Die Brut" ist geschlüpft

Von Solveig Bach

Es gibt 45.000 Spinnenarten auf der Welt und nur die wenigsten können dem Menschen gefährlich werden. Doch die Spinnen in Ezekiel Boones "Die Brut" sind anders: Es sind Bestien, die Menschen fressen, und sie sind überall.

Melanie Guyer war fünf Jahre alt, als sie ihre erste Spinne fing. In einem Glas trug sie sie aus dem Badezimmer. Inzwischen ist sie Universitätsprofessorin und Spinnenexpertin. Deshalb landet der Spinnenkokon, den Wissenschaftler an den weltberühmten peruanischen Nasca-Linien gefunden haben, auch in ihrem Labor.

Das Hörbuch aus dem Argon-Verlag kostet 20,95 Euro.
Das Hörbuch aus dem Argon-Verlag kostet 20,95 Euro.

45.000 Spinnenarten gibt es, seit mindestens 300 Millionen Jahren leben sie auf der Erde. Mit wenigen Ausnahmen stellen sie keine wirkliche Gefahr für Menschen dar, das weiß Guyer besser als jeder andere. Doch die, die aus diesem Kokon geschlüpft sind, sind anders, ist sich die Forscherin sicher. Sie nennt sie nur noch die "Biester".

Es dauert eine Weile, bis die Menschen in Ezekiel Boones "Die Brut - Sie sind da" überhaupt kapieren, was ihnen geschieht. In Peru verschwindet die Wandergruppe eines reichen US-Unternehmers, nur Bill Henderson selbst kann sich in sein Privatflugzeug retten, das jedoch kurz darauf über Minneapolis abstürzt. Der Polizist Mike Rich sieht in dem Wrack eine Spinne aus dem toten Körper des Milliardärs kriechen.

Bedrohung für die ganze Welt

Da hat China bereits aus unerfindlichen Gründen eine Atombombe gezündet, in Indien werden Stöße wie von einem Erdbeben aufgezeichnet, ohne dass die Erde bebt, und kurz darauf beunruhigende Handyaufnahmen übermittelt. Die US-Präsidentin setzt das Militär im Land ein und einige Prepper sehen nach Jahren der Vorbereitung auf den Weltuntergang endlich ihre Stunde gekommen. Das alles hängt natürlich miteinander zusammen. Und es ist erst der Anfang.

Ezekiel Boone ist das Pseudonym des kanadischen Schriftstellers Alexi Zentner, der schon mit seinem Debütroman "Das leise Flüstern des Schnees" für mehrere Literaturpreise nominiert war. Angeblich hat er an dem Tag, an dem er seinen zweiten Roman "Die Hummerkönige" abschloss, mit "Die Brut" begonnen. Ein Thriller hätte sich nicht mit seinen bisherigen Büchern vertragen, meint der Autor.

Er selbst hat Angst vor Spinnen und übrigens auch vor Käfern. "Für jemanden, der Horror schreibt, bekomme ich sehr leicht Angst", sagte er der "National Post". Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, die Ängste seiner Leser bis aufs Äußerste auszureizen. Wer noch nie über das raschelnde Geräusch nachgedacht hat, das Spinnen machen, wenn sie Menschen fressen, hat nun Gelegenheit dazu. Dazu kommt die Erkenntnis, dass in Zeiten der Globalisierung jede tödliche Gefahr tatsächlich einen Weg an jeden Ort überall auf der Weg finden würde. Man muss kein Spinnenphobiker sein, um irgendwann das Gefühl zu haben, etwas krabbele über einen hinweg.

Erst der Anfang

Das mag auch und besonders an Wolfgang Wagner liegen, der Fernsehzuschauern als Dr. Brotesser in der Serie "Broti & Pacek" oder als Ingo Polauke in der Telenovela "Anna und die Liebe" bekannt sein könnte. Wagner liest "Die Brut" ein bisschen rotzig, so wie man sich den Polizisten Rich vorstellt, dabei aber auch so spannend, dass man kaum erwarten kann, wie es weitergeht. Dass einem gelegentlich der Überblick über die verschiedenen Personen und Handlungsorte verloren geht, ist eher eine dramaturgische Schwäche des Romans als dem Sprecher anzulasten.

Auch für das unbefriedigende Gefühl, dass die Geschichte unvermittelt und ohne wirklichen Abschluss endet, ist Wagner nicht verantwortlich. Boones "Brut" ist als Trilogie angelegt, der zweite Band "Die Brut - Die Zeit läuft" erscheint im August als Buch in Deutsch und dann sicher auch bald als Hörbuch. 

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Quelle: n-tv.de