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Ein Paket soll entgegengenommen werden ...
Ein Paket soll entgegengenommen werden ...(Foto: imago/STPP)
Sonntag, 30. Oktober 2016

Schein oder Sein: Eine Psychiaterin im Ausnahmezustand

Von Nadine Emmerich

Er wird der "Friseur" genannt, weil er Frauen skalpiert. Auch Doktor Emma Stein fällt ihm zum Opfer. Doch ihr Fall scheint anders zu sein. In seinem neuen Thriller beschäftigt sich Sebastian Fitzek mal wieder mit der menschlichen Psyche.

Nach der Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie wird die schwangere Dr. Emma Stein in ihrem Hotelzimmer in Berlin im Dunklen vergewaltigt – und skalpiert. Offenbar ist sie das nächste Opfer des "Friseurs" geworden, der Frauen eine Glatze schert, bevor er sie umbringt. Die 34-Jährige ist die Erste, die von ihrem Peiniger nicht getötet wird. Das macht sie verdächtig. Schnell kommen Zweifel an ihrer Geschichte auf.

Schließlich dachte sich die Psychiaterin schon als Kind den Geist Arthur im Wandschrank aus – und landete als Sechsjährige in therapeutischer Behandlung. Kurz vor ihrer Vergewaltigung tischte sie nach ihrem Vortrag über Fehldiagnosen dem Publikum auf, sie selbst sei Opfer einer Zwangstherapie geworden. Noch nicht mal ihr Zimmer mit der Nummer 1904 scheint im "Le Zen" zu existieren. 

Emma zieht sich zurück: Nur in ihrem Haus im Berliner Grunewald fühlt sie sich nach dem Überfall, bei dem sie auch ihr Kind verlor, sicher. Noch Monate später verkriecht sie sich im Bademantel mit Hund Samson und kuriert sich selbst mit Psychopharmaka. Zu groß ist die Angst, der "Friseur" könnte nach ihr suchen, um sein Werk zu vollenden. Dann klingelt es eines Vormittags – und der Postbote bittet Emma, ein Paket für einen ihr unbekannten Nachbarn am Ende der Straße anzunehmen.

Wer ist hier eigentlich verrückt?

Mit der Post für A. Palandt in der Teufelssee-Allee 16a kehrt das Grauen in Sebastian Fitzeks Thriller "Das Paket" mit voller Wucht zurück. Emmas Hirn fährt Achterbahn. Sie ist überzeugt von einer Verbindung zwischen dem Paket und dem "Friseur". Als Psychiaterin kennt sie aber auch die Symptome einer schweren Paranoia – und die fangen so an wie bei ihr gerade. Wem ist also zu trauen und wer ist hier eigentlich verrückt? Es kümmern sich doch alle um sie: ihr empathischer Ehemann, der Profiler Philipp, dessen in sie verknallter BKA-Kollege Jorgo und ihr väterlicher bester Freund, der Professor und Staranwalt Konrad Luft.

Psychiater, Kliniken, Therapien: In kaum einer Geschichte lässt Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor, studierter Jurist und Ex-Hörfunk-Chefredakteur, dieses Umfeld aus. Über die Figur des Doktor Viktor Larenz aus seinem Debüt "Die Therapie" (2006) sagt er: "Er hat mich zum Autor gemacht." Wer den 45-jährigen, dreifachen Familienvater mal persönlich getroffen hat, fragt sich indes, wie dem Hirn dieses netten Mannes so viele kranke Psychopathen entspringen können.

"Simon Jäger hat mich groß gemacht"

Wie man es von ihm kennt, legt Fitzek in "Das Paket" mit jedem Kapitel noch eine Schippe Grusel und Verwicklung drauf. Halt, nicht noch ein Cliffhanger, will man irgendwann fast rufen. Ein Zuviel-Gefühl, wie es den Hörer zum Ende hin vage beschleicht, kennt Fitzek nicht. Hochspannend ist die Geschichte um Schein und Sein aber auf jeden Fall. Und so wie man seine Bücher oft in einer Nacht liest, weil sie an kaum einer Stelle das Aussteigen erlauben, könnte man auch für das Hörbuch gut 7,5 Stunden Zeit am Stück einplanen.

Gelesen wird "Das Paket" erneut von Simon Jäger, der deutschen Synchronstimme etwa von Matt Damon, der für seinen Job volle Punktzahl bekommt. Fitzek selbst sagte im n-tv.de Interview über Jäger, dieser habe ihn "groß gemacht". Als aus "Die Therapie" ein Hörbuch entstand, bekam Fitzek dies erst mit, als alles fertig war. "Hätte man mich vorher gefragt, hätte ich jemanden vom Radio vorgeschlagen, der oder die eine gute Stimme hat, aber nicht bekannt ist. Simon Jäger hatte schon eine große Fangemeinde, die alles gekauft hat, was er eingesprochen hat. So wurden Menschen auf mein Buch aufmerksam."

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Quelle: n-tv.de