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Feiern ihr 20-jähriges Bestehen: Mia.
Feiern ihr 20-jähriges Bestehen: Mia.(Foto: Four Music)
Freitag, 29. September 2017

Kein Sex & Drugs & Rock'n'Roll: 20 Jahre Mia. in 20 Stichpunkten

Auf den Tag genau am 29. September 2017 feiern Mia. ihr 20-jähriges Band-Jubiläum. Mit vielen Gästen und neuen Versionen ihrer Songs. Und mit n-tv.de. Zum Geburtstag baten wir die Bandmitglieder Mieze Katz, Gunnar Spies und Robert Schütze zu einem Gespräch der anderen Art - zu einem Parforceritt durch die Mia.-Geschichte in 20 Stichpunkten.

20 Jahre Mia.

Gunnar Spies: Ambivalente Nachricht. Einerseits kann man sich darüber freuen. Andererseits klingt das auch schon voll alt.

Mieze Katz: Aber man wird nur einmal 20. Das ist schon ein Jubiläum!

Mia. vor 20 Jahren

Mieze: Punk, Sturm und Drang, gegen den Strich!

"Hieb & Stichfest" (das erste Mia-Album)

Robert Schütze: Immer noch heimliches Lieblingsalbum. Und nicht mehr wegzudenken. Wir wurden da reingeschmissen, ohne genau zu wissen, was wir eigentlich tun. Aber retrospektiv betrachtet war es richtig geil, was wir da gemacht haben.

Neue Deutsche Welle

Mieze: Das hat bei mir eher was mit Recherche zu tun. Ich wusste nicht sofort, was das ist. Aber mit der Recherche konnte ich die Assoziation, die manche bei uns dazu hatten, dann irgendwann verstehen. (lacht)

David Bowie (Mia. coverten auf "Hieb & Stichfest" den Song "Heroes")

Mieze: Mein Hero! Schon eine Legende zu Lebzeiten.

Gunnar: Er war schon ein Superstar, bevor ich überhaupt geboren wurde. Er war wie ein Gesetz.

Berlin

Mieze: Als allererstes Heimat. Ein Ort, an dem ich mich auskenne. Aber auch Inspiration.

Robert: Wir waren ja viel in der Weltgeschichte unterwegs. Aber es gibt wenige Plätze, von denen ich mir vorstellen könnte, mich dort ähnlich erfüllt zu sehen wie hier. Wenn jetzt hier noch Berge wären, wäre es perfekt.

Lieblingsalbum (nicht "heimliches Lieblingsalbum")

Mieze: Das kommt noch.

Robert: Bei mir changiert es zwischen dem ersten und dem zweiten Album "Stille Post", das ich insgesamt am rundesten finde. Etwas strange, weil es schon so lange her ist. Aber es macht auch Spaß, das wiederzuentdecken - gerade jetzt in einer Zeit, in der wir uns wieder so viel mit alten Songs beschäftigen.

Gunnar: Für mich ist "Hieb & Stichfest" nicht nur ein heimliches Lieblingsalbum. "Stille Post" war für mich persönlich wichtig, weil ich erst etwas später zur Band gestoßen bin. Da bin ich bei der Band richtig angekommen. Und auch das Album "Tacheles" bedeutet mir nach wie vor viel.

Lieblingssong

Mieze: Da habe ich auch einen heimlichen. (lacht) Die Jungs finden ihn nämlich nicht so gut: "Du". Ich versuche, ihn bei jeder Tour unterzubringen.

Robert: Wenn ich nur einen benennen muss: "Machtspiele". Das ist ein All-Time-Favorit. Ich glaube, es gab keine Tour, auf der wir ihn nicht gespielt haben.

Gunnar: Ich kann nicht nur einen nennen. "Fallschirm", weil ich seine Geschichte mag, aber auch die wahre Geschichte dahinter kenne. "Komm mein Mädchen", weil das unter der Oberfläche auch etwas anderes sagt, als man im ersten Moment denken könnte. Und "Machtspiele" - wegen seiner zwei klaren und wichtigen Aussagen: "Ich liebe das Leben" und "Ich hasse den Krieg".

Blaue Flecken

Mieze: Bis vor Kurzem hätte ich gesagt: unsere Auszeit vor "Tacheles". Die ist ein blauer Fleck in meinem Leben. Aber mir ist bewusst geworden, dass es ohne diese Zeit das Lied "Fallschirm" nicht gegeben hätte. Und auch nicht die traumhafte Version, die wir jetzt im 20. Jahr mit Gregor Meyle von dem Song gemacht haben. Mir zeigt das: Ich fange gerade an zu heilen.

Fehltritte

Robert: Nachdem ich die DSDS-Staffel gesehen hatte, dachte ich: Was für ein Scheiß. Wegen der Außenwirkung, auch wenn ich den Wunsch, das auszuprobieren und mitzugestalten, völlig nachvollziehen kann. Aber ich saß da nicht. Es ist leicht, das von außen zu sagen.

Mieze: Ich sehe das anders. Für mich war das kein Fehltritt. Die Neugier auf den Blick hinter die Kulissen wird mich mein Leben lang begleiten. Ich bin mit vielen Fragen da hin und mit ganz vielen Antworten zurückgekommen. Das war, was ich wollte und gekriegt habe.

Dieter Bohlen

Mieze: Da fällt mir nichts ein. Ich kann zumindest nicht sagen, dass ich ihn in der Zeit besonders gut kennengelernt hätte. Und auch nicht lieben gelernt. (lacht)

"Was es ist"

Gunnar: Da gibst du mir mein Stichwort. Ich bin nun mal der vorsichtige Zweifler in der Band. Und das war genau die Phase, in der ich teilweise gegen meine eigene Weltanschauung die Band verteidigt habe. Weil ich wusste, dass es sich lohnt und wie es gemeint war, was wir da abgefragt haben. Letztlich ging es ja um die Frage: Ist ein positiver Deutschland-Bezug nötig und möglich? In dem Zuge habe ich aber verstanden, dass es für Songs keinen Beipackzettel gibt. Man kann falsch verstanden werden. Und manche Leute wollen vielleicht auch etwas falsch verstehen. Dieser Energie waren wir uns nicht ausreichend bewusst. Daraus haben wir viel gelernt. Und ich denke, heute würde ich es anders machen.

Sex ...

Mieze: Ohne Sex würde es keinen von uns und das Gespräch hier nicht geben. Das wäre ein Sonderinterview wert - zu späterer Stunde bei einem Glas Rotwein.

... & Drugs & Rock'n'Roll

Mieze: Das ist ein elendiger Mythos. Man muss sich nur mal Backstage-Räume angucken. Spätestens da endet es mit Sex, Drugs & Rock'n'Roll. (lacht)

Gunnar: Für alles drei gilt: Die Dosis macht das Gift. Aber ich glaube, ich kann da für uns alle sprechen: Wir waren nie von diesem "Sex, Drugs & Rock'n'Roll"-Lifestyle angetrieben oder hatten das Bedürfnis, das in irgendeiner Art und Weise zu zelebrieren.

ESC (Mia. bewarben sich dafür 2004)

Mieze: Ein wichtiger Schritt für uns. Das war der Durchbruch und die angemessene Bühne für "Hungriges Herz".

Gunnar: Das war schon ziemlich Rock'n'Roll! Wir sind da hingegangen, obwohl klar war, dass wir da nicht richtig hingehören. Wir haben lange darüber nachgedacht. Und bestimmt habe ich gesagt: Nee, das ist scheiße, das dürfen wir nicht machen. Aber dadurch, dass wir es gemacht haben, gab es für uns in dem Jahr einen richtigen Erdrutsch.

Der "Echo" ...

Robert: Der arme "Echo". Ich bin immer noch der Meinung, dass man etwas Gutes aus ihm machen könnte. Aber bisher wurde das immer falsch angegangen.

... und Frei.Wild (Mia. boykottierten den "Echo" wegen der Auszeichnung der Band)

Robert: Ja, durch eine Nominierung wie die von Frei.Wild spaltet es sich halt genau. Es geht ja beim "Echo" nur um Verkäufe. Und wenn eine Band wie Frei.Wild so viel verkauft, dass sie dadurch dann auch berechtigt wäre, dort zu sein, regt mich das natürlich auf. Ich finde, da darf man dann auch die Entscheidung fällen, nicht dort sein zu wollen.

Politik

Mieze: Politik fängt da an, wo zwei Menschen sich begegnen. Ich glaube, in der jetzigen Zeit ist es fast unmöglich, unpolitisch zu sein. Auch sich rauszuhalten, ist für mich gerade ein Statement.

Schwangerschaft

Mieze: Ich sage dir hinterher mehr. (lacht) Ich bin sozusagen Schwangerschaftsanfängerin.

Mia. in 20 Jahren

Mieze: So wie ich seit Jahren versuche, manche Lieder der Band wieder schmackhaft zu machen, versuche ich das seit Jahren auch mit einer Art Akustik- oder Unplugged-Konzert. Vielleicht treffen wir uns also in 20 Jahren zu einer Unplugged-Mia.-Tour wieder. Das wäre mein Traum.

Robert: Auf jeden Fall: Wir sind dann immer noch da.

Mit Mieze Katz, Gunnar Spies und Robert Schütze sprach Volker Probst

Mia. gehen im April 2018 auf Tour: Worms (5.4.), Stuttgart (6.4.), Dresden (7.4.), Mainz (12.4.), Berlin (13.4.), Leipzig (14.4.), Köln (19.4.), Hamburg (20.4.), Magdeburg (21.4.), Wien (27.4.), München (28.4.), Freiburg (29.4.)

Quelle: n-tv.de

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