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Elvis Costello kam als Declan Patrick MacManus zur Welt - erst auf Bitten seines Managers legte er sich seinen Künstlernamen zu.
Elvis Costello kam als Declan Patrick MacManus zur Welt - erst auf Bitten seines Managers legte er sich seinen Künstlernamen zu.(Foto: REUTERS)

Ein Leben ohne Scheuklappen: 60 Kerzen für Elvis Costello

Von Kai Butterweck

Wenn es jemanden gibt, der an keiner Branchentür vorbeiläuft, ohne nicht wenigstens einen Blick zu riskieren, dann ist es Elvis Costello. Rock? Punk? Country? Klassik? Der Brite ist stets offen für alles - und das schon seit über 40 Jahren. Nun wird er 60.

Elvis Costello ist ein Phänomen, eine Art Mysterium in menschlicher Gestalt, von dem jeder auch nur halbwegs informierte Musik-Kenner schon einmal was gehört hat. Geht es allerdings darum, dem Namen Costello ein Erscheinungsbild oder eine musikhistorische Großtat zur Seite zu stellen, damit sich bei unwissenden Neugierigen der berühmte Aha-Effekt einstellt, tun sich die meisten vermeintlich versierten Klang-Experten jedoch schwer.

Seit 2003 ist Elvis Costello mit der Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall verheiratet. Im Dezember 2006 wurden ihre Zwillinge geboren.
Seit 2003 ist Elvis Costello mit der Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall verheiratet. Im Dezember 2006 wurden ihre Zwillinge geboren.(Foto: REUTERS)

Warum ein Künstler wie Elvis Costello nun schon seit über 40 Jahren mehr oder weniger unbemerkt seine Runden in internationalen Entertainment-Gewässern dreht, ist ein Rätsel. Die Rede ist hier schließlich von einem Mann, der im Jahr 2003 neben AC/DC, The Clash und The Police in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde; einem Musiker, der bereits im Jahr 1977 mit seinem Pub-Rock-Debüt "My Aim Is True" sowohl in den britischen als auch in den US-amerikanischen Album-Charts mächtig Staub aufwirbelte, und der im Laufe seiner Karriere nicht nur mit Leuten wie Johnny Cash, Dusty Springfield und Paul McCartney zusammengearbeitet hat, sondern auch eine Unmenge von talentierten 60er- und 70er-Kindern mit seiner Musik die Verwirklichung von Lebensträumen ermöglichte.

Geboren als Declan Patrick MacManus

Gwen Stefani, Tori Amis, Damon Albarn, Billy Bragg: Die Liste derer, die von den Klängen Elvis Costellos zum Musizieren inspiriert wurden, ist lang. Sogar Bette Midler ist Fan des Musik-Workaholics, der im Spätsommer des Jahres 1954 mit dem Namen Declan Patrick MacManus zur Welt kam. Erst auf Betteln seines ersten Managers änderte der Brite seinen Namen in Elvis Costello um. Das war kurz vor Erscheinen seines Debütalbums. Danach zog es ihn in die weite Welt hinaus.

Mit jeder Menge Talent, dem nötigen Songwriting-Know-How und der unbändigen Lust auf musikalische Grenzgänge im Gepäck, hinterließ Elvis Costello in den folgenden Jahrzehnten in nahezu jedem Klang-Genre große Spuren. Festlegen wollte er sich nie: "Ich denke niemals daran, ob das, was ich mache, nun New Wave, Alternative, Americana oder sonst etwas ist. Solche Etiketten bergen immer die Gefahr, dass man den Blick für das Wesentliche verliert, nämlich für den tatsächlichen Inhalt der Musik, ihre Lebendigkeit", gab der Musiker vor einigen Jahren erklärend zu Protokoll.

Langlebige Meisterwerke

Und fürwahr: Einen Elvis Costello muss man einfach machen lassen. Dann entstehen nämlich langlebige Meisterwerke wie das zutiefst aufwühlende und vor Gift und Galle nur so sprühende Album "This Year's Model" aus dem Jahr 1978 oder das Rock-Pop-Spektakel "Spike", auf dem sich Costello und McCartney gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln.

Costello sorgte aber auch im Hintergrund immer wieder für großes Aufsehen. So produzierte er beispielsweise das grandiose The-Pogues-Zweitwerk "Rum, Sodomy & The Lash". Auch bei den britischen Ska-Legenden The Specials legte Costello im Studio des öfteren Hand an – von seinen Schattenbeiträgen für diverse Kino-Highlights ganz zu schweigen (The Big Lebowski, Notting Hill, Unterwegs nach Cold Mountain).

Blickt man dieser Tage auf Costellos bisheriges Gesamtschaffen zurück, fällt auf, dass kein Genre unberührt blieb. Egal, ob allein, mit seinen The-Attractions-Weggefährten, im Beisein eines kompletten Orchesters oder Hand in Hand mit der Creme de la Creme des internationalen Rock- und Pop-Business: Der zweifache Vater und Ehemann der kanadischen Jazzpianistin Diana Krall war stets auf der Suche nach neuen Türen. Dabei spielte es keine Rolle, ob an den Klingelschildern die Begriffe Rock, Punk, Wave, Country, Pop, Hip Hop oder Klassik standen: "Als Künstler muss man offen sein. Es darf keine Grenzen und auch keine Erwartungen geben. Nur so findet eine Entwicklung statt", so Costello. Sein Erbe liefert den Beweis. Heute feiert Elvis Costello seinen 60. Geburtstag. Wir sagen: Happy Birthday, Mr. Tausendsassa!

Quelle: n-tv.de

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