Unterhaltung
(Foto: networking Media/Alex Bruel-Flagstad)

Scheue Schönheit aus dem Norden: Agnes Obel singt uns eine warme Decke

Von Andrea Beu

Agnes Obel - nie gehört? Doch, ganz bestimmt - einer ihrer Songs wurde in einem Werbespot verwendet, um den man gar nicht herumkam. In dem bohrt sich ihre zarte Stimme ins Ohr und bleibt im Gedächtnis haften. Wer jetzt ihre neue Platte hört, wird sagen: ach, die! Wunderbare, warme Songs, perfekt für den Herbst.

Agnes - das ist doch eigentlich ein aus der Mode gekommener Name, ein Alte-Tanten-Name, von verknöcherten ältlichen Damen mit strenger Zopffrisur. Das mit der Zopffrisur stimmt, zumindest auf dem Plattencover - abgesehen davon hat Agnes Obel gar nichts Verknöchertes an sich. Die 32-Jährige wirkt eher wie das ewige zarte Mädchen - ätherisch schön, verträumt, entrückt.

Agnes Obel auf dem Cover ihres neuen Albums "Aventine": bezopft, dunkel, geheimnisvoll.
Agnes Obel auf dem Cover ihres neuen Albums "Aventine": bezopft, dunkel, geheimnisvoll.

In ihrer Heimat Dänemark ist sie bereits ein Star. Mit ihrem Debütalbum "Philharmonics" - auf dem ebenjener Song "Just so" enthalten ist, der durch einen Werbespot in Deutschland bekannt wurde - war sie dort und auch in anderen Ländern sehr erfolgreich. Mit dem Nachfolger "Aventine" will sie nun auch darüber hinaus in die Ohren der geneigten Hörer - und am Besten gar nicht mehr raus.

Agnes Obel stammt aus Kopenhagen, lebt aber bereits seit 2006 in Berlin. Dort hat sie in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ihre neue Platte aufgenommen – (fast) alles selbst geschrieben, selbst arrangiert, selbst produziert. Durch die Verwendung klassischer Instrumente wie Cello, Violine und Harfe - die Idee dazu kam ihr bei der Tour zu "Philharmonics"- umfangen einen die Songs auf "Aventine" mit sehr warmen Tönen. Musik wie eine warme Decke, die einen einhüllt; beruhigend, nicht störend. Kann man daher gut nebenbei hören - genau hinhören lohnt aber durchaus. Sie ist manchmal auch traurig und melancholisch - jedoch nicht schwer melancholisch, sondern leicht. Sie hat etwas Hypnotisches und verführt dazu, sich ganz in sie fallen zu lassen. Nachdenklich, sinnierend, gedankenverloren.

Klassische nordeuropäische Schönheit

Scheu und verletzlich stellt sich die dänische Sängerin dar.
Scheu und verletzlich stellt sich die dänische Sängerin dar.(Foto: Frank Eidel)

Agnes Obel selbst spielt Klavier, an der Violine begleitet sie die Kanadierin Mika Posen (Mitglied der Band Timber Timbre), am Cello die Berlinerin Anne Müller. Auffällig sowohl bei ihrem Bühnenauftritt zur Vorstellung der neuen Platte als auch bei den Fotos im CD-Booklet: Agnes Obel ist wohl keine Rampensau. Beim Konzert sitzt sie seitlich zum Publikum am Klavier und versteckt ihr Gesicht fast die ganze Zeit über hinter einem Vorhang aus Haaren; nur selten gehen ein direkter Blick, ein direktes Wort ins Publikum. Auf den Fotos ist sie fast immer im Profil zu sehen oder - auch hier - hinter ihren Haaren versteckt. An ihrem Aussehen kann es nicht liegen. Agnes Obel ist eine echte klassische nordeuropäische Schönheit, die jeden Südländer zu begehrlichen Ausrufen bringt: langes, blondes Haar, schlank, große Augen, ein Modelgesicht.

Auf dem Cover zu ihrer ersten Platte "Philharmonics" - auch hier schon mit Zopffrisur - blickt sie zwar noch direkt in die Kamera, aber eher scheu und zurückhaltend. So gab sie in einigen Interviews zu, schüchtern zu sein und nicht so gern auf die Bühne zu gehen. Wenn sie dann aber erstmal dort steht, kann sie es doch genießen und sich darüber freuen, wenn es dem Publikum gefällt. Worüber sie fast erstaunt wirkt - dass andere ihre Musik mögen. Den Erfolg ihrer ersten Platte konnte sie so auch kaum fassen - diese hat sich immerhin fast eine halbe Million Mal verkauft. Es ist ihr zu wünschen, dass auch ihr neues Werk erfolgreich wird.

Also, setzen Sie sich mit einer Tasse Tee oder einem Glas Rotwein - Whisky passt auch - in den Sessel, machen Sie es sich bequem, am besten mit dem Blick aus dem Fenster, legen Sie "Aventine" auf und hören Sie selbst. Es wird Ihnen guttun.

Auf Tour in Deutschland

"Aventine" von Agnes Obel ist erschienen beim Label Play it again, Sam (PIAS) und seit dem 27. September in Deutschland erhältlich. "Aventine" bei Amazon bestellen

Auch live ist Agnes Obel in Deutschland zu erleben - hier einige Tourdaten:

18. Oktober - Oldenburg
31. Oktober - Frankfurt/Main
4. November - Freiburg
7. November - Stuttgart
8. November - Heidelberg
12. November - Erlangen
13. November - Köln
14. November - Dortmund
12. Dezember - Hamburg
3. Januar - Berlin

Quelle: n-tv.de