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Kleines Wunderkind aus Norwegen: Aurora.
Kleines Wunderkind aus Norwegen: Aurora.(Foto: Universal Music)

Die mit den Wölfen rennt: Als wäre Björk wieder 19: Aurora

"Running with the wolves" - dank einer Mobilfunkkampagne kommt an diesem Song monatelang keiner vorbei. Auf Sängerin Aurora sollte man 2016 ein Auge haben. Warum? Das ergründen wir im n-tv.de Interview mit der "ein bisschen schrägen" Norwegerin.

n-tv.de: Täuscht mein Eindruck oder warst du in den vergangenen Wochen und Monaten auffallend oft in Deutschland unterwegs?

Aurora: Nicht in den vergangenen Wochen und Monaten. Aber stimmt schon: Ich war viele Male in Deutschland, seit ich meinen Plattenvertrag unterschrieben habe. Ich habe auch schon einige Konzerte hier gespielt.

Eigentlich kommst du aus Bergen in Norwegen. Da bist du wegen deiner Musikkarriere derzeit aber nicht oft. Gefällt dir das?

Sie fühlt sich ganz gern frei wie ein Vogel.
Sie fühlt sich ganz gern frei wie ein Vogel.(Foto: Universal Music)

Manchmal - weil man sich dann wie ein Vogel fühlt. Du bist frei. Und es ist schön, nur einen Koffer mit ein paar Büchern und ein paar Sachen zum Anziehen bei sich zu haben. Es fühlt sich angenehm an, nur die Sachen zu haben, die man wirklich braucht. Aber trotzdem vermisse ich mein Zuhause auch sehr, weil es so anders ist. So ruhig! Da gibt es keine Autos. Und wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich das Meer und Berge. Es ist sehr magisch dort. Das vermisse ich. Und meine Familie.

Du bist gerade mal 19. Hattest du Probleme, deine Musikkarriere mit deinem sonstigen Leben in Einklang zu bringen?

Ich musste die Schule früher als ursprünglich gedacht beenden. Aber ich bedauere das nicht wirklich. Anders wäre es nicht gegangen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren war ich fast jeden Tag auf Reisen und bin ununterbrochen aufgetreten. Und ich mag es, aufzutreten und mit meiner Band zusammen zu sein!

Du hast bereits mit neun oder zehn Jahren angefangen, Songs zu schreiben. Kannst du dich noch an deinen ersten Song erinnern?

Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Aber mein erster Song ging entweder darum, dass eine dir wichtige Person stirbt, oder um Mobbing. Das hatte gar nichts mit persönlichen Erfahrungen zu tun, sondern damit, dass man sich selbst lieben soll.

Du hast die Songs geschrieben, ohne Noten lesen zu können. Und du kannst das bis heute nicht …

Nein. Ich weiß nichts über Musiktheorie! (lacht) Ich kann noch nicht mal so richtig die Tonleiter. (sie versucht die Töne zu summen) Ich verstehe auch gar nicht, weshalb man das brauchen sollte. Aber ich bewundere Leute, die sich damit auskennen.

Du hast ja noch viel Zeit, es zu lernen, wenn du möchtest.

Ja. (lacht)

Zur Musik bist du gekommen, weil du bei euch zu Hause in einem Abstellraum ein elektrisches Piano gefunden hast. Wem gehörte das denn ursprünglich?

Das gehörte meiner älteren Schwester, Miranda, die heute eine Makeup-Künstlerin ist. Sie spielte darauf, bis sie ungefähr 16 war. Dann hörte sie auf. Ich war damals etwa sechs - und habe den Klang des Pianos vermisst. Ich habe es dann in dem Abstellraum wiedergefunden und mich gefragt: Was ist das für ein Ding? Schließlich habe ich den Anschalt-Knopf gefunden und zu spielen angefangen.

Das klingt so einfach …

Ja, ich fand es wirklich ziemlich einfach, die Funktionsweise zu verstehen. Es erschien mir sehr logisch. Als Kind habe ich klassische Musik geliebt. Sie hat mich immer sehr beruhigt. Also habe ich angefangen, klassische Songs zu spielen. Das hat sich natürlich nicht perfekt angehört, aber ich konnte die Songs auf meine Art wiedergeben und selbst spielen. Ich fand das ziemlich schön. Ich liebe den Sound des Pianos! Seitdem habe ich nicht mehr mit dem Spielen aufgehört. 

Wie kam es dazu, dass du von Anfang an in Englisch singst?

Was sie an ihrer Heimat liebt? Die Ruhe!
Was sie an ihrer Heimat liebt? Die Ruhe!(Foto: Kenny McCracken / Universal Music)

Als ich ein Kind war - noch etwas mehr Kind als heute (lacht) -, war ich ein großer Fan von Bob Dylan und Leonard Cohen. Meine ersten Songs habe ich auch auf der Gitarre geschrieben. Und ich habe versucht, Harmonika zu lernen. Ich kann es auch ein bisschen, aber nicht so gut wie Bob Dylan. (lacht) Ich wollte einfach wie Dylan und Cohen sein. Also habe ich auch auf Englisch gesungen. Aber nach einer Zeit wurde mir klar, dass das nicht das Richtige für mich ist. Die Gitarre war größer als ich damals! Piano zu spielen, fällt mir deutlich leichter.

Was haben deine Eltern zu deiner Musik gesagt?

Als ich 15 war, hatte ich einen Auftritt in der Schule - bei der Abschlussfeier nach dem zehnten Schuljahr. Ein Mitschüler nahm das auf und postete es bei Facebook. Das hat jemand von meinem heutigen Management gesehen. Er bot mir daraufhin an, mal bei ihnen vorbeizukommen. Das war 2013 - und ich wollte das erst gar nicht. Aber da meinte meine Mutter, es wäre egoistisch, Musik, die anderen helfen könnte, für sich zu behalten. Sie sagte, meine Musik würde sie berühren und sie wolle, dass auch andere Menschen daran teilhaben könnten. Das hat mich dazu gebracht, nicht zu viel über mich und meine Ängste nachzudenken, sondern es einfach zu machen.

Nicht nur die Musikindustrie ist früh auf dich aufmerksam geworden, sondern auch keine Geringere als Katy Perry. Sie riet ihren Fans in einer Twitter-Botschaft dazu, sich deine Musik mal anzuhören. Was ging in dir vor, als du das mitbekommen hast?

Das Album "All My Demons Greeting Me As A Friend" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "All My Demons Greeting Me As A Friend" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Universal Music)

Das war schon ziemlich seltsam. Ich bin kein Mensch, der bei so etwas ausflippt oder zu kreischen anfängt. Aber Katy Perry ist ja eine von diesen Personen, die wir alle irgendwie kennen, an die wir aber nicht rankommen, weil sie aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Als erstes habe ich mir einfach nur gedacht: Das ist aber nett von ihr. Sie weiß ja, wie viel das für eine weniger bekannte Künstlerin aus Norwegen bedeuten kann. Und sie hat mir mit diesem Tweet sicher sehr viel geholfen. Dadurch habe ich viele neue Fans hinzubekommen.

Hast du sie danach mal kennengelernt?

Ja, sie ist zu einem meiner Konzerte in Los Angeles gekommen. Sie war toll, wirklich nett und herzlich. Aber sie hatte wohl etwas Angst davor, dass die Menschen ihre Anwesenheit bemerken. Sie versteckte sich hinter einem Hut. Dass sie da ist, wusste ich auch erst, als sie nach der Show in den Backstage-Bereich kam.

Katy Perry hat natürlich nur wenig mit deinen Idolen Dylan und Cohen gemein. Wie kommt es eigentlich, dass du dich für diese alten Klassiker so erwärmst?

Dafür muss ich wohl Mama und Papa danken. Sie haben mich schon ganz früh an diese Musik herangeführt, wahrscheinlich bereits, als ich noch im Bauch meiner Mutter war. Die Musik erinnert mich daran, an einem glücklichen, friedlichen und sicheren Ort zu sein. Sie erinnert mich an Hoffnung, an meine Eltern und meine Kindheit. Früher habe ich natürlich nicht wirklich verstanden, um was es in den Songs der beiden geht - ich war ja erst sechs oder so. Umso mehr faszinieren mich ihre Lieder heute, weil ich jetzt begreife, um was es ihnen geht.

Aber du magst auch Heavy Metal …

"Jeder sollte nur er selbst sein."
"Jeder sollte nur er selbst sein."(Foto: Kenny McCracken / Universal Music)

Ja, stimmt. Ich liebe Heavy Metal!

Wie passt das zusammen?

Ich bin wahrscheinlich ein bisschen schräg. (lacht)

Wenn es um deine Musik geht, greifen manche schnell zu Vergleichen: Kate Bush, Lykke Li, Björk, Lorde …

Ich glaube, ich bin da ziemlich störrisch. Ich möchte eigentlich mit niemandem verglichen werden. Ich denke, jeder sollte nur er selbst sein. Jeder ist einzigartig.

Also nervt dich das eher, als dass es dich freut …

Na ja, es ist natürlich auch schmeichelhaft. Ich bin auch ein großer Fan von Kate Bush oder Björk. Und man zieht solche Vergleiche ja immer auch irgendwie automatisch. Es ist schon okay.

Dein Debütalbum trägt den Titel "All My Demons Greeting Me As A Friend". Was sind denn deine Dämonen?

Es geht gar nicht so sehr um meine Dämonen. Jeder hat ja Dämonen, die eine Last sein können und einen womöglich nachts nicht schlafen lassen. Ich habe dafür ein Bild: Ich sehe mich auf einem Boot, auf dem ich dahintreibe. Und dann sehe ich all die schrecklichen Dinge, die auf der Welt passieren. Sie machen Löcher in das Boot, so dass ich zu sinken drohe. Aber es gelingt mir, diese Löcher zu stopfen und mein Boot weiter treiben zu lassen. Wie? Indem ich Songs schreibe.

Auf dem Album ist auch der Song "Running With The Wolves", der hierzulande durch die Werbekampagne eines Mobilfunkanbieters sehr bekannt wurde. Teil einer solchen Kampagne zu sein, kann einem jungen Künstler natürlich sehr helfen. Zugleich kann es aber auch schwierig sein, immer mit dieser Werbung verbunden zu werden. Warst du in die Entscheidung dazu involviert?

Ich verstehe, was du meinst. Gerade wenn man jung ist, wollen einen ja auch alle beraten, dies oder jenes zu tun. Und du fragst dich: Ist das wirklich eine gute Idee? In diesem Fall war es aber so, dass ich die Werbung gesehen habe und die Botschaft okay fand. Sie hat mich in gewisser Weise bewegt. Ich fand es nicht das Schlechteste, Teil davon zu sein. Ich möchte jetzt nicht dauernd an Werbespots mitwirken - aber in diesem Fall habe ich mein Okay gegeben und Ja gesagt.

Verschiedene Musikmagazine und Radios haben dich zum "artist to watch" 2016 gekürt - eine Sängerin, auf die man in diesem Jahr ein Auge haben sollte. Was wünschst du dir von dem Jahr?

Ich bin glücklich, so wie es ist, und will eigentlich gar nicht viel. Ich möchte weiter Songs schreiben und glauben, dass ich es immer noch besser machen kann. Ich möchte inspiriert sein. Ich möchte erforschen. Ich möchte lernen. Und ich will weiter Spaß haben, mein Leben genießen und stolz auf das sein, was ich mache. Das ist am Wichtigsten - nicht, ob ich im Radio laufe oder noch mehr Fans habe. Ich möchte einfach nur weiter machen. Nicht aufhören.

Mit Aurora sprach Volker Probst

Das Album "All My Demons Greeting Me As A Friend" bei Amazon bestellen

Mehr Informationen über Aurora findet man natürlich auch auf ihrer Facebook-Seite.

Aurora ist in den kommenden Wochen in Deutschland live zu erleben: Berlin (21.3.), Hamburg (29.4.), München (1.5.), Köln (2.5.)

Quelle: n-tv.de

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