Unterhaltung
Sie haben zusammen studiert - und London Grammar gegründet: Dan Rothman (l.), Hannah Reid und Dominic "Dot" Major.
Sie haben zusammen studiert - und London Grammar gegründet: Dan Rothman (l.), Hannah Reid und Dominic "Dot" Major.(Foto: Universal Music)

Die Wahrheit ist wunderschön: Auf Dreieckssuche mit London Grammar

Als London Grammar 2013 ihr Debüt vorlegen, gelten sie als das nächste große Ding. Nun präsentieren sie mit "The Truth Is A Beautiful Thing" ihr zweites Album. Mit n-tv.de sprechen Gitarrist Dan Rothman und Keyboarder Dominic "Dot" Major über Wahrheiten, Krisen, Lampenfieber - und die Illuminati.

n-tv.de: Als euer Debütalbum "If You Wait" herauskam, konnte man euch kaum entrinnen. Ich hatte das Gefühl, egal, wo ich hinkam, überall hieß es ständig: "London Grammar" …

Dan Rothman: (lacht) Sorry!

Wie seid ihr mit dem Hype umgegangen?

Rothman: Uns hat das gar nichts ausgemacht. Nein, für uns war das absolut toll. So konnten wir um die ganze Welt reisen, überall Konzerte geben und auf Festivals auftreten. Ich bin wirklich froh, dass wir diesen Erfolg hatten - und du uns nicht entrinnen konntest. (lacht) Lediglich zum Ende hin hat sich ein gewisser Druck aufgebaut: der Druck, ein zweites Album zu machen.

Was war denn das Netteste und was das Lächerlichste, was ihr über euch gelesen habt?

Rothman: Das sollte auch ich beantworten - ich lese alles über uns. Meinst du das Lächerlichste oder das Schlimmste?

Wie du willst …

Rothman: Es gab wirklich viele nette und schöne Sachen, die über uns geschrieben wurden, vor allem am Anfang. Viele Blogs sind auf uns aufmerksam geworden und haben sich sehr positiv geäußert. Und das Lächerlichste oder Schlimmste …? Mal hat einer geschrieben, wir seien "Mittelklasse und langweilig". (lacht)

Ich erinnere mich an eine Diskussion, die aufkam, weil ihr vor einer Plastikpyramide posiert habt. Da fragten sich einige ernsthaft, ob ihr den Illuminati angehört …

Rothman: Ja, das war wirklich lustig! Das Bild ist beim Lollapalooza-Festival entstanden. Es machte im Internet die Runde und die Leute fingen an, überall in ihm Dreiecke zu finden, sogar auf meiner Nase und meinen Zähnen. Ich hatte auch so ein ziemlich abgedrehtes T-Shirt an, auf dem sich viele Dreiecke finden ließen. (lacht) Aber leider gehören wir den Illuminati trotzdem nicht an.

Ihr habt euch für euer zweites Album "Truth Is A Beautiful Thing" vier Jahre Zeit genommen. Was hat euch so lange aufgehalten?

Dominic "Dot" Major: Wir waren einfach sehr lange auf Tour. Und wir wollten auf dem wachsenden Erfolg des ersten Albums aufbauen. Statt einer Tour haben wir in manchen Ländern sechs gemacht - und jedes Mal war es größer als beim Mal davor. Tatsächlich haben wir an dem neuen Album nur rund zwei Jahre gearbeitet. Bis dahin waren wir nur unterwegs.

Der "Guardian" hat über euer erstes Album geschrieben, es sei vielleicht das erste "Quarter-Life-Crisis-Album" ("Viertel-Lebens-Krisen-Album"). Wenn dem so war, was ist dann euer neues Album?

Major: Ehrlich gesagt, finde ich, dass eher unser neues Album unser erstes "Quarter-Life-Crisis-Album" ist. (lacht) Wir sind doch etwas erwachsener geworden. Wahrscheinlich hat das der "Guardian" damals wegen eines Textes wie dem von "Wasting My Young Years" geschrieben. Aber physisch würde ich uns erst jetzt in der "Viertel-Lebens-Krise" angekommen sehen. (lacht)

Eure Texte stammen ja weitestgehend von Hannah. Auf dem ersten Album drehten sie sich vor allem um persönliche Beziehungen. Ist das auch auf "Truth Is A Beautiful Thing" so?

Von Anfang an galten sie als Kritikerlieblinge.
Von Anfang an galten sie als Kritikerlieblinge.(Foto: Universal Pictures)

Rothman: Es geht definitiv immer ein bisschen um persönliche Beziehungen in Hannahs Texten. Aber es geht auch - wie sie es sagen würde - um ihre Beziehung zu sich selbst. Und es fließen auch andere Dinge mit ein wie etwa unsere Erfahrungen, die wir auf unserer Tour mit dem ersten Album gesammelt haben. Hinzu kommen die eher metaphorischen Passagen und das, was Hannah als ihren "Bewusstseinsstrom" beim Schreiben bezeichnet.

"Truth Is A Beautiful Thing" ("Die Wahrheit ist etwas wunderschönes") ist ein starker Albumtitel - zumal in einer Zeit, in der viel über Fake News, alternative Fakten und dergleichen gesprochen wird. Auf dem Album ist auch ein Song dieses Namens. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Major: Schon bei unserem ersten Album war der Titelsong "If You Wait" der letzte auf der regulären Ausgabe. Auch diesmal wollten wir, dass "Truth Is A Beautiful Thing" den Abschluss bildet. Aber ich glaube nicht, dass Hannah mit dem Text auf die Dinge, die du angesprochen hast, explizit Bezug nehmen wollte. Natürlich spiegelt man immer auch irgendwie die Gesellschaft wider - von daher scheinen Hannahs Reflektionen bei dem Song gut zu passen.

Bleibt ihr immer bei der Wahrheit?

Rothman: (lacht) Manchmal.

Die erste Single aus dem Album war "Rooting For You". Im Video beginnt der Song mit einem langen A-cappella-Part. Ziemlich gewagt für eine Single …

Rothman: Hannah hatte den Song ursprünglich komplett als A-capella-Song geschrieben. Dem zollt das Video also in gewisser Weise Tribut. Zugleich wollten wir für das Lied ein Video machen, das heraussticht. Deshalb haben wir "Rooting For You" für den Clip live eingesungen - mit diesem langen A-capella-Part am Anfang. So präsentieren wir den Song jetzt auch bei unseren Liveauftritten. Aber bei der CD-Version, wie sie nun auch auf dem Album ist, ist der Part nicht a cappella - da gibt es Instrumente.

Die Produktionsumstände müssen diesmal ziemlich andere gewesen sein als noch bei eurem ersten Album. Damals hieß es, ihr hättet an "If You Wait" viel in Dans Garage gearbeitet. Ihr seid ja jetzt bestimmt nicht wieder in die Garage zurückgekehrt …

Rothman: Nein, ich bin inzwischen auch dort ausgezogen und meine Eltern haben sich letztendlich doch entschlossen, die Garage für ihre Autos zu nutzen. (lacht) Von daher hast du recht: Das war diesmal schon etwas ganz anderes in all den schicken Studios. Aber wir haben auch in "Dots" Wohnung an dem Album gearbeitet.

Diesmal habt ihr zudem mit einigen wirklichen Musikgrößen zusammengearbeitet. Einer von ihnen ist Produzent Paul Epsworth, der etwa auch schon für Adele oder Florence + The Machine aktiv war. Was für einen Unterschied macht jemand wie er bei der Produktion?

Das Album "Truth Is A Beautiful Thing" ist soeben erschienen.
Das Album "Truth Is A Beautiful Thing" ist soeben erschienen.(Foto: Universal Music)

Major: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass er uns aus unserer Komfortzone holt. Wenn wir nur so vor uns hin arbeiten, neigen wir dazu, in unsere Rollen und alte Muster zu verfallen. Ein guter Produzent zwingt dich dazu, die Dinge einmal anders anzugehen. Manchmal ist das auch frustrierend und schwierig. Aber es ist gut, wenn jemand von außen kommt und die festgefahrenen Strukturen aufmischt.

Ihr wart Freunde, die zusammen studiert haben, als ihr London Grammar gegründet habt. Viele Bands fangen als Freunde an, gehen dann privat aber häufiger getrennte Wege, weil sie schon als Band so viel Zeit gemeinsam verbringen. Wie ist das bei euch?

Rothman: Das ist wahrscheinlich ein natürlicher Prozess. Bei uns ist es schon auch manchmal so, dass wir, nachdem wir lange zusammen waren und gearbeitet haben, nach Hause kommen und dann nicht unbedingt gleich wieder miteinander abhängen wollen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir inzwischen bessere Freunde denn je sind. Meine Freundin ist zum Beispiel auch die beste Freundin von Hannah, was ich sehr schön finde. Ich glaube, dass wirklich beides geht: Man kann sehr professionell miteinander umgehen und dennoch befreundet sein.

Von Hannah weiß ich, dass sie immer unter extremen Lampenfieber gelitten hat. So schlimm, dass sie deshalb sogar manchmal nicht auftreten konnte. Ist das noch immer so?

Major: Es ist immer noch sehr schwierig für sie. Es fällt ihr nicht leicht, ihre Texte live vor einem Publikum zu singen. Sie macht das großartig, aber hat immer noch ihre Schwierigkeiten damit.

Ihr werdet diesen Sommer auf einer ganzen Reihe an Festivals auftreten. Worauf freut ihr euch besonders?

Rothman: Wir werden dieses Jahr wieder bei Lollapalooza auftreten - in Chicago, Paris und Berlin. Das ist ein wirklich gut organisiertes Festival. Deshalb treten Bands gerne dort auf. Und es ist so erfolgreich, dass es inzwischen weltweit stattfindet. Das wird sicher fantastisch.

Mit Dan Rothman und Dominic "Dot" Major sprach Volker Probst

Das Album "The Truth Is A Beautiful Thing" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen