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AC/Roses sozusagen: Axl Rose und Angus Young am Donnerstagabend beim gemeinsamen Auftritt in Hamburg.
AC/Roses sozusagen: Axl Rose und Angus Young am Donnerstagabend beim gemeinsamen Auftritt in Hamburg.(Foto: dpa)
Freitag, 27. Mai 2016

AC/DC erschüttern Deutschland: Axl zeigt's allen!

Von Katja Schwemmers

Es ist das erste von drei Konzerten ihrer vielleicht letzten Deutschland-Tournee: AC/DC bieten bei ihrem Konzert in Hamburg eine Show der Superlative. Und wie schlägt sich Axl Rose als Sänger? Er straft alle Kritiker Lügen.

"Guten Abend, Hamburg! Schön, euch zu sehen!" Das sind am Donnerstagabend die ersten gesprochenen Worte von Axl Rose, der sich in den vergangenen Wochen wie der umstrittenste Sänger der Welt gefühlt haben muss. Denn die Fans von AC/DC waren sich alles andere als einig, ob der als undiszipliniert und arrogant geltende Boss von Guns N' Roses einen adäquaten Ersatz für den auf der US-Tour erkrankten AC/DC-Frontmann Brian Johnson darstellen kann. Einige Fans gaben aus Protest sogar ihre Tickets zurück. Doch die dürften sich nun gehörig ärgern: Beim Konzert im Hamburger Volksparkstadion zeigte Rose, dass er es in jeder Beziehung drauf hat und gut zu AC/DC passt.

Rose gab trotz Gipsbein Vollgas.
Rose gab trotz Gipsbein Vollgas.(Foto: dpa)

Gleich beim Opener "Rock Or Bust" gibt der in abgewetzte Jeans gekleidete Musiker stimmlich Vollgas, während auf den Leinwänden der gigantischen Bühne das Feuer lodert. Rose trägt ein T-Shirt mit der Aufforderung "Touch me, feel me" nebst gelber Quietscheente. Und wie die 46.000 anwesenden Fans ihn fühlen! Hatte er die vorherigen Shows aufgrund eines gebrochenen Fußes noch überwiegend im Sitzen absolviert, hält ihn an diesem Abend nichts an einem Platz. Wie ein Wolf in seinem Revier stiefelt er mit Klumpfuß immer wieder über die gesamte Bühne, so dass es am Ende auch nicht verwundert hätte, wenn er sich den Gips vom Bein gerissen und in die Menge geworfen hätte.

"I said high"

Die sichere Bank bei AC/DC ist wie immer Angus Young, der Gitarren-Derwisch, der sich an diesem Abend für das rotfarbene Modell seiner samtenen Schuluniform-Kollektion entschieden hat, mit der er uns schon vor Jahrzehnten aus der "Bravo" anblinzelte. Von seinen legendären Trippel- und Hüpfschritten gibt er dem Publikum reichlich. Die Interaktion zwischen ihm und Axl Rose vor einer Wand aus Marshall-Verstärkern ist herrlich anzuschauen.

Dass Angus Young Vollgas geben würde, stand sowieso außer Frage.
Dass Angus Young Vollgas geben würde, stand sowieso außer Frage.(Foto: dpa)

Mit einer Hand Gitarre spielen, die andere zur Faust gen Himmel strecken und dabei noch das zottelige Haupthaar schütteln? Auch diese Disziplin beherrscht Young perfekt. Und er versteht es sogar, mit seinem Schlips den Saiten der Gitarre Töne zu entlocken.

Das Publikum ist jedenfalls total aus dem Häuschen. Tausende singen den Refrain von "Thunderstruck" mit, während der Blitz auf den Leinwänden einschlägt. Auch das druckvolle "T.N.T" kommt mit den Feuersalven bestens an. Und wenn Rose ein "I said high" vorgibt, kann die Antwort nur "High Voltage" lauten! Sowieso ist es Wahnsinn, wie viele Hits die Hardrocklegende angesammelt hat - davon können Kiss nur träumen.

Überall Teufelshörner

Um bei AC/DC in Stimmung zu kommen, muss man nicht mal die Platten besitzen. Es ist ein Event für jedermann. Junge wie alte Fans haben sich extra hübsch gemacht für die Herren aus Down Under: Man sieht blinkende Teufelshörner, so weit das Auge reicht. Besonders schön ist das, als diese im Dunkeln zu roten Glühwürmchen mutieren.

Wenn AC/DC anrücken, bringen sie auch ein paar Kanonen mit.
Wenn AC/DC anrücken, bringen sie auch ein paar Kanonen mit.(Foto: dpa)

Auch die Bühne ist mit Teufelshörnern versehen und kann einiges. Denn AC/DC haben ihre gesamte Trickkiste dabei: Bei "Hells Bells" schwingt die Riesen-Glocke zu den deftigen Gitarrenriffs. Bei "Whole Lotta Rosie" erscheint die aufblasbare, leicht bekleidete XL-Dame oberhalb der Bühne. Beim Rausschmeißer "For Those About To Rock (We Salute You)" gibt es aus fünf Kanonen noch mal extra Krach auf die Ohren - dabei war es eigentlich schon vorher laut genug. Und wir legen uns gerne fest: So ein langes, sattes Gitarrensolo wie Young bei "Let There Be Rock" auf den verschiedenen, hydraulisch hochfahrbaren Bühnenteilen hinlegt, hat man in Hamburg schon viele Jahre nicht mehr gehört.

Als sich Young am Ende noch auf den Boden wirft, fragt man sich: Woher nimmt der Mann bloß zwei Stunden lang all die Energie her? Es muss die pure Leidenschaft sein, die das Gründungsmitglied von AC/DC durch die zweistündige Show trägt. Man freut sich mit für die Band, die in jüngerer Zeit so viele Rückschläge einstecken musste: Erst die Nachricht über die Demenzerkrankung von Gitarrist und Bandgründer Malcolm Young, dann der juristische Ärger um Drummer Phil Rudd, gefolgt von den Gehörproblemen von Sänger Johnson. Und trotzdem sind sie immer noch da.

Herzenssache für Axl Rose

Dass der Aushilfsjob auch für Axl Rose Herzenssache ist, merkt man immer, wenn er gerade nicht am Mikro gefordert ist. Zum Soundgewitter der Kollegen steht er dann mit geschlossenen Augen da und übt sich im gemäßigten Headbangen - so als wäre er selbst nur Fan. Durch AC/DC scheint Rose zudem Disziplin gelernt zu haben: Da darf sich dann auch Gitarrist Slash freuen, der mit ihm bald für die nächste Tour von Guns N' Roses zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder auf der Bühne stehen wird.

Aber wie geht es jetzt mit AC/DC weiter? "Weitermachen, so lange es geht", sagte Angus Young jüngst in einem Interview. Jetzt gehe es erst einmal darum, die Tour erfolgreich zu beenden. Den gigantischen Abschluss ihrer Europatour feiern AC/DC mit Axl Rose bei einem Zusatzkonzert am 15. Juni in Düsseldorf.

Im Rahmen ihrer "Rock Or Bust World Tour" spielen AC/DC noch zwei weitere Konzerte in Deutschland - am 1. Juni in Leipzig und am 15. Juni in Düsseldorf

Quelle: n-tv.de

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