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Nicht immer fatal, die Frau Schmidt, aber gerne!
Nicht immer fatal, die Frau Schmidt, aber gerne!(Foto: Warner Music)

Schmitti, übernehmen Sie!: Die formidable Femme Schmidt

Ein Album wie ein Soundtrack. Ein Soundtrack für einen James Bond oder einen Tarrantino-Film. Oder doch eher "Shades of Grey"? "RAW" heißt das gute Stück jedenfalls, doch Femme Schmidt gibt sich im Interview ganz und gar nicht "roh". Sondern sehr klar, reizend und fokussiert. Sie mag ältere Herren des Kalibers Bryan Ferry und Elton John, sie liebt Bondage (im Video) und hat viele Freunde, mit denen sie das normale Leben einer 26-Jährigen lebt. Mal abgesehen davon, dass Hugh Grant sie schon zum Frühstück nach Hause gefahren haben soll, hat die gebürtige Koblenzerin beide Füße fest auf dem Boden verankert und geht nun auf Tour. Ob sie danach immer noch unerkannt durch die Straßen laufen wird? n-tv.de hat die Sängerin getroffen und eine ganz natürliche Frau Schmidt getroffen, der ihre Musik extrem am Herzen liegt und das Leben als Femme einfach nur riesigen Spaß macht!

Ich hab' dich ja schon länger auf dem Radar - aber dann warst du verschwunden. Immer wieder bist du kurz aufgetaucht - mit einem "Tatort"-Titelsong oder bei der Fashion Week - aber es kam kein Album, mit dem ich fest gerechnet hatte. Nun ist es aber so weit.

Ich hab' mir Zeit gelassen, das stimmt. (lacht)

Dafür sieht es jetzt ja umso vielversprechender aus …

Dankeschön, aber das werden wir ja noch sehen. Ich habe dreieinhalb Jahre ganz viel getan dafür, versucht, alles unter Kontrolle zu haben, und dann muss man das Baby auch mal in die Welt hinausschicken.

Bist du ein Control-Freak?

Ist sie ein Control-Freak?
Ist sie ein Control-Freak?(Foto: Warner Music)

Na ja, ich glaube schon ein bisschen, ich habe mich in den letzten Jahren quasi mit nichts anderem beschäftigt. Da habe ich jetzt natürlich darauf geachtet, dass alles stimmt. Ich habe sehr daran getüftelt, ich bin viel gereist, habe wieder umgeschrieben, neu aufgenommen, und dann muss man wohl mal loslassen.

Und das fällt schwer?

Geht so. Es ist auch ganz viel Erleichterung  dabei, denn ich bin ja total happy mit dem Album und stolz darauf. Ich habe etwas geschaffen und soviel gelernt dabei, dass mir das Ergebnis sowieso nicht mehr kaputt gemacht werden kann, egal, wie es jetzt läuft. Alles, was jetzt kommt, ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Da kann mir keiner mehr etwas wegnehmen.

Du hast dich jetzt vorgestellt mit Schmidt …

Ja, oder Schmitti.

Nennen dich deine Freunde so?

Ja, gerne. Oder auch Femme, also so richtig schön deutsch ausgesprochen …

Das klingt doch gut. Normalerweise hat man als Schmidt-Frau ja die Möglichkeit, sich durch Heirat umzubenennen …

(lacht) Nee, das wollte ich nicht!

Bei "Femme" schwingt ja auch immer das "fatale" mit. Fühlst du dich denn immer so, als "Femme fatale"?

(lacht) Nö. Ich mag das natürlich, die Zwanziger Jahre, die Sixties, den Film Noir, die Figur der "Femme Fatale", die mit ihrem Körper das gemacht hat, was ich mit meiner Musik mache. Den Namen habe ich jetzt, aber ich versuche das natürlich mit eigenen Dingen, Situationen und Erlebtem zu füllen. Ich will mich auch nicht die ganze Zeit fatal fühlen (lacht).

Damit kann man aber gut spielen, oder? Femme, das klingt glamourös, und Schmidt klingt total bodenständig.

Ja, das schon. Ich habe Spaß an den Gegensätzen. Das kann man auch an Kleinigkeiten sehen: Mein Albumcover ist ja eher "raw", die Schrift ist ganz geradlinig. Dazwischen ist ein ganz großes Energiefeld. Außerdem liebe ich es tatsächlich, Frau zu sein, und auch, damit zu spielen.

Schwieriges Thema, dieses Frau-Sein, oder?

Du meinst, unter feministischen Aspekten?

Selbstverständlich emanzipiert.
Selbstverständlich emanzipiert.(Foto: Warner Music)

Ja, so lange wir immer noch so viel reden müssen über: "Wie bin ich eine Frau?", sind wir nicht wirklich angekommen, oder? Wir sind kein selbstverständliches Wesen. Wie nimmst du das wahr? Und wie wirst du wahrgenommen auf dieser Skala zwischen "zu sexy" und "lila Latzhose"?  

(lacht) Na ja, ich bin mir sicher, dass es Feministinnen gibt, die über mich sagen, die geht gar nicht! Ist eben auch eine Frage, wie man Feminismus definiert. Ich würde schon sagen, dass ich Feministin bin, denn ich kann meine Emotionen ausdrücken, in jeglicher Form. Und es gibt auch keine Regeln für mich. Ich wurde noch nie unterdrückt. Man kann ja aber immer nur hinter den Sachen stehen, die man fühlt und die einem wichtig sind. Und dass man nicht allen Leuten gefallen kann, ist auch klar.

Bist du in einem Männerhaushalt aufgewachsen?

Nee, normal, Mama, Papa, Bruder, ganz klassisch.

Und war das kein Albtraum für deine Eltern, als du gesagt hast, ich geh' jetzt nach London ins Internat und mache Musik?

Ja, emotional vielleicht schon für meine Mutter, weil mein großer Bruder zeitgleich das Haus verlassen hat. Aber ich hatte ein Stipendium bekommen, insofern gab es schon mal kein finanzielles Desaster. Ich war eben auch schon immer sehr zielstrebig, so haben mich meine Eltern erzogen, und das war nun das Ergebnis (lacht). Man soll das tun, wofür man brennt, und deswegen haben sie mich von Anfang an total unterstützt.

Also, du durftest machen, was du wolltest, Hauptsache glücklich?

Schon, aber Abi musste ich machen. Und drei Monate nach dem Abi hat auch schon das Warner-Label angeklopft, da blieb gar keine Zeit zum Nachdenken über etwas anderes.

Bist du spontan oder planst du eher?

Ich dirigiere gern. Ich versuche, nicht so viel zu planen. Man muss möglichst im Moment sein, das ist das Beste und das habe ich gelernt während meiner Arbeit. Jetzt habe ich Ruhe drin, weil ich mir die Zeit genommen habe. Ich hatte zwar viele helfende Hände, aber das meiste habe ich alleine gemacht.

Wie entsteht die Musik bei dir, erst Text oder erst Melodie?

Ganz unterschiedlich, ich habe immer was zum Notieren oder zum Reinträllern dabei. Und im Studio natürlich, da ergibt oft ein Akkord den nächsten. Die Texte sind aus meinem Leben, überwiegend autobiografisch.

Hast du keine Angst, zu viel von dir zu verraten?

Nicht mehr. Beim ersten Album war das so, da konnte ich noch nicht alles mit anderen teilen. Aber mittlerweile habe ich keine Angst davor, ich will das gerne erzählen und rauslassen, was ich erlebt habe. Meine Stimme ist die Tür zu meiner Seele, insofern strippe ich emotional, wenn ich singe. Aber umso sicherer man sich fühlt, desto mehr kommt man mit Reaktionen klar.

Du gehst auf Tour, was gefällt dir am besten daran?

Das Alter ist doch egal.
Das Alter ist doch egal.(Foto: Warner Music)

Ich mag diesen Austausch mit dem Publikum in den kleineren Clubs sehr, da freu' ich mich drauf. Wenngleich ich auch gern bei größeren Events spiele (lacht). Da kann man eine unglaubliche Energie kreieren. Ich wünsche mir vor allem, dass die Leute für ein, zwei Stunden mal ihre Sorgen vergessen und einfach nur genießen können.

Du warst im Vorprogramm bei Bryan Ferry - wie war das? Es zieht dich ja offensichtlich zu älteren Herren hin, da du bereits mit Elton John und Lionel Richie unterwegs warst.

(lacht) Ach, es war großartig! Ich habe schon immer nach Mentoren gesucht, das hat aber mit dem Alter gar nichts zu tun. Ich finde sowieso, dass es viel zu wenige Mentoren gibt, jeder ist für sich, das ist doch schade. Ich sauge gerne Erfahrungen auf.

Und, hat er dich an die Hand genommen?

Ich kannte Bryan Ferry ja nicht persönlich, aber das hat super gepasst zu seiner Tour, wir sind jetzt befreundet.

Er tanzt so cool!

Dandy-Style …

Was wünschst du dir? Bis jetzt hat sich ja schon vieles erfüllt, richtig?

Da steckt aber viel Arbeit hinter! Das passiert ja nicht einfach so!

Hättest du einen Traumpartner?  

Zum Arbeiten? Ich denke immer, es kommt, wie es kommt, man sollte nichts erzwingen. Ich lerne die Leute gerne nebenbei kennen, und dann geht es über Emotionen.

Apropos Emotionen - im Video zu "Kill me" geht es um Bondage.

Ja, aber ich schiele damit nicht auf "Shades of Grey" (lacht). Bei mir geht's immer um schwarz oder weiß, schlecht oder gut, und bei "Kill me" eben um Schmerz und Liebe, das gehört doch zueinander (zögert). Es hat jedenfalls sauweh getan (lacht), wie in einem meiner Songs:"Hurts so good".

Mit Femme Schmidt sprach Sabine Oelmann

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Die Tour von Femme Schmidt geht noch bis zum 28. März quer durch Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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