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Freut sich auf seine Tour: Dirk Darmstädter.
Freut sich auf seine Tour: Dirk Darmstädter.(Foto: Markus Wustmann)
Mittwoch, 29. März 2017

"Ich will keinen Glamour": Dirk Darmstädter und die Essenz des Pop

20 Jahre Solo-Karriere: der Mann, der mit den Jeremy Days unterwegs war, der Musik machte im Keller, im luxuriösen Studio und auf dem Dach, der die Sonnen- und die Schattenseiten des Musikbusiness kennt wie wenige andere, der bei großen Labels unter Vertrag war und sein eigenes Label hatte, der auch im Wohnzimmer auftritt und unter freiem Himmel auf Ko Samui, hat ein Best-Of-Album hingelegt, das man sich gern am Stück anhört. Und damit tourt Dirk Darmstädter jetzt durch Deutschland. Es gibt einen neuen Song auf dem Album "Twenty/ Twenty", er heißt "Sonny & Cher" und passt hervorragend zu dem Oevre des 52-Jährigen, der mit seiner Compilation ein rundes Album zusammengestellt hat, das Kontinuität ausstrahlt und - die Essenz dessen, was Darmstädter in den letzten Jahren gemacht hat: Gute Musik. n-tv.de hat er verraten, was er gar nicht braucht und was ihn noch glücklich macht.

n-tv.de: Du gehst jetzt auf Tour für einen Monat, oder?

Dirk Darmstädter: Jawoll, und ich freu' mich schon sehr drauf. Heute geht's los!

Dann erzähl' mal - deine letzten 20 Jahre, wie waren die denn so?

(lacht) Ja, schön.

Du hast 20 Hits aus 20 Jahren zusammengepackt, fällt die Entscheidung für oder gegen einen Song nicht irre schwer? 

Das ist das Stichwort: Hits (lacht). Naja, Hits ist ja Definitionssache, aber das wäre ein abendfüllendes Thema. Zuerst einmal habe ich mich natürlich gefragt: Ergibt diese Platte überhaupt Sinn? In Zeiten von Spotify und Playlists. Denn mal ehrlich: eine Compilation braucht doch kein Mensch. Meine erste Solo-Platte kam 1996 raus, und komischerweise habe ich die kurz vor unserem letzten Interview darüber nachgedacht: Wie könnte denn eine Best-Of-Platte von mir aussehen? Und dann hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Was nimmt man da?

Ja, was nimmt man da?

Mein Leitmotiv ist der Song "Pop-Guitars", das zeigt ja meine verzweifelte Suche nach dem ultimativen Popsong (lacht). Und jetzt bin ich mit der Auswahl echt froh. Für mich fühlt sich das jetzt alles echt gut an, ich bin froh. Das ist sowie ein Statement: Das ist auf relativ engem Raum Dirk 2.0. Und was da ist, gefällt mir.

Best-Of ist doch prima zum Mitsingen ...

Ja, aber ich war nie ein Freund von Compilations. Ich stand immer so auf einzelne Sachen. Aber, es gab ja mal die Jeremy Days, und deren Compilation höre ich noch heute gerne (lacht). Man kann dann auch immer das Werk des Künstlers besser verstehen.

Hattest du mehrere Leben?

Im Sinne von verschiedene Phasen? Ja.

Zum Beispiel schnieke mit den Jeremy Days?

(lacht) Ja, auch. Aber das hört da ja nicht auf. In den letzten zwanzig Jahre ist ja viel passiert, nicht nur für mich, aber ich spreche natürlich nur für mich. Die Band hat sich aufgelöst, dann war ich bei einem großen Label, dann ohne die große Company im Rücken kamen Selbstfindung und dunkle Jahre (lacht), dann die Gründung von Tapete Records, zwölf Jahre, meine Don Quijote-artige Reise durch Musikdeutschland, dann zwei Platten ohne Tapete, das heißt, das ist auch wieder ein neues Leben, denn das war ja auch wie Familie. Dann alleine, alle Strukturen wieder neu aufbauen. Diese ganzen Umstände sind die Geschichte meiner jüngsten Platte. Das ist wie ein altes Tagebuch.

Was bedeutet dir das Album jetzt?

Das bildet für mich so eine Klammer: Klammer auf, Klammer zu. Da habe ich jetzt Dirk 2.0 abgeschlossen, nun kann etwas Neues kommen.

Was?

Das weiß ich auch noch nicht. Aber das macht mich komischerweise kein bisschen nervös. Ich fühl' mich frei. Ich folge meinen Songs auch irgendwie: Ich schreibe, und dann passiert etwas, dann geht es weiter.

Obwohl die "New York Times" schreibt, dass du einer der ganz großen Pophelden Deutschlands bist, zieht es dich nicht unbedingt in die Ferne, oder?

Doch, immer wieder, aber ich muss jetzt nicht Stadien am Ende der Welt füllen, um glücklich zu sein. Ich mache genau das, was ich schon immer machen wollte und zwar schon recht lange und es funktioniert ziemlich gut. Ich finde, immer mehr zu verlangen, wäre echt unverschämt.

Mit Dirk Darmstädter sprach Sabine Oelmann

Auf Tour:

29.03.2017 Lübeck - Tonfink
30.03.2017 Göttingen - Nörgelbuff
31.03.2017 Lüneburg - Chandlers
01.04.2017 Kiel - Prinz Willy
08.04.2017 Aachen - Raststätte
12.04.2017 Oberhausen - Zentrum Altenberg
13.04.2017 Bornheim - Cher's
15.04.2017 Bonn - Mausefalle
26.04.2017 Bielefeld - Bunker Ulmenwall
27.04.2017 Ludwigshafen - dasHaus
28.04.2017 Rüsselsheim - Das Rind
29.04.2017 Hamburg - Kukuun

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Quelle: n-tv.de

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