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Danke für die Erfindung des Dixie-Klos!
Danke für die Erfindung des Dixie-Klos!(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 27. April 2014

Faszination Festival: Dixie-Klos, Einweg-Kocher & Rock’n’Roll

Von Kai Butterweck

Sommerzeit = Festivalzeit! Kurz vor Beginn der heißen Monate des Jahres schnüren wieder Abertausende Musikliebhaber ihre Wochenend-Survival-Pakete. Frei nach dem Motto: Raus aus den miefigen Clubs und rein ins Freiluft-Vergnügen.

Marek Lieberberg macht einfach das, was er schon immer gemacht hat - und zwar sehr erfolgreich.
Marek Lieberberg macht einfach das, was er schon immer gemacht hat - und zwar sehr erfolgreich.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Jahr 1970 konnte man hierzulande mit dem Begriff "Festival" noch kaum etwas anfangen. Seinerzeit schaute man noch wehmütig und neidisch über den großen Teich und schwelgte höchstens in Erinnerungen an verwackelte Fernsehberichte über die "Mutter aller Festivals" in Woodstock ein Jahr zuvor. Deutschland steckte noch mittendrin im revolutionären Chaos der Flowerpower- und Hippie-Bewegung. Es war eine Zeit, in der Konzertverhandlungen und Gagenforderungen noch auf Bierdeckeln verewigt wurden; eine Epoche, in der der damals 24-jährige Marek Lieberberg aus Frankfurt am Main sich entschloss, eine Konzertagentur zu gründen und die damals mehr als angesagten The Who für einige Auftritte nach Deutschland zu holen - der Beginn einer beispiellosen Karriere.

Mit seiner damaligen Agentur "mama concerts" holte der ehrgeizige Hesse nach und nach alles auf deutsche Bühnen, was während dieser Zeit Rang und Namen hatte - von Deep Purple und Abba über die Dire Straits und The Police bis hin zu den legendären Touren von Nirvana, Guns N' Roses oder aber auch Madonna. Marek Lieberberg hatte einen Pioniergeist, der Mitte der Achtziger immer mehr Nachahmer fand. Deutschland entwickelte sich zu einem mehr als beliebten Marktplatz für ausländische Künstler und die erfolgreichsten Hitgiganten gaben sich von der Elbe bis zur Isar ein reges Stelldichein.

Spätestens mit der Realisierung des ersten "Rock am Ring"-Festivals im Jahr 1985 wurden auch die letzten Übersee-Brücken geschlagen. Von da an war Deutschland nicht mehr nur ein Garant für perfekt organisierte Club-Touren, sondern auch für großflächige Outdoor-Spektakel. Knapp drei Jahrzehnte später gehören musikalische Schlammschlachten unter freiem Himmel, bei denen zigtausende Fans aller Genres mit Zeltgestängen und Einweg-Kochern im Gepäck ihren Heroen huldigen, zum Standard-Unterhaltungsprogramm zwischen den Monaten Mai und September.

Festivals sind alterslos - auch wenn viel junge Hüpfer das nicht wissen!
Festivals sind alterslos - auch wenn viel junge Hüpfer das nicht wissen!(Foto: dpa)

Der weite Weg in die Eifel ist aber schon längst nicht mehr die einzige Option, wenn man ein Wochenende ohne Dach über dem Kopf inmitten tausender Gleichgesinnter verbringen möchte. Während das "Rock am Ring"-Unikat mittlerweile von einer kleinen "Schwester" ("Rock im Park") begleitet wird, haben sich mit den Jahren zwischen der Nordsee und dem Alpenrand viele weitere Open-Air-Veranstaltungen etabliert. Zu den beliebtesten Festivals gehört beispielsweise das "Southside-Hurricane"-Doppelpaket (Neuhausen, Scheessel), welches in diesem Jahr im Juni wieder die Crème de la Crème der Branche an den Start bringt (Arcade Fire, The Pixies, Volbeat, Casper, Seeed, The Black Keys).

Auch die "Greenville"-Verantwortlichen (Paaren im Glien) haben anno 2014 weder Kosten noch Mühen gescheut, damit sich die Fans über Auftritte von Bands wie The Hives, Babyshambles oder Maximo Park freuen können. Natürlich bläst auch die "Rock am Ring/Rock im Park"-Familie pünktlich zum Pfingstfest wieder zum Sturm. Hier geben sich Anfang Juni Hochkaräter wie Linkin Park, Iron Maiden, Metallica und die Jungs von Kings Of Leon die Klinke in die Hand. Wer auf monströs beschallte Rennstrecken steht, der sollte sich zudem das zweite August-Wochenende dick in seinem Kalender anstreichen. Dann geht es nämlich auf dem Hockenheimring hoch her, wenn sich Bands wie die Beatsteaks, Placebo, Outcast, The Prodigy und Billy Talent von den Massen feiern lassen.

Von Wacken ins Taubertal ...

Ganz egal, wo man in diesem Sommer laue Abende verbringt: Das nächste Festival ist nicht weit. Ob schwerste Hartwurst-Kost ("Wacken", "With Full Force"), hibbelige Beats und fette Rhymes ("Splash"), anspruchsvolle Jazz-Sounds ("Elbjazz-Festival") düstere Gothic-Vibes ("M'era Luna-Festival") oder Deluxe-Events für die Masse ("Taubertal", "Highfield", "Open Flair", "Rocco Del Schlacko"): Wer seine Stars im Sommer gerne abseits miefiger Clubs und schlecht belüfteter Mehrzweckhallen genießen möchte, der kommt hierzulande voll auf seine Kosten.

Auch im näheren Ausland vertröstet man Musikbegeisterte schon lange nicht mehr auf die clubtauglichen Herbst- und Wintermonate. Große Festivals sorgen auch in Großbritannien ("Glastonbury", "Reading", "Sonisphere", "Download"), Dänemark ("Roskilde"), Österreich ("Nova-Rock") und Ungarn ("Sziget") für sättigende 5-Sterne-Musik-Menüs während der heißen Monate des Jahres.

So werden sich also auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende Freiluft-Fetischisten zwischen Fußballfeldern voller Dixie-Klos, flächendeckenden Campingplätzen und riesengroßen Bühnen  köstlich amüsieren. Wie schwärmte doch Metallicas James Hetfield erst wieder, als er vor zwei Jahren die Bühne des Rock am Ring-Festivals verließ: "Club-Shows sind geil. Auch in einer Arena zu spielen ist eine tolle Sache. Aber wenn mir der laue Sommerwind um die Nase bläst und vor mir 90.000 Menschen stehen, die abgehen, als würde es keinen Morgen mehr geben … Besser geht’s nicht!"

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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Quelle: n-tv.de

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