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Paloma Faith: Hat sie das zu Zeug zu einer Mischung aus Lana del Rey, Amy Whitehouse, Rebecca Ferguson und Sia?
Paloma Faith: Hat sie das zu Zeug zu einer Mischung aus Lana del Rey, Amy Whitehouse, Rebecca Ferguson und Sia?

Was vom Juni übrig blieb: Dur-Gärtner, Schlamm-Monster und Aliens

Von Kai Butterweck

Während die Fußball-Weltmeisterschaft den halben Globus vor die Mattscheibe zieht, stopft die Musikindustrie ihr Sommerloch mit außergewöhnlich pompösen Werken. Da weht die Matte, da schwingt das Tanzbein, da fliegt der Petticoat.

Linkin Park – The Hunting Party

Wer hätte gedacht, dass die in den vergangenen Jahren immer müder zu werden scheinenden Knochen der einstmals so gefeierten Kreuzüber-Helden aus L.A. nochmal so richtig zu zappeln anfangen?

Ich jedenfalls nicht. Umso überraschter blickte ich gen Boden, als meine Beine nach einer gut halbstündigen "The Hunting Party"-Dröhnung immer noch nicht aufhören wollten mitzuwippen. Zwar schrammen Chester Bennington und Co auch anno 2014 erneut an der Meilenstein-Torauffahrt vorbei, doch im Vergleich zu den jüngsten Werken stimmt bei den zwölf neuen Songs der Amis - dank straighter Gitarrenarbeit, druckvollen Backgound-Grooves und dem Verzicht von aufgeblasenen Elektro-Spielereien - wenigstens wieder die Richtung. Bitte weiterfahren.

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Bob Mould – Beauty & Ruin

Das Erbe einer erfolgreichen Vergangenheit ins hohe Alter zu tragen, kann Fluch und Segen zugleich sein. Entweder man verliert sich in aufgebackenen Erinnerungen oder aber findet einen Weg, die alten Wurzeln in frische Erde umzubetten. Hüsker-Dü-Legende Bob Mould bewies schon mit seinem letzten Album ("Silver Age"), dass er lieber die Schaufel  in die Hand nimmt, anstatt sich im dunklen Keller um die Feinjustierung seines eigenen musikalischen Rückspiegels zu kümmern.

Auch auf seinem neuen Album buddelt der New Yorker wieder fleißig in kantigem, mit Indie-Rock-Einschüben angereichertem Power-Pop-Humus. Das wächst, gedeiht und blüht. Well done, Herr Gärtner.

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Mastodon – Once More Round The Sun

Der sogenannte Sludge-Hammer soll ja bekanntlich eines der schwersten Werkzeuge der Edelstahl-Branche sein. Bei Namen wie Crowbar oder Eyehategod zucken nicht umsonst sogar die Köpfe von düstersten Black- und Death-Metal-Gesellen zusammen. Auch Mastodon schwören auf schlammige Finsternis-Riffs, eingehüllt in betonschwere Rhythmen.

Im Gegensatz zu ihren Kollegen mischen die Amerikaner ihrer walzenden  Basis aber noch eine Prise Prog-Metal bei. So freut sich der Konsument am Ende nicht nur über eine weitere - vor Metal-Kalorien strotzende - Schlachteplatte, sondern auch über die punktuelle Erweiterung des eigenen Verschrobenheits-Horizonts. Lecker.

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Somi – The Lagos Music Salon

Akzentuierter Jazz, viel Soul und jede Menge ostafrikanische Basis-Einschübe: Wenn die US-amerikanische Sängerin Somi zum Mikrofon greift, dann verschmelzen verschiedene musikalische Kontinentalplatten wie ein Zweierpack Softeis ineinander.

So auch auf ihrem neuen Album, welches sich mit aufwühlenden Nachdenk-Inhalten und multikulturellen Soundlandschaften ohne Umschweife auf den Weg in die Gehörgänge von Freunden anspruchsvoller Bittersweet-Klänge macht.

Wer sich hier in den Weg stellt, ist selber schuld.

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Imelda May – Tribal

Männer über 50 in schnieker Heartbreak-Hotel-Garderobe und jede Menge Gel in den Haaren, sowie eine in Leder posierende Hauptdarstellerin mit knallrotem Schmollmund: Wer sich durchs Booklet des neuen Imelda May-Albums blättert, der muss kein Szene-Kenner sein, um zu wissen, was ihn hier musikalisch erwartet.

Noch Fragen? Auf Hochglanz polierter Neuzeit-Rockabilly mit schunkelnder Retro-Attitüde: That’s what it’s all about! Klingt nischig? Zu weit weg vom Puls der Zeit? Nix da! Die Irin hat nicht erst seit heute den Dreh raus, wie man wippende Vintage-Klänge aus Dublin über Memphis in die große weite Welt verstreut. Hier wackeln nicht nur die Knie von Brian Setzer-Freunden. Pure Rock’n’Roll!

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Rival Sons – Great Western Valkyrie

Eigentlich würde ich die Rival Sons auch weiterhin gerne in meinem kleinen eigenen stillen Kämmerlein genießen, auch wenn ich der Band jeden roten Teppich, der außerhalb meiner vier Wände ausgerollt wird, von Herzen gönne. Aber wer teilt schon gerne, was er liebt?

Demnächst werde ich aber wohl loslassen müssen, denn wenn  sich die Gitarrenmusik liebende Masse nicht wie ein ausgehungertes Raubtier auf das vierte Schaffen der Kalifornier stürzen wird, dann weiß ich auch nicht mehr. Viel authentischer und energiegeladener kann ein Ausflug in die altehrwürdigen Proberäume der Herren Plant, Gillan und Konsorten kaum klingen.

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Paloma Faith – A Perfect Contradiction

Englands derzeit vielleicht durchgeknalltester Entertainment-Export Paloma Faith will es dieser Tage so richtig wissen: Hat die Dame mit dem Hang zu extraterrestrischen Bühnenoutfits, sowie der liebevoll inszenierten Out-of-order-Fassade das Zeug zum international gefeierten Unterhaltungsprodukt?

Ja, hat sie. Dank Pharrell Williams, John Legends und Stewart Matthewman wird der Britin endlich der Schlüssel in den Pop’n’Funk-Olymp überreicht.

Das muss gefeiert werden. Also Lichter aus, Diskokugel an und ab auf die Tanzfläche. Bereit für Paloma Faiths ultimatives Dancefloor-Zeugnis? Dann nichts wie los.

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Quelle: n-tv.de

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