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Deutschlands ESC-Hoffnungen ruhen auf ihr: Isabella Levina Lueen, kurz Levina.
Deutschlands ESC-Hoffnungen ruhen auf ihr: Isabella Levina Lueen, kurz Levina.(Foto: imago/Sven Simon)

"Ein Sieg wäre das Highlight": ESC-Hoffnung Levina & ihr spezieller Modus

Sie kam, sang und siegte: Isabella Levina Lueen soll für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Kiew die Kohlen aus dem Feuer holen. Mit n-tv.de spricht sie über ihren Song "Perfect Life", Lena, Florian Silbereisen, Komplimente und den Druck, der auf ihr lastet.

n-tv.de: Inzwischen ist ziemlich genau eine Woche seit deinem Sieg beim ESC-Vorentscheid vergangen. Hast du mittlerweile alles realisiert oder lebst du gerade noch wie im Rausch?

Isabella Levina Lueen: Gleich nach dieser Riesenshow und den unzähligen Interviews, die dann kamen, konnte ich es tatsächlich nicht so richtig realisieren. Und bisher bin ich echt jeden Tag mit dem Gedanken aufgewacht: "Krass - es ist wirklich so passiert." Aber doch, jetzt habe ich es so langsam realisiert - und freue mich immer mehr darüber.

Hast du mal gezählt, wie viele Interviews es seither waren?

(lacht) Nee, ich glaube, das kann man auch nicht mehr zählen. Es waren auf jeden Fall extrem viele.

Fangen wir nochmal von vorne an: Du warst ja eine von fünf Kandidaten, die es von insgesamt 2000 Bewerbern bis in den Vorentscheid geschafft hatten. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, dich zu bewerben?

Eine Freundin von mir hatte im Radio gehört, dass man sich zu "Unser Song" anmelden kann und mir den Link zu der zugehörigen Internetseite geschickt. Ich habe mir das angeguckt und gedacht: "Okay, dann mache ich das halt einfach und guck mal, ob das eventuell was wird."

Casting-Shows und Gesangswettbewerbe gibt es inzwischen viele - von DSDS bis "The Voice of Germany". Warum ist es bei dir der ESC geworden?

Ja, sie ist groß und hat lange Beine.
Ja, sie ist groß und hat lange Beine.(Foto: imago/Future Image)

Ich war eigentlich nie darauf aus, bei Castingshows mitzumachen. Es kann schließlich auch blöd ausgehen, wenn man sich dort stellt und es am Ende nichts wird. Bei "Unser Song" fand ich dagegen die Idee total gut, dass es nur eine einzelne Show sein sollte, in der es auch wirklich um einen speziellen Gewinn geht. Man ist danach nicht nur irgendwie "The Voice of Germany" oder "Superstar", sondern fährt zum ESC. Es passiert wirklich etwas - noch dazu auf internationalem Level.

Hast du dich früher schon für den ESC interessiert?

Ja, schon. Ich habe zwar nicht immer alles ganz genau verfolgt, aber ich habe ihn sehr oft angeguckt - häufig zusammen mit Freunden aus unterschiedlichen Ländern. Das gemeinsam zu gucken, macht ja einfach Spaß und ist ein schönes Erlebnis. Ich kann mich erinnern, dass ich sogar schon 2000 Stefan Raab mit "Wadde hadde dudde da" gesehen habe.

Wie war das, als du erfahren hast, dass du eine der fünf Kandidaten im Vorentscheid sein und damit vor einem Millionenpublikum in einer Live-Show auftreten würdest?

Ich habe mich total gefreut, denn in die Top 5 zu kommen und in der Show auftreten zu dürfen, war eigentlich genau mein Ziel. Als ich mich beworben habe, habe ich ja nicht gleich an den Sieg gedacht …

Und wie sehr ging dir die Düse?

Den Anruf mit der Nachricht, dass ich in den Top 5 bin, habe ich etwa eineinhalb Monate vor dem Vorentscheid erhalten. Zu dem Zeitpunkt war ich noch gar nicht so aufgeregt. Bei mir fängt Aufregung immer erst kurz vorher an. Bei mir ging es los, als wir dann auf einmal im Studio waren, auf der Bühne standen und geprobt haben.

Im Vorentscheid hast du allerdings einen ziemlich coolen Eindruck vermittelt ...

Das haben mir auch andere gesagt. Und das ist echt lustig, weil ich doch sehr aufgeregt war. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich wirklich schon sehr lange auf der Bühne stehe. Ich habe diese Erfahrung schon oft gemacht - wenngleich natürlich nicht vor einem derart großen Publikum. Ich glaube, ich denke einfach nicht zu viel darüber nach und schalte im Kopf in einen speziellen Modus: "Ich trete jetzt auf, ich muss das durchziehen und gut machen." Und zugleich habe ich versucht, es zu genießen und mich dafür zu entspannen. Wenn man es gar nicht genießen könnte, wäre es schließlich auch schade.

Jetzt bist du ja in der Show nicht nur auf deine Konkurrenten getroffen, sondern auch auf die Jury aus Lena, Florian Silbereisen und Tim Bendzko. Mal ehrlich: Vor wem hattest du den größten Respekt?

Das war schon Lena - einfach weil sie diese ganze Erfahrung bereits gemacht und noch dazu so super bewältigt hat. Man hat großen Respekt davor, in ihre Fußstapfen zu treten. Und es bedeutet einiges, wenn sie gut findet, was man macht - ihre Meinung zählt für viele Menschen. Aber ich fand es auch total cool, Tim Bendzko und Florian Silbereisen zu treffen. Florian Silbereisen war so freundlich und hatte auch echt gute Tipps für einen, das war toll - auch wenn ich von der Musikrichtung her wahrscheinlich eher bei Tim Bendzko wäre.

Du heißt Levina - was Lena nicht ganz unähnlich klingt. Manche ziehen deshalb schon Vergleiche. Nervt das?

Ach, nein, nerven tut mich das nicht. Ich habe den Vergleich allerdings selbst nie so gezogen. Ich denke, abgesehen vom Namen sind wir uns nun nicht besonders ähnlich. Sowohl vom Aussehen als auch von der Stimme her sind wir doch sehr verschieden. Aber natürlich ist es schön, im Lichte des ESC mit Lena verglichen zu werden. Man wird da ja an jemandem gemessen, der es richtig toll gemacht hat.

In der Show und auch bei den TV-Zuschauern hat sich ziemlich schnell abgezeichnet, dass du die absolute Favoritin bist. Wann ist dir das klar geworden?

Bis ich tatsächlich gewonnen hatte, eigentlich gar nicht. Ich habe zwar gemerkt, dass das Publikum im Studio und die Jury meine Auftritte gut fanden - vor allem nachdem ich "Wildfire" gesungen hatte und es Standing Ovations gab. Aber zugleich war ich skeptisch: Wie sah es denn im Fernsehen aus? Das weiß man ja in dem Moment nicht. Deswegen habe ich mir trotz der positiven Reaktion im Studio nicht zu große Hoffnungen gemacht.

Schon in der Show wurdest du mehrfach auch auf deine Optik angesprochen. Du bist hübsch, sehr groß, hast sehr lange Beine. Schmeichelt dir das oder willst du doch lieber nur nach deinem Gesang beurteilt werden?

Das schmeichelt mir schon. Das waren ja sehr nette und schöne Komplimente. Klar, wenn es jetzt nur darum und gar nicht um meine Stimme gegangen wäre, hätte ich es blöd gefunden. Aber um das Aussehen ging es ja wirklich nur am Rande.

Für dich wie auch die Zuschauer gab es nur zwei mögliche Songs für den ESC: "Wildfire" und "Perfect Life". "Perfect Life" ist es geworden. Das hat einige überrascht - dich auch?

Nach ihrem Sieg im Vorentscheid folgt ein Interview aufs andere - hier zum Beispiel in der NDR-Talkshow "Bettina und Bommes".
Nach ihrem Sieg im Vorentscheid folgt ein Interview aufs andere - hier zum Beispiel in der NDR-Talkshow "Bettina und Bommes".(Foto: imago/Future Image)

Ja, mich auch. Zumal im Studio "Wildfire" besser angekommen war. Und die Wahl fiel am Ende ja noch nicht mal knapp, sondern mit 69 Prozent für "Perfect Life" echt eindeutig aus. Aber nachdem ich mir die Songs von anderen Ländern beim ESC mal angehört habe, finde ich die Entscheidung auch gut. Da sind einfach wirklich viele Balladen dabei. Florian Silbereisen hat es richtig gesagt: Vielleicht ist es ganz gut, mit einem etwas schwungvolleren Titel wie "Perfect Life" anzutreten.

Wie wohl fühlst du dich jetzt mit "Perfect Life"?

Ich fühle mich damit sehr wohl. Ich finde den Song sehr gut, vor allem auch textlich. Es geht ja darum, dass man auch negative Erfahrungen machen muss, aus denen man Positives zieht, um überhaupt in gewisser Weise ein "Perfektes Leben" zu erreichen. Damit kann ich mich identifizieren. Und ich finde, das passt auch sehr gut zum ESC. Aber ich hätte mich, egal mit welchem Song, happy gefühlt. Die beiden Songs waren ja sehr unterschiedlich. Ich finde es sehr schwierig, sie zu vergleichen und zu sagen, welcher mein Favorit war.

"Perfect Life" wirst du auf jeden Fall bald nicht mehr hören können …

(lacht) Ja, ich muss ihn oft singen. Das stimmt.

Es gibt den Vorwurf, der Song erinnere an David Guettas Lied "Titanium". Wirklich ungewöhnlich ist das nicht - Plagiatsvorwürfe gibt es fast jedes Jahr bei irgendwelchen ESC-Songs. Was ist deine Meinung dazu?

Man muss zugeben: Es gibt Ähnlichkeiten im Intro. Aber wirklich nur da - das sind vielleicht die ersten fünf Sekunden. Sobald es aber mit der Strophe losgeht, ist das ein komplett anderer und eigenständiger Song. Deshalb zerbreche ich mir über solche Vorwürfe jetzt nicht den Kopf.

Das ESC-Finale in Kiew findet in knapp drei Monaten statt. Bei den Vorbereitungen zu dem Wettbewerb in der Ukraine geht es derzeit so drunter und drüber, dass einem schon angst und bange werden kann, ob das mit dem ESC in diesem Jahr überhaupt klappt. Kriegst du das mit?

Toi, toi, toi in Kiew!
Toi, toi, toi in Kiew!(Foto: picture alliance / Henning Kaise)

Ich kriege schon ein bisschen mit, dass das nicht alles reibungslos abläuft. Aber ich beschäftige mich damit auch nicht zu sehr. Im Endeffekt kann man nur abwarten und sehen, was passiert, falls irgendetwas nicht klappen sollte. Wir gehen mit dem Gedanken an die Sache ran, dass es sicher klappen wird. Ich bereite mich so vor, als wäre es auf jeden Fall zu hundert Prozent sicher.

Du wirst ja ziemlich zur Hoffnungsträgerin hochgejubelt, die die deutsche ESC-Ehre nach den schlechten Platzierungen in der Vergangenheit wiederherstellen soll. Empfindest du Druck?

Die Frage wurde mir jetzt schon öfter gestellt. Und ich denke mir inzwischen: Wahrscheinlich sollte ich jetzt Druck empfinden. (lacht) Aber im Moment bin ich wirklich noch in der Stimmung, mich nur zu freuen - darüber, Deutschland zu vertreten, alles zu organisieren und über meine Performance nachzudenken. Es wird wohl wieder so sein: Erst dann, wenn alles richtig losgeht, im Mai, werde ich wirklich Druck empfinden.

Was nimmst du dir denn persönlich in Kiew vor?

Ich will natürlich versuchen, eine bessere Platzierung als in den vergangenen zwei Jahren zu bekommen. Aber das hängt ja immer nicht nur vom Song oder dem Gesang ab - da spielen viele Dinge mit rein. Eine Platzierung im oberen Drittel fände ich toll. Ein Sieg wäre natürlich das absolute Highlight. Aber es nützt ja jetzt auch nichts, sich darüber allzu sehr den Kopf zu zerbrechen. Ich werde mein Bestes geben und dann sehen, wozu es gereicht hat.

Könntest du mit einer schlechten Platzierung umgehen?

Ich hoffe mal, dass es auch im Falle einer Niederlage beim ESC für mich in der Karriere weitergehen kann. Es hängt ja nicht alles von der Platzierung dort ab. Auf jeden Fall würde ich trotzdem mit der Musik weitermachen. Ich werde immer weiter singen und Songs schreiben, egal, was passiert.

Mit Isabella Levina Lueen sprach Volker Probst

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Quelle: n-tv.de

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