Unterhaltung
Clemens Rehbein und Philipp Dausch tanzen, bis die Wolken wieder rosa sind.
Clemens Rehbein und Philipp Dausch tanzen, bis die Wolken wieder rosa sind.(Foto: Jeff Hahn)

Milky Chance: deutsche Weltstars: "Eine Flasche Schnappo ist auch ok!"

Einen Sommer lang tanzte die Welt zu ihrem Song "Stolen Dance". Ein One-Hit-Wonder blieben Milky Chance aber nicht. Seit über drei Jahren sind Clemens Rehbein und Philipp Dausch erfolgreich in der Welt zu Hause. Angefangen allerdings hat alles in Kassel und dorthin zurück zog es die beiden auch, als sie Anlauf nahmen für Album Nummer zwei. Das Ergebnis ist nun fertig: "Blossom". n-tv.de verraten Rehbein und Dausch ihren Lieblingstrack der Platte und erzählen, wie sie das Tourleben meistern.

n-tv.de: Wenn man einen Hit wie "Stolen Dance" landet, der wirklich überall rauf und runter gespielt wurde - kann man den dann Jahre später noch hören?

Clemens Rehbein: Wir spielen ihn ja nur, wir hören ihn nicht.

Philipp Dausch: Spielen macht Spaß!

Rehbein: Beim Konzert hast du die Leute vor dir. Das ist eine ganz andere Stimmung. Das wird nicht langweilig. Aber wir spielen den Song zum Beispiel dieses Jahr ein bisschen anders als letztes Jahr.

Ihr habt geschafft, was die meisten deutschen Künstler nie schaffen: Ihr seid wahnsinnig erfolgreich im Ausland. Warum ausgerechnet ihr?

Rehbein: (lacht) Sag' was zu der Strategie, die ihr nicht hattet …

Dausch: Viele sagen, wir klingen nicht deutsch. Aber wie klingt deutsch? Die englischsprachigen Texte sind bestimmt hilfreich …

Erinnert ihr euch an einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: Jetzt wird die Sache mit "Milky Chance" langsam richtig groß?

Clemes Rehbein und Philipp Dausch kennen sich schon seit Schulzeiten.
Clemes Rehbein und Philipp Dausch kennen sich schon seit Schulzeiten.(Foto: Jeff Hahn)

Rehbein: Zum Beispiel, als die Frage im Raum stand, ob wir nach Amerika gehen. Das war ein schwieriges Unterfangen.

Dausch: Ein Biggie! Zu dem Zeitpunkt waren wir schon relativ viel in Deutschland getourt. Wir wussten also schon ein bisschen, wie das Leben auf Tour so ist.

Rehbein: Aber das wirkliche Ausmaß einer US-Tour konnten wir damals natürlich nicht mal erahnen.

Ihr habt dann auch die ganzen Festivals gespielt, von denen die Leute hierzulande so gerne lesen - das Coachella in Kalifornien, das Glastonbury in England … Sind die den ganzen Wirbel wert?

Rehbein: Nichts muss, alles kann! Glastonbury ist schon megakrass. Da sind so viele Menschen, wie in Kassel wohnen. Eine ganze Stadt bewegt sich dorthin und übernachtet in Zelten. Auf dem Hinweg fährt man an Stonehenge vorbei (neolithische Steinkreisformation; Anm. d. Red.) durch hügelige Landschaften. Plötzlich sieht man dann dieses Geländer voller Zelte. Das ist mega schön. Glastonbury ist mega groß und trotzdem mit ganz viel Liebe gestaltet. Werbung gibt es da nicht - oder nur ganz wenig. Es ist so ein bisschen hippiemäßig. Ist natürlich organisatorisch manchmal etwas schwierig … (lacht)

Dausch: Coachella ist auch megakrass. Das Set-up in der Wüste: Während du spielst, geht die Sonne unter und du blickst auf Palmen und entfernte Canyons. Das ist schon einfach ein geiles Bild, das du nicht so oft zu sehen bekommst.

Ihr habt überhaupt eine Reihe lässiger Sachen gemacht. Was war am coolsten: auf dem Soundtrack von Fifa 15 stattfinden, als erste deutsche Band bei Jimmy Kimmels Late-Night-Show auftreten oder mit Rick Rubin, einem der einflussreichsten Produzenten der Gegenwart, im Garten sitzen?

Dausch: Also, Fifa war's auf jeden Fall nicht.

Keine Zocker?

Dausch: Ach, Fifa zockt man schon mal gerne. Wir sind jetzt aber nicht die Die-Hard-Fans.

Rehbein: Unser Lied hat's auf Fifa geschafft, jetzt sagen wir: Tschüss, das war's! (lacht) Nein, so war das nicht.

Dausch: Mit Rick Rubin im Garten zu sitzen - das war schon eine der coolsten Sachen, die wir erlebt haben. Der ist ja so ein kleiner Musik-Buddha. Wir haben also viel über Musik gequatscht, aber auch über das Leben an sich. Das war echt ein sehr inspirierendes Gespräch.

"Blossom" ist das zweite Album von Milky Chance.
"Blossom" ist das zweite Album von Milky Chance.(Foto: Universal Music)

Dann sprechen wir jetzt auch über eure Musik. Die neue Platte ist draußen. Es ist eure zweite. Die gilt in Hinblick auf die weitere Karriere eines Interpreten als besonders entscheidend …

Rehbein: Die ist schon wichtig. Man will ja, dass es weitergeht! (lacht)

Dausch: Man mag ja das, was man macht. Und man will es gerne erhalten. Aber es gibt nie eine Garantie dafür, dass deine Musik auch gut ankommt.

Euer erstes Album habt ihr quasi im Kinderzimmer aufgenommen. Für "Blossom" seid ihr in die heimischen Gefilde zurückgekehrt. Musstet ihr euch nach all dem Trubel wieder musikalisch erden, damit ihr nicht abhebt?

Rehbein: Es war nicht: Wir müssen aufpassen. Sondern eher …

Dausch: … wir wollen das machen, womit wir uns wohlfühlen. Wenn man dreieinhalb Jahre getourt ist, schätzt man die Möglichkeit, mal wieder zu Hause zu sein. Dort haben wir angefangen, die Demos aufzunehmen - nur wir zwei, ganz intim.

Rehbein: Bei Philipp in der Wohnung, in seinem Kinderzimmer.

Dausch: In meinem jetzigen Kinderzimmer! Zum Aufnehmen sind wir dann aber in ein großes Studio gewechselt. Wie es das Schicksal wollte, war eine Stunde von uns entfernt in Rothenburg das wunderbare Toolhouse, ein richtig geiles Studio.

Hattet ihr von vornherein eine Idee, wie das neue Album klingen soll?

Auf der Bühne sind Milky Chance mittlerweile zu viert.
Auf der Bühne sind Milky Chance mittlerweile zu viert.(Foto: Jeff Hahn)

Dausch: So ein bisschen. Das erste Album waren ja House Beats mit Singer-Songwriter. Wir wollten, dass diese House Beats nicht mehr so nach Sample-Bank klingen. Deswegen haben wir mehr selbst aufgenommen. Bei "Blossom" ist mehr handgemacht, mehr live.

Rehbein: Auf der Bühne sind wir jetzt zu viert! Die letzten zweieinhalb Jahre waren wir schon zu dritt. Antonio, ein Freund von mir aus der Schule, spielt Gitarre und Mundharmonika. Jetzt haben wir noch einen Drummer mit dabei. Die Rhythmus-Sektion ist also nochmal gewachsen. Jetzt sind wir eine richtige Band.

Das ist immer ein bisschen, wie wenn man Eltern nach ihrem Lieblingskind fragt: Gibt's einen Track auf dem neuen Album, auf den ihr besonders stolz seid?

Rehbein: Stolz ist immer schwierig … Wir mögen "Alive". Der Song hat irgendwie einen ganz speziellen, coolen und interessanten Vibe.

Dausch: Mal nicht der klassische four-to-the-floor (Rhythmus, typisch für elektronische Musik; Anm. d. Red.). Ansonsten … "Cold Blue Rain"!

Rehbein: Eigentlich alle. (lacht)

Ende April geht es für euch mit den neuen Songs auf Tour. Habt ihr Rituale, mit denen ihr es euch fernab der eigenen vier Wände gemütlich macht?

Dausch: Gemütlich ist auf jeden Fall schon mal, das wir uns haben! Alleine im Hotelzimmer ist es wesentlich unangenehmer. Ansonsten gehen wir gerne spazieren.

Rehbein: Man versucht, ein gutes Restaurant zu finden. Gutes Essen ist auch wichtig für die …

Dausch: … Wohlfühlbasis! Tourbusse sind übrigens auch immer sehr gemütlich - vor allem die in Amerika. Es ein bisschen wie auf einem Boot: irgendwie muggelig.

Rehbein: Auf jeden Fall! Wenn man in seine Koje kriecht und der Bus fährt los, …

Dausch: … dann ruckelt es immer so ein bisschen. Also, ich mag Tourbusse.

Rehbein: Ja, Tourbusse sind geil!

Was darf denn im Tourbus nicht fehlen? Habt ihr schon Star-Allüren, ein goldenes Klo vielleicht oder wenigstens weiße Lilien?

Rehbein: Nee, es gibt ganz viel Wasser. Und ganz viel Cola. Unser Tour-Manager ernährt sich von Cola. (lacht)

Dausch: Ich nehm' immer ein Buch mit. Was zu Lesen ist immer gut. Und ansonsten … Die gude Laune darf nicht fehlen!

Rehbein: Genau, die gude Laune! Und eine Flasche Schnappo - wenn die da ist, ist auch ok.

In den vergangenen Jahren habt ihr viel Zeit auf engem Raum verbracht. So wie es aussieht, seid ihr auch erstmal noch eine Weile aneinander gebunden …

Rehbein: Wie Kautschuk-Kaugummi.

Dausch: (senkt die Stimme dramatisch) Der Ring, der sie knechtete …

Rehbein: Wir hatten eine megagute Schulzeit zusammen und hatten schon immer einen sehr, sehr festen Freundeskreis. Von daher war dieses tagtägliche Aufeinanderhängen nichts Neues. Bei allem, was wir so erleben, ist das eher eine Hilfe.

Dausch: Das schweißt nur noch mehr zusammen!

Mit Milky Chance sprach Anna Meinecke.

"Blossom" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Tourdaten:

20.11.2017 Hamburg, Große Freiheit 36 
21.11.2017 Köln, Live Music Hall 
22.11.2017 Frankfurt, Batschkapp
30.11.2017 Berlin, Columbiahalle
04.12.2017 Wien, Gasometer
05.12.2017 Leipzig, Haus Auensee
06.12.2017 München, Muffathalle

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen