Unterhaltung
Hatte sich ein bisschen zurückgezogen: Eliot Sumner.
Hatte sich ein bisschen zurückgezogen: Eliot Sumner.

Wenn man klingt wie der Papa ... : Eliot Sumner steht auf "Noise"

Es gibt mehrere Möglichkeiten für eine junge Frau, mit dem Ruhm, der ihr per Geburt in die Wiege gelegt wird, umzugehen: Entweder wird sie so eine Art Paris Hilton, bringt das Geld von Vati und Großvati per Scheckkarte durch, präsentiert sich dumpf-sexy mit einer Prise Bauernschläue und viel Blond - oder sie macht das ganze Gegenteil. Wie Eliot Sumner. Was soll sie aber auch tun, wenn der Vater - nicht nur reich an Talent - von vornherein rumposaunt, dass seine Kinder sein Geld sowieso nicht erben werden. Nun gehen wir zwar davon aus, dass Eliot, die 25-jährige Tochter des Ex-"Police"-Manns ("Mein Vater war bei der Polizei" hätte sie ja auch immer sagen können), nicht direkt am Hungertuch nagt. Aber wie eine verzogene Göre kommt sie nun auch wieder nicht rüber. Es sei denn, androgyner Look, androgyne Stimme, Achtzigerjahre-Synthie-Rock ("Motorische Sounds und hypnotische Beats spielen auf dem Album eine extrem wichtige Rolle. Ich habe viel mit Drum-Machines und Snares gearbeitet. Ich steh' halt auf Noise!") und eine gewisse Schüchternheit ("Ich bin aber eigentlich gar nicht schüchtern") sind jetzt Tussi-Attribute.

Mit ihrer markanten, tiefen Stimme, dem hübschen Gesicht in den eher zu großen und jungshaften Klamotten sticht sie eh aus der Masse heraus. Nun hat sie eine neues Album rausgebracht: "Information". Wurde auch Zeit: Eliot wartete fast fünf Jahre mit ihrem Nachfolger auf die "I Blame Coco"-Phase. Auf der faulen Haut hat sie dennoch nicht gelegen. Und uns hat sie hoffentlich die letzte Frage nicht übel genommen.

n-tv.de: Wie geht's dir, Eliot? Happy Release-Day!

Eliot Sumner: Oh, dankeschön! (sie antwortet auf deutsch)

Sie lernt gerade deutsch.
Sie lernt gerade deutsch.

Warum sprichst du deutsch?

Weil ich es gerade lerne! (lacht)

Warum?

Weil ich Lust dazu habe und weil ich oft in Deutschland bin.

Super, wollen wir dann weiter deutsch sprechen?

(lacht) Nein, so lange lerne ich nun auch wieder noch nicht!

Ich habe neulich gerade erst wieder gedacht, wie unglaublich freundlich die Leute in London doch sind, selbst die Taxi-Fahrer ...

 ... und das denke ich immer, wenn ich in Deutschland bin! Das liegt aber wohl eher daran, dass wir Briten sehr höflich zu Fremden sind.

Vor fünf Jahren habe ich über dich und deine Band geschrieben: "Sie ist jung, sie sieht gut aus, sie ist schüchtern und sie wirkt ein bisschen störrisch". Habe ich das richtig eingeschätzt?

(lacht), Naja, das kann ich gar nicht so gut beurteilen. Aber ein bisschen störrisch bin ich schon. Manchmal. Schüchtern nun wieder gar nicht. (zögert) Nicht mehr jedenfalls. Hängt von meiner Tagesform ab.

Ich hatte auch den Eindruck, dass du so ein bisschen aus der "Angry young girl"-Fraktion kommst - bist du das immer noch? 

Nee, ich bin nicht unglücklich, im Gegenteil. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch. Aber ich war ja auch noch sehr jung vor fünf Jahren, als du das geschrieben hast. Als junger Mensch ist man ja schnell mal ein bisschen "confused".

Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Eine Menge!! Auch noch ein paar geheime Sachen (lacht). Aber ich musste vor allem meine neue Richtung festlegen. 

Was brauchst du zum Komponieren?

Ich werde von so vielem inspiriert. Vor allem aber brauche ich ein bisschen Druck, sonst würde ich nie aus dem Quark kommen. Ich kann echt gut faul sein.

Sie träumt gern.
Sie träumt gern.(Foto: picture alliance / dpa)

Bist du eine Träumerin?

Ja, total! Ich denke einfach gerne nach. Aber jetzt bin ich im Schwung, jetzt denke ich bereits ans nächste Projekt.

Machen andere dir Druck, Freunde, Familie, Arbeitgeber?

Ach, mein Label hat mir Zeit gegeben, wofür ich echt dankbar bin. Aber wie gesagt, ein bisschen Druck brauche ich schon, sonst wäre ich mit 30 noch nicht fertig gewesen.

Du hast ja noch vieles anderes gemacht ...

Ja, ich sitze nicht einfach nur in der Ecke. Aber auch ... (lacht)

Wie kommt es, dass du deinen Künstlernamen abgelegt hast?

Ich wollte mich von dem vorherigen Projekt einfach distanzieren. Und die Musik hat sich auch so verändert, dass ich mit "I Blame Coco" nicht mehr wirklich in Verbindung gebracht werden wollte.

Das neue Album ist mehr "du"?

Ja, sehr! Das letzte Album war ich nicht wirklich.

Du nennst das jetzt auch "Projekt". Kann es sein, dass du für dein nächstes Album wieder anders heißt?

(lacht) Ja, wer weiß, warum nicht, wenn es was ganz anderes ist?

Hast du Idole?

Nick Cave natürlich, Thom Yorke von "Radiohead", mehr fallen mir heute nicht ein.

David Bowie?

Ja, natürlich, ich war wirklich traurig, als ich von seinem Tod gehört habe, obwohl ich ihn nie getroffen habe. Eine Tragödie.

Darf ich deinen Vater erwähnen?

Warum nicht?

Weil ich den Eindruck habe, dass es natürlich immer ein bisschen nervt, über den famous Daddy zu reden.

Ich mag meinen Vater! (lacht) Ja, und er ist berühmt, aber ich rede gern über ihn.

Guckt gar nicht genervt: Eliot ist happy!
Guckt gar nicht genervt: Eliot ist happy!

Nervt das nicht, Daddy's Girl zu sein?

Nein. Ich hab' damit kein Problem. Er ist ja ein guter Mensch und ich bewundere ihn.

Okay, ich sag's jetzt: Du hörst dich an manchen Stellen auf deinem neuen Album an wie er.

(lacht) Ja, das hab' ich schon mal gehört. Aber das geht anderen ja auch so.

Erzähl' mir doch was über deine neue Band.

Da wäre Jan: Wir wollten schon immer in einer Band zusammen sein, Jan und ich. Und Nick, der ist ein alter Freund von Duncan, und wir sind auch gleich beste Freunde geworden. Und Adam, unser Drummer, war einfach der einzige, der noch zu uns gepasst hat, auf Anhieb. So sind wir nun zusammen.

Wann startet deine Tour?

In Deutschland sind wir im Sommer, glaub ich.

Was ist dein Lieblingslied auf dem neuen Album?

Das ist "Dead Arms & Dead Legs", aber ich spiele am liebsten "Let My Love Lie On Your Life", das macht richtig Spaß!

Was macht ein Lied für dich zum Lieblingslied auf der Bühne?

Manche Songs sind einfach besonders gut zu spielen. (lacht) Jeder, der ein Instrument spielt, weiß das.

Du wirst mit Patt Smith verglichen, magst du das?

Cover von "Information".
Cover von "Information".

Oh wow, ja, na klar, aber ich bin weit entfernt von Patti Smith.

Ich habe jetzt ein paar Mal gelesen, dass du nicht nur so tust, als seist du wütend, sondern "diese Eliot Sumner, die ist auch wirklich wütend"! Gerade hast du gesagt, dass du eine glückliche Person bist, wie erklärst du dir diese Einschätzung?

Ich weiß auch nicht, ich wurde anscheinend mit einem wütenden Gesichtsausdruck geboren. Aber der täuscht.

Liegt das vielleicht auch am Cover?

Hm, ich liebe das Cover.

Ja, aber man erkennt dich nicht.

Aber ich mag das Cover, ich wollte das genau so.

Nächstes Mal vielleicht eins, auf dem man dich besser erkennen kann?

(zögert) Weiß ich nicht. Ich wollte genau diesen Fotografen, und ich finde das auch nicht wichtig, wie ich gucke.

Mit Eliot Sumner sprach Sabine Oelmann

"Information" bei Amazon bestellen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen