Unterhaltung
69 Konzerte in 14 Städten - sie gibt Gas: Helene Fischer.
69 Konzerte in 14 Städten - sie gibt Gas: Helene Fischer.(Foto: dpa)
Mittwoch, 13. September 2017

Fischer macht sie alle nass: Helene lässt Hannovers Herzen beben

Von Volker Probst, Hannover

Zampano, Zirkusdirektorin, Zehnkämpferin, Zen-Meisterin - und Zimmerspringbrunnen. Helene Fischer lässt zum Auftakt ihrer Mammuttournee in Hannover keine Zweifel: Es kann nur eine geben für das volle Programm.

Tick tock, tick tock - der Scheinwerfer auf der Bühne schlägt von links nach rechts aus wie ein Metronom. Um 20.04 Uhr hat er den Takt gefunden, auf den rund 10.000 Zuschauer erst in einer ellenlangen Schlange vor und dann in der Hannoveraner TUI Arena sehnsüchtig gewartet haben. Die Musik schwillt an, Applaus brandet auf und Helene Fischers schattenhafte Umrisse formen sich auf der überdimensionalen Videoleinwand zu einer klaren Gestalt. Und dann kommt sie auch schon in Fleisch, Blut und einem glitzernden Hauch von Nichts vom Bühnenhimmel geschwebt. Die Rauchkanonen zünden, die Tänzer beziehen Position und Sankt Helene setzt zu ihrem allerersten Song an: "Nur mit dir".

Bei mancher Einlage Fischers dürfte einigen schwindlig geworden sein.
Bei mancher Einlage Fischers dürfte einigen schwindlig geworden sein.(Foto: dpa)

Es ist nicht nur ihr allererster Song an diesem Abend, sondern auch der allererste Song ihrer schlicht "Helene Fischer" betitelten Tournee, die in Hannover Premiere feiert. So sehr sich mancher bei Textzeilen wie "Nur mit dir möcht' ich die Welt von oben sehen" jedoch vielleicht persönlich angesprochen fühlen mag - man sollte den Tatsachen ins Auge blicken: Fischer wird in den kommenden Monaten bis Anfang März 2018 landauf, landab mit Hunderttausenden Fans flirten. Insgesamt umfasst ihre Tournee 69 Auftritte in den größten Hallen in 14 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. An den meisten Orten tritt sie sage und schreibe fünfmal hintereinander auf. Und nur wenig später geht es auch schon weiter - dann erobert sie die Stadien.

Drei Stunden Show

Doch nicht nur mit ihrem prallvollen Terminkalender möchte Fischer ein Ausrufezeichen hinter ihren Status als Ausnahmekünstlerin setzen, den sie sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Mit "Das volle Programm" ließe sich auch ihre Show an sich überschreiben. Als der gleichnamige Song aus ihrem neuen Album als drittes Lied in Hannover verklungen ist, hat Fischer bereits derart den Zampano auf der Bühne gegeben, dass sie sich für zwei Balladen kurzzeitig in die Rolle der Zen-Meisterin zurückziehen darf. Dabei sind zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ein paar Minuten der - zuzüglich einer kurzen Pause - rund dreistündigen (!) Show verstrichen.

Für die Show war einiges an Proben nötig.
Für die Show war einiges an Proben nötig.(Foto: dpa)

Man sieht Helene Fischer an, wie ernst es ihr ist und wie intensiv sie sich auf den ihr bevorstehenden Konzertmarathon vorbereitet haben muss. Sie ist drahtig und beinahe durchtrainiert wie eine Zehnkämpferin. Kein Wunder, schließlich gehört zu ihrem vollen Programm weit mehr als nur die Musik, die allein jedoch schon wie ein überlaufender Kessel Buntes daherkommt. Vom klassischen Schlager ist die angebliche Schlager-Queen oftmals weiter entfernt als ein Hochsee-Fischer vom Hafen. Ihre Musical-, Chanson- und mitunter auch Country-Anleihen kennt man ohnehin von ihren Tonträgern. Doch live mutiert ihr Song "Achterbahn" schon beinahe zu einem Techno-Club-Track, taucht da mal ein Fetzen "Push It" von Salt'n'Pepa auf und dort - man möchte seinen Ohren kaum trauen - für Sekundenbruchteile gar der Gitarren-Riff von Rage Against The Machines "Killing In The Name Of".

"Mitgefahren, zugestiegen"

Aber wirklich auf die Zwölf gibt Fischer ihrem Publikum erst mit dem, was sie neben der Musik auf die Bühne bringt. Oder besser gesagt: die Bühnen. Die Zahl an auf- und absteigenden Podesten, in der Halle schwebenden Plattformen oder sich über den Köpfen der Zuschauer drehenden Laufstegen ist kaum noch zu zählen. Beinahe geht es zu wie auf der Kirmes, nur dass niemand "Mitgefahren, zugestiegen" ruft und Fischer die Einzige ist, der ein Drehwurm droht. Obwohl? Auch ihre Band erfährt mittels Hebebühnen ein fortwährendes Auf und Ab. Während die Musiker bei manchen Songs ihre Frontfrau auf der Bühne unterstützen, agieren sie bei anderen irgendwo im stillen Kämmerlein unter dem Hallenboden. Dann ist alle Konzentration auf Helene Fischer gerichtet.

Trommelwirbel von Helene für Helene.
Trommelwirbel von Helene für Helene.(Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Oder auf sie und ihre rund 20 sonstigen Mitstreiter. Das sind nicht nur die Tänzer, sondern vor allem die Akrobaten vom "Cirque du Soleil". Denn Fischer ist bei dieser Tournee nicht zuletzt auch Zirkusdirektorin. Doch nicht allein die Profis vollziehen während der Show waghalsige Manöver an Seilen, Trapezen und Gestängen - auch Fischer selbst hat sich ihre Muckis nicht ohne Grund zugelegt. Bei manchem Zuschauer dürfte die Halsschlagader deshalb nicht nur beim jüngsten Gassenhauer der Sängerin, "Herzbeben", nervös zucken, sondern auch wenn Fischer wie Petra Pan an Schnüren über die Bühne fliegt, aus etwa fünf Metern auf eine Matte in die Tiefe stürzt oder in gefühlt zehn Metern ohne Sicherung nur an der Hand eines Artisten hängt. Und selbstredend singt der Star in der Manege dazu stets fehlerfrei. So fehlerfrei, dass nicht immer klar ist, ob nicht hier und da doch ein wenig mit Playback nachgeholfen wird.

"Es ist immer noch nichts da"

Zweifelsohne nachgeholfen wird bei den Kostümen. Rund ein halbes Dutzend mal wirft sich die 33-Jährige neu in Schale und lässt dabei ein ums andere Mal tief blicken. Highlight allerdings ist ein Outfit, mit dem Fischer wirklich alle nass macht. Wasserfontänen umschließen ihren Unterkörper als wären sie ein Kleid - und die Sängerin ein lebendiger Zimmerspringbrunnen. Möglicherweise auch eine Idee für einen weiteren Merchandising-Artikel neben Shirts, Bechern und Beuteln mit "I Love Helene Fischer"-Aufdruck. Einige enthusiastische Fans wären sicher auch für den Helene-Brunnen bereit.

Schließlich tut die Sängerin alles dafür, die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Immer wieder adressiert sie das Publikum mit "Hannover"-Rufen. Ansonsten behandelt sie in ihren Ansagen jedoch die gleichen Themen, die sie auch schon bei der Vorstellung ihres neuen Albums vor ein paar Wochen in München umtrieben: ihre Eltern, ihren "Flori", dass alle hier "Kämpfer" seien und jeder einzelne Mensch "wunderbar" ist. Und vor allem natürlich Kinder. Auch wenn Fischer "jetzt hier keine Schlagzeilen schüren" möchte: "Es ist immer noch nichts da." Warum auch das Repertoire ändern, wenn es doch so erfolgreich ist? Es gibt kaum eine Ansprache von Fischer, die nicht im Jubel der Fans unterginge.

Klar, dass das Konzert nicht ohne "Atemlos" im Konfettiregen zu Ende gehen darf. Als es für viele Zuschauer im Anschluss mit der U-Bahn nach Hause geht, weiß das Hannoveraner Fahrgastfernsehen schon die sensationellen News von Fischers Tourneeauftakt in der Stadt zu verkünden: "Die Show war bombastisch. Ein Spektakel, das neue Maßstäbe setzt." Und auch wenn man kein Mitglied der Helene-Fischer-Sekte ist: Verkehrt ist das nicht.

Quelle: n-tv.de

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