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Er will auswandern, aber musikalisch bleibt er uns auf jeden Fall erhalten: Michael Wendler.
Er will auswandern, aber musikalisch bleibt er uns auf jeden Fall erhalten: Michael Wendler.(Foto: Andreas Metz / Sony Music)

Der Wendler kommt mit "Überschall": "Ich bin härter als Dieter Bohlen!"

Sonntagabend im Kölner E-Werk: Michael Wendler und seine "Let's Dance”-Tanzpartnerin Isabel Edvardsson tanzen auf der Bühne noch einmal zu Andrea Bergs "Du hast mich tausendmal belogen” den Cha Cha Cha."Let's Dance”-Juror Joachim Llambi hatte dem Wendler dafür zwei Tage zuvor noch den "Totentanz” bescheinigt, aber diesmal sieht es um die Hüften schon viel lockerer aus. Vielleicht ist dem Schlagersänger der Titel seines neuen Albums "Überschall”, das er an diesem Abend bei einem Fan-Konzert vorstellt, ja in Fleisch und Blut übergangen. Er ist jedenfalls guter Dinge, als wir ihn nach der Show zum Interview treffen. Hinter manche seiner Äußerungen möchte man als Autor gerne ein (lacht) setzen - aber er lacht ja nicht, als er von Weltrekorden, seiner musikalischen Sozialisation mit Dieter Bohlen und dem lyrischen Potenzial seiner Songs erzählt.

n-tv.de: Herr Wendler, was tut Ihnen gerade am meisten weh?

Bei "Let's Dance" versucht er gerade mit seiner Tanzpartnerin  Isabel Edvardsson zu punkten.
Bei "Let's Dance" versucht er gerade mit seiner Tanzpartnerin Isabel Edvardsson zu punkten.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Michael Wendler: Die Füße! Man spürt einen permanenten Schmerz - das kann man sich nicht vorstellen. Es wird jetzt noch schlimmer, denn in den letzten fünf Wochen hatte man immer einen Tag zwischendurch frei - aber das ist nun vorbei. Es wird jeden Tag von morgens bis abends getanzt.

Wie ernst nehmen Sie "Let's Dance"?

Absolut ernst, natürlich. Ich weiß, ich stehe unter Dauerbeschuss der Jury, die ja am Wendler immer etwas auszusetzen hat, mit uns sehr hart ins Gericht geht und mir immer wenig Punkte gibt. Das bedeutet, wir brauchen auch wirklich die Unterstützung von den Fans.

"Du warst tausendmal außer Takt", sagte Jurymitglied Joachim Llambi nach Ihrer Performance. Schmerzt bei einem Musiker solche Kritik besonders?

Die Jury ist ja dafür da, mich zu bewerten, und ich bin dafür da, zumindest was die Sendung betrifft, das Beste zu geben, und das habe ich auf jeden Fall getan. Natürlich war ich mal außer Takt, aber das ist auch der Aufregung geschuldet. Taktgefühl habe ich durch meine musikalische Arbeit erlernt, aber der Tanztakt ist durchaus noch ein ganz anderer als der musikalische Takt. Das ist echt schwierig für mich als Musiker, mich umzudenken.

Im Einspielfilm haben Sie sich als Musiker und Lyriker bezeichnet.

Genau: Musiker, Komponist, Texter. Ich weiß ja, was ich schon alles gemacht habe. Ich habe schon ein Buch geschrieben. Ich habe über 500 Titel selber geschrieben - auch die vom neuen Album "Überschall". Musik ist mein Leben. Aber da musste ich auch erst mal reinwachsen.

Was war die Initialzündung?

Komponieren ist schon anstrengend ...
Komponieren ist schon anstrengend ...(Foto: Andreas Metz / Sony Music)

Ich habe mit Gedichten angefangen. Dann kamen die ersten Songs, die ich nur für mich geschrieben habe. Ich war auch noch nicht gut. Das war wirklich noch so Ringel-Rangel-Rose. Und dann habe ich an einem Talentwettbewerb in Aachen teilgenommen, der von RTL und der "Bild”-Zeitung begleitet wurde. Das ist jetzt 18 Jahre her. Ich habe den Mut gehabt. 20 Interpreten sind angetreten. Jeder hat einen Song gesungen. Und dort habe ich gewonnen - als Komponist, Texter und Interpret.

Was ist denn Ihre Lieblingszeile aus einem Ihrer Songs?

Es gibt so viele. Da wüsste ich gar nicht, wo ich anfangen soll! Aber ich entscheide mich für: "Und auch wenn ich drauf gehe, ich habe es wenigstens versucht."

Das ist aus einem Ihrer neuen Lieder, oder?

Ja, aus dem Titelsong "Überschall". Das bin so ich, das ist mein Motto: Ich kriege Gegenwind, Leute versuchen, mich aufzuhalten. Aber trotzdem stehe ich immer wieder auf und gehe weiter. Und das ist auch, was meine Fans cool finden: Dass ich mich nicht unterkriegen lasse, dass ich immer weiter kämpfe - bis zum letzten Atemzug.

Mit Ihrer Tanzpartnerin Isabel Edvardsson haben Sie gerade auf der Bühne das Duett "Tanzen ist Träumen" gesungen. Das ist aber gar nicht auf Ihrer Platte drauf.

Das war eine ganz kurzfristige Geschichte, die erst vor zwei Wochen entstanden ist. Es ist die schnellste Single, die jemals umgesetzt worden ist! Innerhalb von fünf Tagen - von der Idee bis zum Songschreiben. Ich bin dann mit Isabel ins Studio gegangen, und wir haben eine Schallplattenfirma gefunden, die den Song am Tag unserer ersten gemeinsamen "Let's Dance"-Show veröffentlicht hat. Das ist Weltrekord! Für mich zumindest.

Was haben Sie eigentlich für Musik als Teenager gehört?

Komischerweise gar nicht viel Schlager, schon eher die internationalen Charts. Ich habe auch nie gedacht, dass ich irgendwann mal Schlagersänger werden würde.

Gab es Lieblingsbands?

Modern Talking, die habe ich immer sehr gerne gehört.

Sind Sie Dieter-Bohlen-Fan?

Ja, ich find den nicht schlecht.

Weiß er das?

Nee, das weiß er nicht. Ich glaube, er hat auch ein ganz falsches Bild von mir. Wahrscheinlich wie viele andere da draußen auch. Aber wir sind uns noch nie begegnet. Und vielleicht ergibt sich das mal irgendwann.

Vielleicht sitzen Sie ja bald neben ihm in der DSDS-Jury?

Oh Gott, das würde ich sogar sehr, sehr gerne machen! Ich glaube, ich wäre ein schärferer Kritiker als Dieter Bohlen. Aber eins nach dem anderen. Erst einmal kümmere ich mich jetzt um "Let's Dance" und mein neues Album.

Mit "Nicht noch einmal sterben" ist ein melodramatischer Titel auf Ihrem Album, der widerspiegeln soll, wie sich Ihr Leben seit Ihrem Unfall in der RTL-Show "Ich bin ein Star - Lasst mich wieder rein!" im Sommer 2015 verändert hat. Sie sind damals beim Abseilen mit der rechten Hand auf den Boden geprallt, mussten diverse Konzerte absagen.

"Ich wurde schon oftmals belächelt."
"Ich wurde schon oftmals belächelt."(Foto: Andreas Metz / Sony Music)

Der Unfall hat mich total verändert. Das hat mir gezeigt, wie schnell so ein Leben vorbei sein kann, und wie wenig ich eigentlich umgesetzt habe von dem, was ich immer umsetzen wollte. Insbesondere für meine Familie da zu sein und meiner Tochter beim groß werden zuzuschauen. Ich habe die letzten 18 Jahre sehr viel gearbeitet, habe unglaublich viele Fernsehshows gemacht, 200 bis 250 Auftritte im Jahr absolviert. Ich war nur unterwegs und habe viel geschrieben. Meine Tochter ist jetzt 14, und ich denke: Wo ist die Zeit geblieben? Die nächsten Jahre wollen wir jetzt einfach mal ein bisschen intensiver miteinander verbringen. Deswegen möchte ich nicht "Auf Wiedersehen" sagen, es gibt auch keine Abschiedstournee, aber einen kleinen Rückzug, eine Art Schaffenspause. Und wenn ich zurückkomme, werde ich mich neu erfinden. Es wird einen noch spektakuläreren, größeren Michael Wendler geben, als es ihn jemals zuvor gegeben hat.

Sind Sie sicher?

Ich wurde schon oftmals belächelt. Als ich damals als erster Schlagersänger nach Wolfgang Petry sagte, ich würde in eine der größten Hallen der Region auftreten, nämlich der Arena Oberhausen, da hat man mich ausgelacht. "Das schaffst du nicht mit deutschem Schlager", haben die Leute gesagt. Aber das Konzert war ausverkauft. So ging das jahrelang. Danach kamen dann erst die anderen großen Künstler und haben es mir nachgemacht mit dem Pop-Schlager. Ich war in der Tat einer der ersten, der sich das getraut hat. Und natürlich ist man dann hier und da von allen Seiten kopiert und auch überholt worden. Das ist auch nicht schlimm.

Es heißt, Sie wollen Deutschland den Rücken kehren. Was wird's denn nun: Miami oder Mallorca?

Das darf noch nicht verraten werden. Wir werden auf jeden Fall nicht in Deutschland bleiben. Ich bin gerade dabei, die Ranch und alles zu verkaufen. Aber wohin ich gehe ... Irgendwann ist das Gerücht entstanden, ich würde nach Amerika ziehen. Das habe ich niemals in einem Interview erwähnt.

Keine Wehmut?

Das Album "Überschall" ist vor Kurzem erschienen.
Das Album "Überschall" ist vor Kurzem erschienen.(Foto: Sony Music)

Wenn ich das Ziel verfolgen möchte, meiner Familie nah zu sein, dann geht das einfach nicht hier. In Deutschland bin ich doch sehr bekannt. Ich kenne hier zu viele Leute. Ich werde jeden Tag angerufen. Ich habe immer wieder neue Projekte und Angebote bei mir auf dem Tisch liegen. Aber ich brauche Abstand. Wenn man so einen Bekanntheitsgrad erreicht hat wie ich, dann gibt es nicht viele Alternativen. Es ist natürlich einschneidend für die ganze Familie, und das habe ich auch nicht alleine entschieden.

Würden Sie Ihre Auswanderung begleiten lassen von der VOX-Sendung "Goodbye Deutschland"? Das würde sich ja anbieten, wo Sie doch so gerne an Reality-Formaten teilnehmen.

Das ist eine gute Idee! Vielen Dank dafür. Aber damit muss natürlich meine ganze Familie einverstanden sein. Meine Familie hat ja bisher mehr oder weniger ein Leben außerhalb der Öffentlichkeit geführt. Das ist schon kostbar.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Deutschland zurück?

Auf Nimmerwiedersehen werde ich nicht sagen. Ich bin Deutscher, und ich liebe Deutschland. Ich bin sehr, sehr dankbar. Was hatte ich für eine Karriere! Das muss man ganz ehrlich mal sagen. Ich kenne so viele Kollegen, die sind mit mir gestartet, und die kennt immer noch keiner! Von daher denke ich, habe ich mehr richtig gemacht als falsch.

Auf der Bühne sagten Sie vorhin, dass Sie Ihrer Plattenfirma Sony danken würden, dass diese trotz aller Skandale zu Ihnen gestanden hat.

Ja, das habe ich gerade einfach mal so erwähnt. Dafür, dass eine so große und edle Schallplattenfirma wie die Sony hinter ihrem Künstler steht, was sie immer getan haben, dafür bin ich sehr dankbar.

Gibt es etwas, dass Sie bedauern?

Nein, ich wurde ja auch sehr oft in den Medien zu Unrecht für irgendetwas verantwortlich gemacht. Es war wirklich auch nicht immer leicht.

Aber Ihr Rechtsanwalt hat sich eine goldene Nase verdient in den letzten Jahren, oder?

Mit Sicherheit! Der hat sich wahrscheinlich schon ein paar Häuser gekauft.

Mit Michael Wendler sprach Katja Schwemmers

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Michael Wendler im Konzert:

08.05.2016 Dinslaken, Die Wendler-Ranch-Frühlingsparty
10.09.2016 Dinslaken, Die Wendler-Ranch-Herbstparty
16.09.2017 Oberhausen, König-Pilsener-Arena

Quelle: n-tv.de

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