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Cro ist zurück mit einem neuen Album: "tru".
Cro ist zurück mit einem neuen Album: "tru".(Foto: Saeed Kakavand/Chimperator Productions)
Freitag, 08. September 2017

Rapper Cro ist zurück: "Ich hab' oft kassiert"

Als Panda ist er nur noch schwer zu erkennen - und ein bisschen anders klingt er auch. Cro hat ein neues Album, "tru", und das schreit: Veränderung. n-tv.de verrät der Rapper, wie sein Sehnsuchtsort aussieht und ob er unter seiner Maske schwitzt.

n-tv.de: Schon mal einen Karren richtig vor die Wand gesetzt - wahlweise vor 'nen Baum?

Cro: Ein Auto? Neee, aber ich hatte mal einen Autounfall. Es war ein Wintermorgen, etwas vereist, dafür Sonne. Ich hatte das Fenster runtergekurbelt, weil die Scheibe zerkratzt war und meine Lüftung nicht ging. Ich hatte freie Fahrt, war vielleicht auf 50 oder 60, vielleicht auch 80 km/h. Jedenfalls zieht einer auf der linken Spur nach rechts und voll in mich rein und ich in ihn rein. Wir beide rasen zusammen über die Kreuzung und mähen die nächste Ampel um. Der Typ ist dann ausgestiegen und hat gesagt: "Oh, neeein, das zweite Mal heute!" Krass oder? Der war bei Sixt, so ein Auto-hin-und-her-Fahrer. Hat zwei Karren an einem Tag geschrottet, der Arme.

Im Video zu "Baum" sitzt du hinterm Steuer. Es geht um den Moment vor dem Aufprall. Ist es mutig, als ersten Track von einem Album eine ernste Single zu veröffentlichen?

Nee, nach den ganzen Lockerheiten, die ich über die Jahre gedropt habe, war das genau richtig. So Kansas City Shuffle mäßig. Wenn alle nach rechts gucken und denken: "Jetzt kommt schon wieder hier so ein rasantes Ding von ihm!", kommt’s von links. Es ist wichtig, dass ich auch mal eine andere Seite zeige. Sonst wird's langweilig.

In deinem Song "alien" heißt es: "Ihr seid alle nur normal und ich fühl' mich fremd." Bist du wirklich so abgedreht?

Cros neues Album "tru" klingt ernster als das, was man von dem Künstler bislang kannte.
Cros neues Album "tru" klingt ernster als das, was man von dem Künstler bislang kannte.(Foto: Chimperator)

Ich war schon immer anders. In der Schule bin ich mit Baggy Pants und Cornrows rumgelaufen. Nachdem ich "How High" gesehen hatte, habe ich ein Stirnband aus einem Bademantelgürtel getragen. Ich habe mir das Nike-Logo draufgenäht und 'ne Zahnbürste reingesteckt - wie Method Man in dem Film. Für so was hab' ich oft kassiert.

Stehst du eigentlich auf Luxus?

Manchmal ist Luxus schon geil. Das fängt beim Schreibtischstuhl an. Ich saß jahrelang auf so 'nem kleinen Klapperding und es tat weh. (stöhnt) Da dachte ich mir: Jetzt hau' ich mal richtig rein. Ich hab mir so ein Monsterschiff gekauft. Bei so einem Sessel legt man sich rein und denkt nur: Wooow! Ein richtiger Chefsessel, boum! Dafür esse ich keinen Hummer, sondern klappe irgendein Sandwich zusammen und bin damit dann drei Tage down.

Was ist eigentlich aus deiner Maske geworden? Du bist ja kaum noch als Panda zu erkennen …

Die alte Maske war ja aus dem Internet. Ich habe die dann umgebaut. Andauernd brauchte ich eine neue. Mit der Maske war es nämlich so wie mit Chickennuggets: Es gibt davon sieben Formen, aber nur eine gute. Man musste immer mehrere bestellen, um ein, zwei gute zu erwischen. Also habe ich mich mit 'nem Homie hingesetzt, den Laptop aufgeklappt und dann haben wir Schönheitschirurgie gemacht. So wie die Maske jetzt aussieht, das war ursprünglich als Basis gedacht. Wir hatten die damals weiß lackiert, aber die Flecken noch nicht drauf gemacht und dachten: So ist es auch geil!

Schwitzt man eigentlich unter so einer Maske?

Neues Album, neue Maske. So sah die alte aus.
Neues Album, neue Maske. So sah die alte aus.(Foto: Saeed Kakavand/Chimperator Productions)

Ich glaube nicht mehr als in echt. Wenn ich Casper live sehe, ist der klatschnass und spritzt mit den Haaren rum. Der ist auf jeden Fall nasser als ich. Bei mir ist nur jedes Mal 'ne Mütze kaputt, weil die halt klatschnass wird. Dafür läuft der Schweiß nicht runter. Der ist ja dann in der Mütze und die kommt dann nach dem Auftritt - klatsch - in den Müll.

Wirst du ohne Maske oft erkannt?

Wenn, dann bemerke ich das auch immer sofort. Kürzlich am Flughafen stand ein Mädchen hinter mir, die hat mich angeguckt und wurde sofort nervös. Dann hat sie in ihr Handy getippt. Ich habe überlegt, wie ich mich verstecken kann oder ob ich sie lieber anschauen soll, damit sie eben kein Foto macht. Irgendwann hab' ich gesagt: "Komm mal her!" Wir haben dann ewig gequatscht - bevor wir ins Flugzeug gestiegen sind und auch noch nach der Landung, während wir auf unsere Koffer gewartet haben.

5-Serne-Fan-Service!

Das Fiese war: Am Ausgang hatte sie alle versammelt, ihre Schwester, ihre Cousine, ihre Mom … Und ich bin reingelaufen in die Falle. Dabei war das gerade noch so nett mit ihr. Auf einmal wurde da so ein Zoo-Ding draus. Die haben mich angefasst, Fotos gemacht. Ich konnte das gar nicht mehr kontrollieren und musste dann ganz assi sagen: "Ich geh' jetzt, ciao!"

Wohin ziehst du dich zurück, wenn dir der ganze Trubel zu viel wird?

In der Öffentlichkeit trägt Cro Maske, doch von Fans wird er ohne trotzdem schon mal erkannt.
In der Öffentlichkeit trägt Cro Maske, doch von Fans wird er ohne trotzdem schon mal erkannt.(Foto: Saeed Kakavand/Chimperator Productions)

Dann hau' ich ab an den Strand, ins Paradies. Am liebsten bin ich im Dschungel und ich sitze in 'ner Bananenschale irgendwo in den Baumkronen und guck' in die Ferne. Mit den Bildern im Kopf komm ich auch hier gut durch diesen Großstadtscheiß. Ich mache die Augen zu und stell' mir vor: Bald bin ich wieder da, alles gut.

Apropos Großstadtscheiß: Man hätte erwarten können, dass du irgendwann nach Berlin ziehst. Du wohnst noch in Stuttgart.

Stuttgart ist megaschön, gerade da, wo ich jetzt wohne. Die Stadt liegt im Tal und drum herum sind Hügel. Die sind komplett bebaut mit Villen. Alle Amis, die rumkommen, sagen: (spricht mit amerikanischem Akzent) "Damn it, looks like Beverly Hills!" Und dann denk' ich mir: Ja, Mann.

Du guckst also auf die Stadt runter. Wie sieht's drinnen bei dir aus?

Das Haus hat große Räume, zur Stadt gibt es einen Glaserker - vom Boden bis zur Decke und ganz breit. Am Anfang war alles super reduziert eingerichtet. Das Haus liegt am Berg. Es gibt also echt viele Stufen. Bis man da Dinge drin hat … Jede Couch, die oben stand, war Gold wert! Mittlerweile wird es langsam voll. Im Wohnzimmer ist alles mit flachen, quadratischen Hippie-Matratzen ausgelegt. Stell dir vor, man hängt da ab und guckt auf die Stadt - mega geil! Es steht viel Kunst an den Wänden, das meiste habe ich gemalt. Und ich habe einen Flügel! Den hochzukriegen war auch heftig.

Und das drehbare Bett aus deinem Track "0711", gibt es das wirklich?

Ja, klar. Ich habe ein drehbares Bett.

Ist es rund?

Neee, es ist schon eckig. Mein Bruder hat es gekauft. Ich wollte eigentlich so ein königliches barockes Bett. Ich wollte mein Schlafzimmer zu einem Hotelzimmer machen. Andauernd ist man in einem geilen Hotel und denkt sich: Wieso hab ich zu Hause so einen Scheiß? Ich mag die typisch amerikanischen Schlafzimmer, die man von Präsidenten kennt. Wo dann die Frau mit Lockenwicklern im Bett liegt und ruft: (quäkt) "Schaaatz, kommst du?" Und links und rechts neben dem Bett stehen Telefone und alles ist weich. Es gibt keine harten Kanten mehr. Alles ist komplett zugedeckt: Vorhänge, Teppiche, Stoffbezüge. Es ist super gedämpft, sodass man keine Nadel fallen hört.

Völlige Stille! Kannst du eigentlich gut allein sein?

Ach, das kommt ganz drauf an, wie gerade so das Mindset ist. Wenn ich irgendein Problem mit mir rumschleppe, dann lenk ich mich gerne ab und das geht alleine nicht. Dann hol ich mir ganz schnell Freunde ins Haus. Aber wenn alles gut ist und ich mich wohlfühle, dann könnt ihr alle wegbleiben! (grinst) Dann bin ich gerne alleine im Bett, wache alleine auf, mache allein in meinem schönen Haus meinen Kaffee und setze mich alleine ins Studio.

Stimmt’s, dass du deine Apps nach Farben sortiert hast?

Ja, Mann! (zeigt das Display seines iPhones) Erst kommt natürlich alles Wichtige, das muss ja sein. Aber dann ist hier schwarz-blau, hier ist rot, hier ist weiß-grün-blau …

Bist du detailversessen?

Mir sind manche Dinge eben wichtig. Das Klavier muss gestimmt sein. Da krieg’ ich 'nen Vogel, wenn das scheppert. Und Schuhe dürfen nicht aufeinander stehen. Manche Leute stellen den einen Schuh mit der Sohle auf den anderen Schuh drauf. Hallo? Da werden die Schuhbändel doch pfui. Ich geh’ durch die Welt und räume immer hinterher.

Mit Cro sprach Anna Meinecke.

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Quelle: n-tv.de

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