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Ob er mal wählen geht - das sollte er sich doch noch überlegen: Rick Astley.
Ob er mal wählen geht - das sollte er sich doch noch überlegen: Rick Astley.
Freitag, 10. Juni 2016

Rick Astley singt lieber wieder: "Ich will nicht Präsident werden!"

Wer träumt nicht davon, mit 27 Jahren in Rente zu gehen? Der in Merseyside geborene Sänger und Songwriter Richard Paul Astley tat 1993 nach einem gefloppten vierten Album genau das. Im Jahr 1987 hatte er mit "Never Gonna Give You Up" in 25 Ländern einen Nummer-Eins-Hit gelandet und wurde zum Aushängeschild des Londoner Produzenten-Trios Stock Aitken Waterman. Es folgten Hits wie "Whenever You Need Somebody", "Together Forever" und das von Astley selbst geschriebene "Cry For Help". Um die 40 Millionen Platten verkaufte er insgesamt. Ein unfreiwilliges Comeback gelang ihm 2007: "Rickrolling" heißt das Internetphänomen, bei dem Menschen auf Astleys Musikvideo "Never Gonna Give You Up" fehlgeleitet werden. Mit "50" erscheint nun ein neues Soulpop-Album vom Feinsten, das Astley auch selbst geschrieben und produziert hat. Ob es für das Comeback reicht? Im n-tv.de Interview zeigt sich Astley guter Dinge und spricht locker über seine lustigen Achtziger-Videos, seinen Schlag bei Frauen, die Fußball-EM und seine US-Präsidentschaftskandidatur.

n-tv.de: Mr. Astley, Ihr neues Album heißt "50" - und Sie sind im Februar 50 geworden! Eine Anspielung auf Adele, die ihre Alben auch immer nach ihrem Alter betitelt?

Rick Astley: Ja, das war gewollt. Denn zum einen finde ich Adele toll - in einem Moment flucht sie, im nächsten singt sie wie eine Göttin. Zum anderen ist das doch eine nette Vorstellung: Wenn Adele irgendwann zurückblickt, dann hat sie ein Stück reales Leben gepresst auf einer Platte. Als ich 1986 "Never Gonna Give You Up" aufnahm, ist so viel passiert in dem Jahr. Ich wünschte, ich hätte das dazugehörige Album "20" genannt. Aber 50 zu werden, ist ein echter Meilenstein. Das ist einer dieser Geburtstage, den man sich fett im Kalender anstreicht. Insofern hole ich das jetzt einfach nach.

Wie kommt es denn überhaupt, dass Sie jetzt zum Comeback ausholen?

Ich wollte eigentlich gar keine Platte machen. Ich habe im letzten Jahr einfach nur ein paar Songs geschrieben. Und einige Freunde aus dem Musikbusiness, denen ich immer mal wieder etwas davon vorspielte, zeigten sich begeistert. Ich habe damals ja nicht aufgehört, weil ich keine Lust mehr hatte zu singen oder zu performen. Ich habe am Ende bloß mehr über meine Musik gesprochen als sie zu machen. Deshalb zog ich mich ins Familienleben zurück.

Wie ist das, wenn man mit 27 Jahren in Rente geht? Fängt man dann mit dem Golfspielen an?

Hat sich gar nicht mal so sehr verändert, oder?
Hat sich gar nicht mal so sehr verändert, oder?(Foto: REUTERS)

(lacht) Ach, nein. Ich könnte mir jetzt eine echt spannende Antwort ausdenken, was ich die ganzen Jahre getan habe, aber dann müsste ich lügen. Die Wahrheit ist, dass ich in der Zeit danach nichts Interessantes gemacht habe. Wobei das auch Auslegungssache ist: Ich hatte immerhin die Möglichkeit, wirklich da zu sein für Menschen. Für Leute aus meinem Freundeskreis, denen es gerade nicht so gut ging. Und natürlich für meine Tochter. Das können nicht viele von sich behaupten. Ich habe ganz sicher aber auch viel öfter "Die Simpsons" im Fernsehen gesehen als jeder andere Mensch auf dem Planeten.

Ihre neue Single "Keep Singing" hat einen Gospelchor. So haben Sie mit dem Singen angefangen, oder?

Genau. Als Kind erlebte ich mit, wie meine Eltern ständig stritten. Sie ließen sich scheiden und ich wuchs bei meinem Vater auf. Als ich dem Kirchenchor beitrat, war das wie eine neue Welt: Ich bekam plötzlich die Aufmerksamkeit, die mir zu Hause fehlte. Davon handelt das Lied. Ohne die Erfahrung des Kirchenchors wäre aus mir kein Popstar geworden.

Sowieso muten einige der Songs sehr spirituell an. Sind Sie religiös geworden?

Nein, nicht religiös, aber ich habe ein Vertrauen in das Leben. Und in Menschen.

Wie fühlt sich das heute für Sie an, wenn Ihr neuer Song im Radio läuft?

Komisch, aber großartig. Nachdem "Never Gonna Give You Up" 1987 rauskam, war ich vier, fünf Jahre ständig im Radio – überall auf der Welt. Wenn man damals bei Stock Aitken Waterman eine Platte rausbrachte, wusste man, dass etwas damit passieren würde. Heute ist das anders. Nach den vielen Jahren hat man auch eine andere Wertschätzung, was das bedeutet.

Es gibt ein Foto von Ihnen aus der damaligen Zeit, wo Sie vor einem riesigen Berg Fanpost sitzen.

Oh ja. Aber als ich jung war, habe ich die Fan-Hysterie nie wirklich verstanden. Obwohl es bei mir ja noch auszuhalten war. Die Boyband Bros war wesentlich umschwärmter, sie wurde ja auch gezielt auf die jungen Mädchen angesetzt. Wenn ich Fotos von mir von früher sehe, sehe ich da auch immer ein Fragezeichen im Gesicht, so nach dem Motto: "Passiert das gerade wirklich?"

Aber Frauen fanden Sie süß, oder?

Frauen wollten mich bemuttern! Und Mütter wollten ihre Töchter mit mir verkuppeln, weil ich den Anschein erweckte, als wäre ich ein braver Junge und völlig ungefährlich. Ich sah damals ja auch aus wie ein zwölfjähriger Milchbubi!

Sie haben sich optisch gar nicht so viel verändert.

Haha, danke! Es ist lange her. Gefühlt bin ich nicht mehr die Person von damals, auf der anderen Seite bin ich es natürlich doch noch. Aber das geht uns wohl allen so beim Betrachten alter Fotos. Der Unterschied ist nur, dass ich in der Öffentlichkeit erwachsen geworden bin.

Erinnern Sie sich noch gerne an Ihre Anfänge in London?

Das tue ich. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich hatte bereits meinen Vertrag bei Stock Aitken Waterman unterzeichnet, bevor sie zum erfolgreichsten Pop-Produzententeam der damaligen Zeit aufstiegen. Auch dank der Single "You Spin Me Round" von Dead Or Alive, die sofort auf Platz 1 der Charts einstieg. Ich war nach London gezogen und machte Tee und Sandwiches für Dead Or Alive und spielte mit ihnen Tischtennis.

Hat Ihnen das Spaß gebracht?

Ja, es war eine unglaubliche Zeit. Ich kümmerte mich um alle Künstler, die in dem Studio aufnahmen: Princess, Bananarama, Mel & Kim ... Ich war der stille Beobachter, ich lernte jede Menge beim Zuschauen, es war quasi meine Ausbildung. Als ich dann endlich selbst die Chance bekam zu singen, war das der goldene Moment.

Manche haben Sie damals als Marionette von Stock Aitken Waterman bezeichnet.

Ja, ich habe allerdings schon auf meinem Debütalbum selbstgeschriebene Songs platziert, was bei dem Produzententrio eher die Ausnahme war. Ich habe mich also nie als Marionette gesehen, ich kann aber verstehen, wenn es andere Leute so empfunden haben. Denn wir hatten in erster Linie zu tun, was die Produzenten uns sagten.

Und die Videos taten das Übrige.

Ja, genau. Wobei die Tänze, die manche so drollig finden, eigentlich nichts anderes waren als das, was Motown gemacht hat. Ich schaue mir die Videos von damals trotzdem nicht gerne an. Aber wer tut das schon?

Seitdem Sie als "Rickrolling"-Phänomen durchs Internet

Rickrolling

Rickrolling (auch Rick Rolling) ist ein Scherz im Internet, bei dem ein ahnungsloser Internetnutzer auf ein Videoportal geleitet wird, auf dem ihm das Musikvideo des Liedes Never Gonna Give You Up von Rick Astley präsentiert wird.

geistern, doch wieder viele!

Ja, aber ich glaube, dieser Scherz hätte mit jedem anderen kitschigen Achtziger-Video genauso gut funktioniert. Ich nehme es also nicht persönlich.

Wann haben Sie das erste Mal davon erfahren, dass Sie ein Phänomen sind mit eigenem Wikipedia-Eintrag?

Ein Freund aus L.A. mailte mir einen Link. Ich klickte drauf. Dann lief erstmal Fußball. Und ich dachte mir: OK, was soll das jetzt? Und nach 20 Sekunden kam "Never Gonna Give You Up". Aber ich nahm das gar nicht ernst. Dann schickte er mir den nächsten Link. Und wieder lief es nach dem gleichen Schema ab. Dann rief ich ihn an, und er klärte mich auf, dass es von der Sorte jetzt Hunderte im Internet gibt. Ich war baff.

Haben Sie ein Lieblings-"Rickroll"-Video?

Ja, das, wo alle möglichen Obama-Reden hintereinander geschnitten wurden, so dass es wirkt, als würde Obama den Text von "Never Gonna Give You Up" singen beziehungsweise sprechen.

In der Zeit danach müssen Ihnen doch die Plattenfirmen die Bude eingerannt haben, oder?

Nicht wirklich. Ich war in Gesprächen mit einigen Label-Leuten, aber nicht deswegen.

Den MTV-Preis als "Best Act Ever", den Ihnen Fans dann noch durch ein Internet-Voting bescherten, wollten Sie 2008 nicht persönlich annehmen.

Meine Tochter, die damals 15 war, überzeugte mich, dort nicht hinzugehen. Denn MTV brüstete sich damit, wie ironisch sie doch wären mich in einer Kategorie mit U2, Green Day und Britney Spears aufzustellen. Das ist keine Kategorie, in der ich mich sehe. Wenn es der "Best 80s Act" gewesen wäre, hätte ich vielleicht noch mal drüber nachgedacht dort aufzulaufen. Die Europäer fanden es trotzdem lustig für mich zu voten. Also gingen U2 an diesem Abend leer aus. Der Preis steht nun im Apartment meiner Tochter Emilie in Kopenhagen.

In diesem Jahr sind Präsidentschaftswahlen in den USA. Im Internet gibt es erneut einen Scherz, in dem Sie als Kandidat vorgeschlagen werden.

Ich weiß! Das ist zwar lustig, aber nein, ich will definitiv nicht Präsident werden! Für mich ist die ganze Politik von Anfang bis Ende ein falsches Spiel. Denn um ganz noch oben zu kommen, musst du deine Meinung so sehr gedehnt haben, damit du möglichst viele Leute hinter dir vereinst. In Großbritannien haben wir immer öfter Leute wie Comedians, die sich als Abgeordnete aufstellen lassen. Es ist eine Farce, einfach lächerlich. Das ist ein Grund, warum ich noch nie in meinem Leben wählen gegangen bin. Es ist sinnlos. Und es spielt keine Rolle, wer an der Macht ist, weil die Politiker sich eh kaum voneinander unterscheiden und ihnen eh kaum mehr einer glaubt.

Vielleicht ging es Ihnen mit den verdienten Millionen auch einfach zu gut bisher?

Nein, es geht nicht ums Geld. Wenn es so wäre, würde ich die Politiker wählen, die den Reichen sämtliche Freiheiten zugestehen. Aber ich bin nicht reich. Als reich gelten Milliardäre.

Ihr Album erscheint pünktlich zum Start der Fußball-EM. Sie sind großer Manchester-United-Fan. Was bedeutet Ihnen die EM?

Für mich sind EM und WM wie der Eurovision Song Contest des Fußballs. Es ist ein Ereignis, um das viel Lärm gemacht wird. Da geht es dann nicht mehr nur um das Spiel auf dem Platz, da sind dann auch die Frisuren der Spieler interessant oder wie sie sich sonst so verhalten. Das hat etwas von Seifenoper und Comedy.

Was ist Ihr Lieblings-Fußball-Lied?

Das ist "Football's Coming Home", den sogar eure Leute gerne singen. Der Song hat eine gute Melodie und eine gute Message. Er hat uns bei der EM 1996 zwar nicht geholfen, aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Womit wir wieder bei "Never Gonna Give You Up" wären.

Mit Rick Astley sprach Katja Schwemmers

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Quelle: n-tv.de

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