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Endlich macht sie wieder mit Musik Schlagzeilen: Kesha.
Endlich macht sie wieder mit Musik Schlagzeilen: Kesha.(Foto: Olivia Bee / Sony Music)
Freitag, 11. August 2017

Nach Sex, Drogen und Gewalt: Kesha - aus dem Dunkel ins Licht

Von Kai Butterweck

Mit "Tik Tok" avanciert Kesha dereinst zum neuen Stern am Popstar-Himmel. Doch die Karriere entpuppt sich als Martyrium - jedenfalls wenn man der Sängerin glaubt. Nun kehrt Kesha mit neuem Album von der Reha-Klinik zurück auf die große Bühne.

Kreischende Fans, ausverkaufte Konzerthallen und ein prall gefülltes Bankkonto: Der Traum von Millionen musikbegeisterten Teenagern wird für Kesha Rose Sebert im Sommer 2010 Wirklichkeit. Die in Los Angeles geborene Sängerin klopft bereits mit ihrer Debütsingle ("Tik Tok") an die Pforten des Pop-Olymp. In elf Ländern grüßt die quirlige Dance-Nummer von der Charts-Spitze. Rote Teppiche, Blitzlichtgewitter, Applaus von allen Seiten: Kesha ist obenauf.

Die Fassade glänzt. Doch der Schein trügt. Hinterm goldenen Vorhang geht es nämlich derbe zur Sache. Die Dämonen, die Kesha die kommenden Jahre ihrer Karriere versauen sollen, hören auf die Namen Sex, Drogen und Gewalt. So bringt es zumindest Kesha zu Protokoll, als sie im Sommer 2014 per Klage wieder Licht in ihr düsteres Dasein bringen will.

Für den ultimativen Erfolg habe man sie jahrelang physisch und psychisch malträtiert, so die Sängerin. Ihr vermeintlicher Peiniger: Star-Produzent und Pop-Mentor Lukas Gottwald alias Dr. Luke. Der Mann, der bereits für Business-Größen wie Kelly Clarkson, Avril Lavigne, Pink, Katy Perry, Rihanna und Britney Spears an den Reglern drehte, soll Kesha des Öfteren mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht haben.

Weißes Pulver und dubiose Pillen

Wildeste Szenarien werden veröffentlicht. Es ist von weißem Pulver, von dubiosen Pillen und von verschwommenen Du-willst-es-doch-auch-Erinnerungen die Rede. Für Kesha endet das "Martyrium" schließlich in einer Reha-Klinik, in der man sich um das Aufpäppeln von Essstörungs-Patienten kümmert.

Die Reaktion von Dr. Luke lässt natürlich nicht lange auf sich warten: Alles Lüge! Bis zum heutigen Tage ist nicht klar, was wahr und was gelogen ist. Fakt ist: Die wesentlichen Anklagepunkte wurden entweder vom Gericht zurückgewiesen oder von Kesha selbst zurückgenommen. Verwirrung pur. Einen "Gewinner" gibt es also nicht - nur "Verlierer". Denn während Dr. Luke quasi vom Erdboden verschluckt ist, wehrt sich Kesha mit Händen und Füßen gegen den drohenden Abflug ins Showbiz-Niemandsland.

Mit ihrem neuen Album "Rainbow" im Gepäck will die "Gepeinigte" nun endlich wieder für musikalische Schlagzeilen sorgen. Ein Blick aufs Cover und die dazugehörigen Pressefotos sorgt allerdings für erste Fragezeichen. Ein nackter Hintern und lediglich vom blonden Haupthaar bedeckte Boobies: Echt jetzt?

Gottwald-Freunde werden sich hier ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen können. Aber gut, was zählt sind die "inneren Werte". Und diesbezüglich hat "Rainbow" durchaus was zu bieten. Schon die erste Single des Albums ("Praying") lässt viele Kritiker verstummen, die in der Vergangenheit nur allzu gerne behaupteten, Kesha könne gar nicht richtig singen.

Leidenschaft und Energie

Keine Effekte, kein überstrapaziertes Hoch-runter-Getöse: Kesha singt einfach nur. Und das mit Leidenschaft und intimer Energie: "I am proud of who I am / No more monsters / I can breathe again", haucht sie ins Mikrofon.

"Bastards" wandelt auf ähnlichen Sound-Pfaden. Der Einstieg mit zarten Akustikgitarren und eingestreuten "Hey Jude"-Erinnerungen täuscht allerdings. Inhaltlich geht es ans Eingemachte. Kesha verbündet sich mit Mobbing-Opfern und zieht den "Tätern" mit Gift und Galle das Fell über die Ohren.

Das neue Album von Kesha ist ab sofort erhältlich.
Das neue Album von Kesha ist ab sofort erhältlich.(Foto: Sony Music)

Hauchzartem mit lyrischem Tiefgang steht kratziger Rock-Pop zur Seite. Gemeinsam mit Jesse Hughes und seinen fleischgewordenen EODM-Pornobrillen wirbelt Kesha reichlich Hinterhof-Staub auf ("Let 'Em Talk", "Boogie Feet"). Ebenfalls am Start: ein bisschen Pink, eine Prise Lorde und ein Hauch von Schlaghosen-Soul ("Hymn", "Learn To Let Go", "Woman").

Kesha präsentiert sich anno 2017 von ihrer Jekyll-meets-Hyde-Seite. Kaum sind die Eagles Of Death Metal wieder über alle Berge, klopfen Sharon Jones & The Dap Kings an die Studio-Tür. Alles scheint möglich. Sogar ein Nachmittag mit Dolly Parton entpuppt sich als musikalischer Hauptgewinn ("Old Flames").

Keshas "Rainbow" erstrahlt in allen Farben

Keshas Sound-"Rainbow" erstrahlt in allen Farben. Pop, Rock, Soul, Country und immer wieder pointiert eingeworfener Hier-und-jetzt-Bombast aus der Digi-Schatulle: Das Drittwerk der Blondine aus dem sonnigen Kalifornien schält sich durchweg spannend und abwechslungsreich durch die heimischen Boxen.

Lady Gaga und Miley Cyrus werden dieser Tage besonders genau hinhören, wenn sich das dritte Pferd im Pop-Princess-Stall nach langer Pause wieder in die Start-Box stellt und wild mit den Hufen scharrt. Kesha is back. So viel ist sicher. "No more monsters / I can breathe again": Willkommen zurück im Leben!

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Quelle: n-tv.de

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