Unterhaltung
Lara Fabian schlägt ein neues Kapitel auf.
Lara Fabian schlägt ein neues Kapitel auf.(Foto: Mehmet-Turgut)
Montag, 09. Oktober 2017

Pop statt Chanson: Lara Fabian blickt über den Tellerrand

Lara Fabian hat in den vergangenen knapp 30 Jahren mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft. Hierzulande spitzen allerdings nur wenige Musikliebhaber die Lauscher, wenn der Name der gebürtigen Belgierin mit Wohnsitz in Kanada irgendwo auftaucht. Der Grund: Lara Fabian hat sich in ihrer bisherigen Karriere primär um die musikalischen Bedürfnisse all jener Menschen gekümmert, die der französischen Sprache mächtig sind. Soll heißen: Von ihren bisher veröffentlichten zwölf Studioalben hat Lara Fabian lediglich zwei mit dem Button "Songs in English!" versehen. Mit ihrem neuen Album "Camouflage" geht nun endlich das dritte, komplett englischsprachige Werk an den Start. Das Ziel der Mission ist klar: Lara will nicht mehr länger "nur" in Belgien, Frankreich und Kanada im Megastar-Rampenlicht glänzen. Im Herbst 2017 soll auch der Rest der Musikwelt von ihrem Können überzeugt werden. n-tv.de traf die Bardin, die 1988 in Dublin beim Eurovision Song Contest ihr Live-Debüt gab, in Berlin zum Interview und sprach mit ihr über neue Sounds, Pink und grenzenlose Dankbarkeit.

n-tv.de: Lara, du hast mit deinen französischsprachigen Alben mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft. Nun bringst du unter dem Titel "Camouflage" dein drittes englischsprachiges Studioalbum an den Start. Was beeinflusst dich, wenn es darum geht, in welcher Sprache du deine neuen Songs einsingst?

Lara Fabian: Ich bastle mir während der Produktionsphase eines neuen Albums kein Konzept zusammen. Ich lasse mich da eher von meinen Gefühlen leiten. Diesmal passte die englische Variante einfach besser zum Gesamtpaket.

Stellt das Schreiben und das Singen in Englisch eine größere Herausforderung dar?

Nicht wirklich. Beide Sprachen sind ein Teil von mir. Sie gehören zu meinem Leben dazu wie der Tag und die Nacht. Ich fühle mich in beiden Universen zu Hause.

Du hast das neue Album gemeinsam mit den international renommierten Songwritern Moh Denebi und Sharon Vaughn aufgenommen und produziert. Die beiden gehören schon seit Jahren zu den prominentesten Vertretern, wenn es um US-amerikanische und europäische Charts-Wertarbeit geht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Sie würde gern mal mit Pink zusammenarbeiten.
Sie würde gern mal mit Pink zusammenarbeiten.(Foto: Camouflage Artwork)

Ich beobachte Sharon und Moh schon seit vielen Jahren. Als sich die Möglichkeit ergab, mit ihnen zu arbeiten, musste ich einfach zuschlagen. Da habe ich gar nicht lange drüber nachdenken müssen. Sharon ist eine Songwriter-Legende. Ich habe während des Produktionsprozesses unheimlich viel von ihr gelernt. Auch von Moh habe ich mir viel abgucken können. Er ist ein Top-Produzent, der mich auch menschlich fasziniert. Es hat viel Spaß gemacht, mit den beiden zusammenzuarbeiten.

Das Resultat der Zusammenarbeit ist die vielleicht poppigste Produktion deiner bisherigen Karriere.

Ja, das stimmt. Mir war es wichtig, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Und mit Moh und Sharon hatte ich dafür die besten Begleiter an meiner Seite. Unser Ziel war es, die Intensität und die Emotionalität meiner vergangenen Werke in eine zeitgemäße Sound-Sphäre zu transportieren. Das ist uns, glaube ich, auch sehr gut gelungen.

Hast du dich in puncto Sound von aktuellen Produktionen inspirieren lassen?

Ich höre momentan viel aktuelle Musik. Ich würde jetzt aber nicht sagen, dass ich mich von irgendeiner Band oder irgendeinem bestimmten Sound hab leiten lassen. Ich denke, dass man die Eindrücke von außen eher unbewusst mit verarbeitet. Es sei denn, man beschäftigt sich ganz konsequent mit einer bestimmten Richtung. Das habe ich aber nicht getan.

Du hast im Laufe deiner Karriere schon mit etlichen Künstlern zusammengearbeitet. Gibt es diesbezüglich noch einen bis dato unerfüllten Traum?

Ich würde gerne einmal mit Pink zusammenarbeiten. Das wäre großartig. Sie ist momentan meine absolute Lieblingskünstlerin. Es gibt aber auch noch viele andere tolle Musiker da draußen, mit denen ich gerne einmal im Studio stehen würde. Überhaupt befinde ich mich gerade in einer Phase, in der ich viel ausprobieren möchte. Und glücklicherweise öffnen sich momentan viele Türen für mich. Demnächst werde ich beispielsweise in Kanada als Juror bei "The Voice" mitmachen. Das wird noch einmal eine ganz neue Erfahrung für mich.

Deine neues Album, "The Voice", eine anstehende Welt-Tournee: Die nächsten Wochen und Monate haben es in sich.

Oh ja. (lacht) Und ich freue mich auf alles. Es läuft momentan wirklich gut.

Es ist noch nicht allzu lange her, da sah deine Welt noch ganz anders aus.

Ja, das stimmt. Vor drei Jahren war ich von derartigen Herausforderungen meilenweit entfernt.

Du hast damals während eines TV-Auftritts beinahe dein komplettes Gehör verloren. Etwas Schlimmeres kann einem Musiker nicht passieren, oder?

Es war der Horror. Dieser Tontechnik-Unfall hat aber nicht nur meine Musik-Karriere ins Wanken gebracht. Was mindestens genauso schlimm war, war die Tatsache, dass ich zeitweise die Stimmen meiner Familie und meiner Freunde nicht mehr hören konnte. Man fühlt sich in so einer Situation einfach nur hilflos und allein. Zum Glück hat sich alles zum Guten gewendet. Mein linkes Ohr funktioniert zwar nicht mehr einwandfrei. Aber ich kann ganz normal arbeiten, hören und mich mit allen Menschen normal verständigen.

Millionen Fans auf der ganzen Welt waren heilfroh, als sie erfuhren, dass du ihnen als Sängerin erhalten bleibst.

Ich weiß diese Zuneigung auch wirklich zu schätzen. Ich bin all den Menschen unheimlich dankbar, die mich auf meinem künstlerischen Weg begleiten. Wenn man mit Musik Leute erreicht und etwas in den Herzen fremder Menschen bewegt, dann ist das das größte Geschenk für einen Künstler. Ich habe mehr als 20 Millionen Alben verkauft. Aber ich fühle mich deswegen nicht wie ein Star, der von oben auf die Masse herabblickt. Ich bin einfach nur glücklich, dass meine Musik den Menschen etwas gibt. 

Mit Lara Fabian sprach Kai Butterweck

Das neue Album von Lara Fabian "Camouflage" bestellen

Quelle: n-tv.de

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