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Der "Club der toten Dichter": Tim Lorenz, Andreas Sperling, Reinhardt Repke und Markus Runzheimer (hinten, v.l.) mit Gastsänger Peter Lohmeyer.
Der "Club der toten Dichter": Tim Lorenz, Andreas Sperling, Reinhardt Repke und Markus Runzheimer (hinten, v.l.) mit Gastsänger Peter Lohmeyer.(Foto: Oliver Betke)

Nazi-Tramps und himmlische Brühe: Lohmeyer singt Bukowski

Von Andrea Beu

Die Figuren in Charles Bukowskis Geschichten sind Säufer (wie er selbst), Obdachlose, Kriminelle, Nutten. Es geht um Alkohol, Drogen und das Scheißleben. Seine Sprache ist mal melancholisch, mal hart. Wie das wohl gesungen klingt?

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass der Musiker Reinhardt "Maxs" Repke (Rockhaus) die Idee hatte, Gedichte zu vertonen und daraus Popsongs zu machen. Er sammelte andere Musiker um sich und gründete den "Club der toten Dichter". Ihr erstes Werk, erschienen 2006, widmete sich Heinrich Heine und dem "Buch der Lieder"; 2008 folgte Wilhelm Busch mit "Zweifach sind die Phantasien". Rainer Maria Rilke und "Eines Wunders Melodie" ertönten ab 2010. Der vierte Dichter des Clubs wurde 2013 Friedrich Schiller mit dem Programm "Freude schöner Götterfunken".

Bei den einzelnen Projekten waren verschiedene Sänger und eine Sängerin dabei: Dirk Zöllner von Die Zöllner, Norbert Leisegang von Keimzeit, Katharina Franck von den Rainbirds und Dirk Darmstaedter von den Jeremy Days. Nun also Dichter Nummer fünf: Charles Bukowski. Gastsänger ist diesmal der Schauspieler Peter Lohmeyer. Wenn das mal keinen hohen Coolnessfaktor hat ... Gilt doch Bukowski als die coole Sau unter den Dichtern, mit seinen Texten voller Alkohol und Drogen und grober Poesie wie "himmlische Brühe" als Umschreibung für Regen. Und Lohmeyer kann cool auch gut.

Charles Bukowski lebte von 1920 bis 1994. Er wurde als Heinrich-Karl Bukowski in Andernach im Rheinland geboren, als Sohn eines US-Soldaten Henry und einer Deutschen. Als Bukowski drei Jahre alt war, zog die Familie nach Los Angeles. Seine Kindheit war alles andere als schön: er litt sehr unter seinem äußerst strengen, trinkenden, prügelnden Vater und später unter extremer Akne, die ihn am ganzen Körper plagte. Wie sein Vater wurde Charles ein Trinker; er landete im Knast und in der Klapse. All das findet sich in seinen Gedichten und Geschichten wieder - oder auch im Film "Barfly" von 1987 mit Mickey Rourke, für den Bukowski das Drehbuch schrieb.

Ruhig, melancholisch, schräg

Schreibmaschinengeklapper nimmt den Hörer am Anfang von "Charles Bukowski - Gedichte neu vertont" mit an Bukowskis Schreibtisch. Die Songs kommen meist ruhig und melancholisch daher, manche simpel wie ein Kinderlied (Das Genie), manche sehr schräg (Uhu), ein Banjo gibt einigen Liedern einen amerikanischen Klang. In "Der Nazi-Tramp" geht es um einen Selbstmord in einem Säuferhotel; in "Das Genie" erklärt ein Kind ihm, dass das Meer doch gar nicht schön sei und "Papiertermiten" ist eine harte Abrechnung mit lebensfremden Dichtern. Sie hatten schließlich nie, wie Bukowski selbst zum Beispiel bei der Post, einen Achtstundenjob und kennen daher das wahre Leben nicht: "Ihre Wörter sind tot, leer, verlogen und schlimmer noch: tendenziös und stumpfsinnig." Das kann man nun Charles Bukowski nicht vorwerfen, er haut drauf, ist schmutzig und direkt, nachdenklich - und eben melancholisch.

Wer Bukowski vertont nicht nur auf CD hören möchte, kann das Ganze auch live erleben: In den zehn Jahren seines Bestehens hat der "Club der toten Dichter" mehr als 300 Konzerte mit insgesamt etwa 100.000 Besuchern gegeben; auch mit dem Bukowski-Programm gehts auf Tour. Hier einige Daten für 2016:

14./15. April Doppelpremiere, Alt Ruppin, Kornspeicher Neumühle
16. April Leipzig,  Peterskirche
29. April Zwickau, Alter Gasometer
30. April Bernau, Audimax Brauhausdenkmal
2. Mai  Braunschweig, Staatstheater
19. Mai  Chemnitz, Schauspielhaus
20. Mai Erfurt, DasDie live
21. Mai Dresden, Filmtheater Schauburg
22. Mai Neuhardenberg, Schinkelkirche
27. Mai Prenzlau, Dominikanerkloster
28. Mai Parchim, Stadthalle
29. Mai Greifswald, Stadthalle Kaisersaal

"Charles Bukowski - Gedichte neu vertont" vom "Club der toten Dichter" mit Peter Lohmeyer erscheint am 26. Februar 2016 - bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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