Unterhaltung
Frau Sarkozy-Bruni? Ja, aber noch lieber einfach nur Carla.
Frau Sarkozy-Bruni? Ja, aber noch lieber einfach nur Carla.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Dienstag, 10. Oktober 2017

Carla - wie ein Juwel: Madame Bruni singt Lieblingslieder

Sie hat sich nicht verbiegen lassen, weder von ihrem Mann noch vom Modelbusiness und auch nicht von der Musikindustrie. Ihre Stimme klingt nach Rauch und Whisky und hat diesen leichten Hauch Französisch und Italienisch, der einfach alles sexy macht. Sogar alte Lieder. Ja, gut, überarbeitet hat sie sich nicht, aber warum auch. Viele dürften sich freuen, dass man überhaupt mal wieder was von ihr hört. Sehr zurückgezogen hatte sie sich mit den Kindern. Und aus der Politik - vor allem der ihres Mannes, des ehemaligen Präsidenten Frankreichs, Nicolas Sarkozy - hat sie sich eh immer rausgehalten. Eine gute halbe Stunde lang beziehungsweise kurz ist nun das neue Album des Ex-Models, doch es ist zum Mitsingen. Es klingt ein bisschen nach Herbstsonne - ja, auch Madame Bruni wird nicht jünger - und n-tv.de sprach mit ihr über Stille, die wie ein Juwel ist, Ehemänner, die in Tonaufnahmen platzen, und - nun ja - den unvermeidlichen 50. Geburtstag.

n-tv.de: Bonsoir, Madame Bruni - oder Sarkozy-Bruni, was ist Ihnen lieber?

Seinetwegen hat sie einen "Verheiratete-Frau-Namen": Nicolas Sarkozy.
Seinetwegen hat sie einen "Verheiratete-Frau-Namen": Nicolas Sarkozy.(Foto: picture alliance / dpa)

Carla Bruni: Wie wäre es mit Carla (lacht)? Ich mag alle meine Namen, meinen Mädchennamen, meinen "Verheiratete-Frau-Namen", aber am besten ist, glaube ich, einfach Carla.

Bien-sûr, Carla, dann lassen Sie uns loslegen: Auf Ihrem neuen Album singen Sie Ihre Lieblingslieder. Das können ja aber nicht alle sein - wie haben Sie die Auswahl treffen können? War das nicht schwer, sich zu entscheiden?

Das war allerdings nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen. Wir haben 22 Songs aufgenommen, und nur 11 behalten.

Dann wird es "Volume 2 "oder gar "Volume 3" geben?

(lacht) Das ist eine gute Idee! Ich habe tatsächlich noch eine Menge anderer Lieder, die ich sehr mag und gerne singen würde.

Ihr Album heißt "French Touch" - aber was ist dieser berühmte "French Touch"? Wir assoziieren damit so vieles: gutes Aussehen ohne große Anstrengungen, tolles Essen ohne Gewichtszunahme ...

(lacht) Oh je, das ist tatsächlich schwierig. Aber ich habe eher daran gedacht, dass ich immer diesen französischen Akzent habe, wenn ich Englisch spreche oder singe. Ich hätte das Ganze auch "Italian Touch" nennen können, aber ich glaube, inzwischen haben ich eher einen französischen Akzent, auch wenn Italienisch meine Muttersprache ist. "French Touch" ist aber vor allem auch der Name einer bestimmten Art von elektronischer Musik aus Frankreich. (zögert) Sie haben jedoch recht, mit dem Begriff verbindet man diese gewisse leichtfüßige Eleganz, gepaart mit einem Hauch Sexyness, die die Franzosen so an sich haben. Außerdem klingt "French Touch" einfach gut (lacht)!!

Carla Bruni, Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Helena Christensen (v.l.) am 22. September 2017 in Mailand bei Dolce & Gabbana.
Carla Bruni, Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Helena Christensen (v.l.) am 22. September 2017 in Mailand bei Dolce & Gabbana.(Foto: dpa)

Naja, jedenfalls ist es nach wie vor nicht so leicht für deutsche Frauen, morgens aufzustehen und gleich verdammt gut auszusehen ...

Für italienische Frauen auch nicht, glauben Sie mir!

Französische Frauen essen Croissants und werden trotzdem nicht dick, ihre Haut sieht nach einer Schachtel Zigaretten immer noch rosig aus und ihre Kinder haben sie auch im Griff - klingt wie "Wonderwoman"!

(lacht) Ich glaube, da gibt es auch noch eine Kehrseite. Aber der Eindruck, den Sie da haben, der ist schon richtig. Von außen betrachtet ...

Wie französisch sind Sie denn inzwischen?

Ich bin immer noch sehr italienisch, denn ich habe den Anfang meiner Kindheit ja in Italien verbracht. Und ich spreche mit meiner Familie Italienisch, mit meinen Freunden dort. Aber meine Großmutter war Französin, sie hat mir viel beigebracht. Und dann sind wir nach Frankreich gezogen, als ich 7 war. Jetzt bin ich 49 - und als ich meinen Mann geheiratet habe, habe ich auch einen französischen Pass bekommen. Und so lebe ich nun in zwei Welten, die sich eigentlich recht ähnlich sind. Die Menschen sind natürlich sehr unterschiedlich, aber wenn es eine Familie wäre, dann wären Frankreich und Italien Cousin und Cousine (lacht).

Der erste Song auf Ihrem Album ist "Enjoy the Silence" von Depeche Mode - hat man da nicht auch ein bisschen Respekt, so einen Klassiker ganz neu zu interpretieren?

Respekt ist ja nie verkehrt, aber ich war nicht ängstlich oder so, falls Sie das meinen. Ganz ehrlich: Ich denke nie groß über solche Dinge nach, ich mache sie einfach. Das steht in einem großen Widerspruch dazu, dass ich ansonsten ein eher ängstlicher, vorsichtiger Typ bin. Aber wenn ich zu lange nachdenke, dann mache ich es nicht. Ich bin da tatsächlich etwas zwiegespalten, fast, als hätte ich zwei Persönlichkeiten. Die eine ist total zögernd, die andere hüpft einfach drauflos. Ich bin ganz froh darüber, denn sonst würden mir viele Dinge im Leben doch tatsächlich durch die Lappen gehen.

Klingt nach "je ne regrette rien" ...

Ja, ich habe natürlich auch viele Fehler gemacht, aber Fehler gehören zum Leben dazu, sie bringen einen voran.

Wir sind wohl die Summe unserer Fehler ...

Ja, aber das ist doch vollkommen in Ordnung! Ich glaube nicht an den puren Erfolg, an Perfektion schon gar nicht. Das sind Dinge, die einem mal passieren können, aber die meiste Zeit seines Lebens hat der Mensch doch damit zu tun, mit Fehlern und Misserfolgen klarzukommen.

Sie werden im Dezember 50 - darf man das sagen? Fürchten Sie sich vor dieser Zahl?

Ich denke noch nicht so viel darüber nach. Aber ich habe ganz sicher keine Angst davor. Ich meine, es ist einfach nur wahnsinnig verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Wissen Sie, ich war gestern eigentlich noch 17 ...

Moi aussi!

Das macht mir Angst, dass alles so schnell vergeht. Was bleibt uns noch, wie viel Zeit, meine ich? Aber ganz ehrlich, eigentlich ist 50 ein tolles Alter für ein Mädchen (lacht). Wenn man gesund ist! Man hat eine gewisse Reife, das ist wunderbar. Ich befürchte nur, die zweite Hälfte des Lebens wird noch schneller vergehen.

Das befürchte ich auch. Deswegen sollten wir alles möglichst genießen ...

Pop-Star, Model, Präsidentengattin, Mutter - Carla Bruni ist und war vieles, nur nicht langweilig.
Pop-Star, Model, Präsidentengattin, Mutter - Carla Bruni ist und war vieles, nur nicht langweilig.(Foto: imago/E-PRESS PHOTO.com)

... und gute Laune haben, das ist ganz wichtig! Außer, wenn eine Katastrophe geschieht.

Es gibt leider so viele Katastrophen ...

Ja, wir müssen versuchen, uns davon nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. Es ist schwer, den Nachrichten zu entkommen, denn wir leben im Zeitalter der Information.

Wem sagen Sie das ...

Wir wissen sofort, wenn ein Anschlag passiert ist oder ein Erdbeben. Das ist auf der einen Seite gut so, weil es die Realität abbildet und sicher auch für mehr Gerechtigkeit sorgt. Aber auf der anderen Seite ist es manchmal auch einfach "too much information", wenn einem alles quasi in das Handy hineinkriecht. Neulich habe ich bei einem Charity-Konzert mitgemacht - das ist wiederum die gute Seite der Informationsgesellschaft, denn die Solidarität über die Grenzen hinaus ist doch enorm gewachsen. Sie ist erst möglich, weil wir so gut informiert werden.

Ihre Versionen der einzelnen Lieder klingen simpler als das Original, auf das Wesentliche reduziert ...

Ist das was Gutes?

Ja, es ist pur. Ich muss gestehen, dass ich skeptisch war. Meine Skepsis ist verflogen.

(lacht) Dann nehme ich das als Kompliment. Ich verstehe das, also die Skepsis. Ich habe zum Beispiel noch Schallplatten von Depeche Mode - Vinyl - aus der Zeit, in der wir jung waren (lacht). Ich höre sie ab und zu. Aber ich habe "Enjoy The Silence "schon in den Neunzigern gespielt, insofern ist das für mich nicht neu. Nur für die meisten Zuhörer. Und so kam es jetzt auch, dass David Foster, mein Produzent, gesagt hat, das Lied muss auf das Album. Er hat mich gehört, als ich es in Los Angeles so vor mich hin geklimpert habe.

Was hat er denn gesagt?

Er fragte mich, das war 2014, ob wir Lieder in Englisch aufnehmen wollten. Aber ich habe ihm gesagt, dass ich keine Songs in Englisch schreiben kann, sie fallen mir einfach nicht ein. Dann sagt er, ist doch kein Problem, wie nehmen deine Lieblingslieder auf. Eine "Cover"-Platte. Und so habe ich diese Songs schon mit 20 gespielt.

So klingt es auch ...

Danke, das war die Absicht (lacht). Es sollte unkompliziert sein. Und gerade bei Depeche Mode finde ich, dass der Text auch so dermaßen gut auf die heutige Zeit passt. Wir haben viel zu viele Geräusche, es ist viel zu laut, zu viel Bla Bla Bla, finden Sie nicht auch?

Leider ja. Von "Stille genießen" kann kaum mehr die Rede sein.

Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen: "E-n-j-o-y-t-h-e-S-i-l-e-n-c-e". Stille ist wie ein Juwel, eine wertvolle Sache.

Wann haben Sie denn Ruhe?

Madame chante le Blues - und mehr ...
Madame chante le Blues - und mehr ...

Ach, wenn ich meine kleine Tochter früh morgens zur Schule gebracht habe, zum Beispiel. Aber am liebsten arbeite ich nachts. Dann kann mich keiner stören. Meine Familie begreift einfach nicht, dass ich eine Sängerin bin (lacht). Meine Kinder denken nur, ich bin ihre Mutter, gut, und auch mein Mann kommt und ruft an und will etwas von mir, meine Freunde, mein Hund ... (lacht).

Klingt nach einem guten Leben ...

Oh ja, ich bin glücklich! Aber zum Songs schreiben braucht man Ruhe. Etwas Geheimnisvolles. Das kann man im Alltag kaum finden. Also singe ich die Lieder von dieses genialen Leuten, das ist eigentlich sogar viel praktischer, nicht so anstrengend wie selbst texten (lacht). Und außerdem hat David in all diese Songs ein Extra-Licht hineingebracht.

Wie meinen Sie das?

Sie klingen leicht, aber gleichzeitig stärker. (zögert) Ich weiß auch nicht, wie er das gemacht hat. 

Wie haben sich die Songs, die schon so lange Ihre Lieblingslieder sind, im Laufe der Jahre für Sie verändert?

Ich habe das Gefühl, dass die Musik an sich sich nicht verändert hat - aber die Bedeutung der Texte hat sich für mich verändert. Vieles verstehe ich jetzt erst. Ein Beispiel: Früher habe ich niemals irgendjemanden vermisst. Wenn ich jetzt nur zwei Stunden von zu Hause weg bin, vermisse ich sie schon alle. Ich habe das Gefühl, ich bin viel verletzlicher geworden, sentimentaler. Früher dachte ich, ich wäre unverwundbar - heute weiß ich, dass alles ein Ende haben wird. Das macht das Leben aber auch so kostbar.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder, für die Zukunft? Die Welt scheint momentan ja in einem desolaten Zustand zu sein ...

Ja, aber ich habe große Hoffnung und bin optimistisch, was die Jugend angeht. Mein Sohn ist 16 und er ist ein richtiger Umweltschützer. Ihm ist vollkommen bewusst, wie es um unsere Erde bestellt ist. Diese Generation ist sehr besorgt und ich denke, sie wird es hinkriegen, die Erde wieder zu einem besseren Ort zu machen. Ich komme aus einer relativ sorglosen Generation, uns stand die Welt offen, wir hatten keine Sorgen. Heute ist es viel komplizierter, komplexer geworden, aber diese neue Generation wird die Welt retten, da bin ich mir ziemlich sicher.

Mit Carla Bruni sprach Sabine Oelmann

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Am 6. Dezember 2017 gibt Carla Bruni ein Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle, im März 2018 ist sie wieder in Deutschland.

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Quelle: n-tv.de

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