Unterhaltung

Top-Produzent trifft Schriftsteller: Mark Ronson hatte sie alle

Von Nadine Lischick

Robbie Williams, Adele und Bruno Mars können sich nicht irren: Grammy-Gewinner Mark Ronson gehört zu den besten Produzenten im Popgeschäft. Nun veröffentlicht der Brite sein viertes Album. Die Texte schrieb Schriftsteller Michael Chabon.

Mark Ronson hatte sie schon alle: Als Produzent verhalf er Künstlern wie Amy Winehouse, Robbie Williams, Adele, Bruno Mars und den Black Lips zum richtigen Sound. Doch alle paar Jahre kribbelt es dem 39-jährigen Briten in den Fingern und er muss eine eigene Platte aufnehmen. Für sein viertes Album "Uptown Special" hat er sich nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Texte stammen von dem US-amerikanischen Schriftsteller Michael Chabon. Im Interview verrät Ronson warum Chabons mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay" ihn zum Weinen brachte und weshalb er sich für sein Album auf einen Road Trip durch die Südstaaten machte.

Herr Ronson, Ihr neues Album ist hörbar von klassischem HipHop, Funk, Soul und R&B beeinflusst - also von genau der Musik, mit der Sie in den Neunzigern als DJ Ihre Karriere begonnen haben. Woher die Nostalgie?

Mark Ronson: Als ich mit der Arbeit an diesem Album begonnen habe, hatte ich eine Art musikalische Identitätskrise. Ich wusste nicht, was für eine Platte ich machen wollte. Während ich auf die Alben, die ich in den letzten 15 Jahren produziert habe, zurückblickte, wurde mir klar, dass ich immer dann am besten bin, wenn ich Musik mache, die von Black Music aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern, von R&B und HipHop beeinflusst ist – also von all dem, das ich gehört habe, als ich mit dem Auflegen angefangen habe. Pop hatte damals einfach mehr zu sagen.

Sie finden Popmusik ist heute inhaltslos?

Es gibt schon noch interessante Musik und einige Leute schreiben tolle Texte - die neue Platte von D’Angelo zum Beispiel ist außergewöhnlich. Aber generell ist Popmusik gerade was die Texte betrifft in den letzten Jahren einfach faul geworden. Das war früher anders. Denken Sie mal an Bands wie Earth, Wind & Fire oder die Pointer Sisters. In deren Song "Automatic" heißt es in der Strophe "All I can manage to push from my lips is a stream of absurdities" - das ist ganz schön poetisch und anspruchsvoll! Fast alle Songs hatten damals besondere Texte oder eine zweite Ebene. Heutzutage hingegen erwartet man clevere Lyrics nur noch von Indie-Bands oder Typen mit Akustikgitarre. Ich wollte mit diesem Album herausfinden, ob es mir gelingt, Songs mit Groove und Rhythmus zu schreiben, die gleichzeitig eine Geschichte erzählen.

Deswegen haben Sie kurzerhand Schriftsteller Michael Chabon engagiert, um die Texte zu schreiben. Wie um alles in der Welt kamen Sie denn auf die Idee?

Ich habe 2001 seinen Roman "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay" gelesen und es wurde ziemlich schnell mein absolutes Lieblingsbuch. Vor zwei Jahren gab Michael zu seinem letzten Roman "Telegraph Avenue" dann eine Signierstunde zu der ich ging. Wir unterhielten uns und es kam heraus, dass er einen meiner Songs mochte. Ich weiß gar nicht mehr, welcher es war. Aber als ich letztes Jahr den Entschluss fasste, dass mein neues Album anspruchsvollere Texte haben soll, schrieb ich ihm kurzerhand einen Brief. Ich dachte was soll’s, ich frag' einfach mal. Und er war sofort begeistert von der Idee. Natürlich war das ein Experiment, aber ich hatte irgendwie im Gefühl, dass es funktionieren würde.

Trotz großem Erfolg kocht auch Mark Ronson nur mit Wasser.
Trotz großem Erfolg kocht auch Mark Ronson nur mit Wasser.(Foto: REUTERS)

Was macht Chabons Schreibstil so besonders?

Das kann ich gar nicht sagen. Aber als ich dieses Buch gelesen habe, habe ich mich total in der Geschichte verloren. Ich habe zu der Zeit fünf Nächte die Woche in HipHop-Clubs aufgelegt und ich hatte kein Buch mehr gelesen, seit ich das College abgebrochen hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich todtraurig, als ich die letzte Seite aufgeschlagen habe, weil ich diese Welt und diese Charaktere einfach nicht verlassen wollte. Ich hatte auch noch nie zuvor in meinem Leben geweint, während ich ein Buch gelesen hatte, aber bei diesem ist es mir passiert. Die Sprache, die Charaktere – es stimmt einfach alles. Ich habe es seitdem mindestens 15 Mal gekauft und es im Grunde jedem geschenkt, den ich mag und der es noch nicht gelesen hatte.

Und worum geht es nun auf den Songs Ihres Albums?

Da müssten Sie am besten Michael fragen, denn ich will ihm nichts Falsches in den Mund legen. Aber die Songs sind alle unterschiedlich und erzählen jeweils eine Geschichte für sich. Manche Texte hatte Michael schon und mein Songwriting-Partner Jeff Bhasker und ich haben anschließend die Musik komponiert, in anderen Fällen haben wir Michael eine fertige Melodie oder Gesangslinie gegeben. Manche Texte musste er drei oder vier Mal umschreiben, bis sie zur Stimmung oder zu den Charakteren passten, die ich beim Komponieren im Kopf hatte.

Gesungen werden die Songs von Miike-Snow-Sänger Andrew Wyatt, Tame-Impala-Sänger Kevin Parker - und einer noch völlig unbekannten Sängerin namens Keyone Starr. Wo haben Sie Frau Starr gefunden?

In Jackson, Mississippi, während eines Road-Trips. Für einige der Songs hörten Jeff und ich in unseren Köpfen diese divenhafte Frauenstimme. Wir überlegten, wo wir die finden könnten. Es war zwei Uhr nachts und wir waren beide etwas angetrunken, als Jeff meinte wir müssten einfach ins Auto steigen und durch den tiefsten Süden fahren, weil es dort so viele Talente gäbe. Jeff ist ein großartiger Pianist und ist während seiner Studienzeit mal durch die Südstaaten getourt, deswegen kennt er die Szene dort. Wir buchten also einen Flug nach New Orleans, mieteten uns einen Van und fuhren nach Mississippi. Was als Schnapsidee begonnen hatte, stellte sich als Glücksgriff heraus. In dem Moment, in dem wir Keyone das erste Mal hörten, wussten wir, dass sie die Richtige ist.

Die Single "Uptown Funk" ist eine Kollaboration mit Bruno Mars und nicht nur Ihre erste Nummer Eins in Amerika und England, sondern mittlerweile auch für einen Brit Award nominiert. Haben Sie schon ordentlich gefeiert?

Ich finde es ja gefährlich, wenn man zu viel Wert auf so etwas legt. Also natürlich genieße ich den Erfolg, aber das ändert auch nichts am Leben. Nachdem mein Manager anrief, um mir zu sagen, dass die Single auf Platz eins gegangen ist, musste ich nach dem Auflegen trotzdem mein Abendessen weiter kochen. Denn nur weil man die Billboard-Charts anführt, kocht sich der Fisch nicht plötzlich von alleine (lacht)!

Mit Mark Ronson sprach Nadine Lischick

Das Album "Uptown Special" erscheint am 23. Januar 2015 - bei Amazon bestellen

"Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay" von Michael Chabon - bei Amazon bestellen

Quelle: n-tv.de

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