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Er will nur spielen: Matt Simons.
Er will nur spielen: Matt Simons.

Catch & Release: Matt Simons - Melancholie und Beats

Sein Flugzeug hatte Verspätung, nicht zu knapp, aber Matt Simons ist so entspannt, als hätte er einen Tag im Ayurveda-Spa hinter sich. Mit dem Deepend-Remix landete der US-Singersongwriter einen Nummer-eins-Hit und löst damit erstmalig Adele ab, die mit "Hello" elf Wochen lang das Feld der erfolgreichsten Singles in Deutschland ununterbrochen dominiert hat. Pünktlich zu diesem sensationellen Charterfolg erschien im Januar Simons' gleichnamiges Studioalbum "Catch & Release", mit dem der sympathische Endzwanziger nicht nur in Deutschland Erfolge feiert. In weiteren Ländern (unter anderem Belgien und Holland) ist er an die Spitze der iTunes Charts und in insgesamt über 30 Ländern in die Top 5 geklettert. Neben Songs von internationalen Topacts wie David Guetta, Drake und Coldplay rangiert der Deepend Remix von "Catch & Release" aktuell in den Top 10 der weltweit meist "shazamten" Songs und wurde bereits über 30 Millionen Mal bei Spotify gestreamt.

Ein Meister des Ohrwurms.
Ein Meister des Ohrwurms.

Matt Simons veredelt seinen Klassik- und Jazzbackground mit der Gabe für starke Melodien, catchy Harmonien und seinem warmen Timbre. Seine Musik ist geprägt von melancholischen Texten und Songstrukturen, die sich an seinen Vorbildern, den Beatles, orientieren. Manchmal sind seine Songs traurig, aber dennoch wunderschön, denn die Texte beinhalten auch die Wahrheit, an der man sich letztlich erfreuen könne. Wir haben mit dem Klangkünstler in Berlin gesprochen.

n-tv.de: Willkommen in Berlin, Matt, na endlich!

Matt Simons: Ja, danke. Das war jetzt blöd mit der Verspätung, aber nicht zu ändern. Ich bin froh, hier zu sein.

Du bist für einen Secret Gig hier.

Naja, ich habe auf der Fahrt im Auto bereits Poster gesehen, so secret kann der nicht sein. (lacht) Aber das finde ich gut!

Herzlichen Glückwunsch erstmal zu dem Erfolg, derjenige zu sein, der Adele vom Thron geworfen hat.

Oh, danke, das ist eine zweischneidige Ehre. War ja nicht einfach.

Wie fühlt es sich an?

Oh, Adele wird es verkraften (lacht) und für mich ist es fantastisch. Es ist sogar verrückt, sehr irre, um genau zu sein.

Wie ist "Catch & Release" denn entstanden? Ich habe gehört, du hattest eine Schreib- oder Komponierblockade.

Ja, das stimmt. Aber das ist schon eine Weile her, fast zwei Jahre. Und dann habe ich einen wahnsinnigen Trip nach Los Angeles gemacht. Und in diesen drei Wochen dort sind eigentlich die meisten meiner Songs entstanden. Und das war so, dass ich selbst das Gefühl hatte, es fließt nur so aus meiner Feder (lacht).

Du hast nicht erwartet, dass das dann so ein großer Erfolg wird, oder?

Nein, das erwartet man nicht, und das ist ja auch besser so! Spart einem eine Menge Enttäuschungen.

Die meisten deiner Songs sind ja sehr melancholisch - warum?

Ja, stimmt, aber das ist nun mal eines meiner liebsten Gefühle, ich weiß auch nicht, warum. Die Melancholie, das ist für mich Herbst, Frühjahr, die wechselnden Jahreszeiten und Stimmungen, es ist ein Gefühl der Wahrheit. Und ich weiß dann, dass das Leben nicht einfach ist, aber trotzdem wunderschön. Es ist eine Art nostalgisches Gefühl, es erinnert mich daran, immer mal wieder eine Pause zu machen und innezuhalten, um all das Gute um mich herum auch zu erkennen.

Wie ist es dann bei den Konzerten, für die du im April ja wieder in Deutschland sein wirst?

Wir können eigentlich aus allem was Tanzbares machen, wie man an "Catch & Release" ja sieht, da mache ich mir keine Sorgen. Mit dem richtigen DJ hinter mir ... Aber auch, wenn ich alleine an den Keyboards bin, ist alles gut. 

Welche Version deines Hits gefällt dir denn jetzt besser?

Das ist schwer, ich mag alle meine Songs, aber so von außen betrachtet würde ich wohl den Remix bevorzugen: Der ist lustig, man kann dazu tanzen.

Du hast Jazz und Saxofon studiert - mutig!

(lacht) Oh ja! Das ist eine Herausforderung, wenn man das studiert, aber ich dachte mir: Wenn ich das kann, dann kann ich alles andere auch: Rock'n Roll, Blues ... wenn man so eine Basis hat, dann kann man alles machen. Dachte ich mir zumindest (lacht).

Du hast deine Songs in Amerika komponiert, bist aber in Europa um ein Vielfaches erfolgreicher, wie kommt das?

Ja, keine Ahnung, ehrlich gesagt. Aber ich werde dort bald in einer TV-Show zu sehen sein, und dann wird sich das hoffentlich bald ändern mit meiner Unbekanntheit (lacht).

Musstest du dein Privatleben eigentlich schon aufgeben?

Neee, noch nicht wirklich, man erkennt mich jetzt nicht gerade überall. Man kennt zwar den Song, aber das heißt nicht, dass man mich erkennt.

Arbeitest du an neuen Songs?

Ja, wieder in Los Angeles, hat ja gut funktioniert. Aber ob das neue Album dann dieses Jahr rauskommt, weiß ich noch nicht. Vielleicht wäre das zu schnell. Ich bin der Typ Beobachter - ich brauche das, um mich inspiriert zu fühlen. Ich versetze mich gern in die Köpfe anderer.

Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?

Mit Paul McCartney, ich bin ein großer Beatles-Fan!

Mit Matt Simons sprach Sabine Oelmann

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Quelle: n-tv.de

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