Unterhaltung
Mit EP geht's auf Clubtour: Mia. mit Sängerin Mieze Katz.
Mit EP geht's auf Clubtour: Mia. mit Sängerin Mieze Katz.(Foto: H.Flug)
Montag, 24. November 2014

Mia machen, was sie wollen: Mieze Katz singt "Nein! Nein! Nein!"

Eigentlich hatten Mia. ein neues Album angekündigt. Doch die Arbeit stockt, deshalb gibt es nun eine EP und eine Clubtour. Sängerin Mieze Katz spricht im Interview aber nicht nur über "Nein! Nein! Nein!", sondern auch über schlechte Ratschläge und Castingshows.

Liveerlebnis kommt vor Studioaufnahme: Bei Mia. ist dies wörtlich zu nehmen. Das Quartett kämpft so sehr mit dem fünften Album, dass die Platte zwar noch nicht fertig ist, eine Menge Songs davon aber schon ab Ende November auf Tour zu hören sein werden. Die EP "Nein! Nein! Nein!" thematisiert zudem den immensen Druck, der auf der Band lastet - und die vielen guten Ratschläge, die es gab. Warum sie trotzdem mit einem Liebeslied in den Proberaum kommen kann und warum sie im neuen Video Kurt Cobain und Conchita Wurst spielt, erzählt Sängerin Mieze Katz im Interview.

n-tv.de: Ihr habt die EP eingeschoben, weil das für 2014 geplante Album noch nicht fertig ist. Woran hakt es denn da konkret?

Mieze Katz: Wir haben auf 75 Prozent der Strecke festgestellt: Wir brauchen einfach noch mehr Zeit. Nach 17 Jahren Mia. ist uns das das erste Mal passiert. Erst dachten wir: Jetzt sind wir gescheitert, das ist die totale Katastrophe. Dann haben wir uns zusammengesetzt und dann war da der Song "Nein! Nein! Nein!".

Als bissige Antwort auf viele gute Ratschläge, wie ihr schneller arbeiten könntet?

In 17 Jahren Mia. gab es einige gute Ratschläge und vor allem viele Ideen, was wir nicht machen sollten. Das ist die Ur-Idee für den Text. Schon als wir damals angefangen haben, an einem deutschen Album zu arbeiten, hieß es: Das wird nichts, dafür gibt es kein Publikum.

Gab es auch mal einen nützlichen Tipp?

Bleibt euch treu, bleibt bei euch. Das ist der wichtigste Ratschlag an jeden Menschen, nicht nur an Künstler. Mia. ist nicht dazu da, zu gefallen, sondern das zu machen, was wir wollen.

Eine frühere Lehrerin hat dir abgeraten, Rock und Pop zu machen, weil du deine Stimme ruinieren würdest. Falls du noch Kontakt zu ihr hast: Was sagt sie heute?

Arbeitet weiter an ihrer Stimme: Mieze Katz.
Arbeitet weiter an ihrer Stimme: Mieze Katz.(Foto: picture alliance / dpa)

Ich habe eine klassische Gesangsausbildung, ich komme aus dem Kinderchor und habe viele Jahre darum gekämpft, bei dieser Frau Einzelunterricht nehmen zu dürfen. Aber es kam der Tag, an dem unsere Single "Alles neu" im Radio gespielt werden sollte. Ich hatte bis dahin geheimgehalten, dass ich in einer Band singe und dass wir Rockpopmusik machen. Da musste ich es ihr dann sagen, aber es hat ihr überhaupt nicht wehgetan. Weil sie gespürt hat: Ich brenne dafür. Jahre später haben wir uns bei einem Kinderchorkonzert getroffen und da sagte sie, sie sei sehr stolz auf mich und freue sich, Teil meiner Geschichte zu sein.

Pflegst du deine Gesangsausbildung noch und nimmst ab und zu Stunden?

Ja. Ich bin jemand, der sich das erarbeiten muss. Ich habe nicht das absolute Gehör und ich verlerne auch das Notenlesen wieder. Ich muss mir das regelmäßig geben und weiß, wenn ich das nicht mache, dann verblasst das. Die Jungs merken das auch, wenn ich wieder beim Musiklehrer war. Dann geht das Arbeiten wieder flüssiger.

Im Video zu "Nein! Nein! Nein!" parodiert ihr eine Castingshow. Nach deiner Erfahrung in der "DSDS"-Jury wohl kein Zufall?

Als uns das Video einfiel, gab es den massivsten Gegenwind bei DSDS. Wir wollten aus einem Thema, das so viel Nerven kostet, mal den Druck raus lassen. Vielleicht sieht man das an diesem Video mal sehr deutlich: Was wir erleben, das packen wir in unsere Stücke.

Du spielst darin Marilyn Monroe, Kurt Cobain, Amy Winehouse und Conchita Wurst. Warum diese vier?

"Nein! Nein! Nein!" enthält vier Songs, darunter ein Remix des Titelsongs.
"Nein! Nein! Nein!" enthält vier Songs, darunter ein Remix des Titelsongs.

Das sind alles Menschen, die einen tiefen Eindruck gemacht haben. Die Punktevergabe für Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest war weltverändernd. Es kam mir vor, als sei die Welt in dem Moment ein bisschen besser geworden.

Hast du es auch mal bereut, bei DSDS mitgemacht zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Fernsehen interessiert mich schon seit ein paar Jahren, dieser Blick hinter die Kulissen. Ich konnte mir alles angucken: Studio, Kamera, Regie, Schnitt, wie färbt wer die Show. Ich mache jetzt auch wieder einen Juryjob bei der Kika-Sendung "Dein Song".

In "United States of Ich & Du" singst du "Ich gründe einen neuen Staat. Der alte hält gerade Winterschlaf". Daraus spricht ziemlich deutlich politische Unzufriedenheit.

Man hat den Eindruck, weltweiten Entwicklungen gegenüber machtlos zu sein. Ich habe gemerkt, in meinen kleinen United States, meinem Kreis, kann ich Dinge ändern und so leben, wie ich es mir für die Welt wünsche. Alles andere ist Kämpfen gegen Windmühlen. Der Song ist eine Ermunterung: Fangen wir an zu überlegen, wie wir es selber gerne hätten.

Und wie hättest du es gern?

Ich wüsste nicht, wo ich anfangen soll. Es wäre interessant, wenn Globalisierung wieder was mit Menschen zu tun hätte. Aktuell erscheint mir das als reiner Wirtschaftsgedanke.

Du hast mal gesagt, du würdest dich in Songs "emotional nackig machen". Warum ist das wichtig für dich?

Eine Staffel lang war Mieze Katz Jurymitglied bei "Deutschland sucht den Superstar".
Eine Staffel lang war Mieze Katz Jurymitglied bei "Deutschland sucht den Superstar".(Foto: picture alliance / dpa)

Ich mag das geschriebene Wort mehr als das gesprochene. Ich behandle in den Liedern Dinge, die für mich noch offen sind, die ich nicht verstehe oder nicht direkt in Worte fassen könnte, wenn ich darüber sprechen müsste. Beim Schreiben kann ich mir die Zeit nehmen, die es braucht. Da passieren mir keine Missverständnisse. Ich habe schon oft Lieder für Menschen geschrieben, denen ich das, was ich sagen wollte, nicht sagen konnte. Beim Schreiben habe ich einen Weg gefunden, mich liebevoll auszubremsen und trotzdem aufs Ganze zu gehen.

Auf der EP geht es jetzt aber weniger um große Gefühle als um Alltagsbeobachtungen.

Ja. Insgesamt wird die Liebe aber ein ganz wichtiger Bestandteil des neuen Albums sein. Weil ich gerade in dieser schwierigen Zeit so schön liebe und geliebt werde. Manchmal komme ich total beseelt in den Proberaum und spiele ein Lied vor, und die Jungs brauchen ein bisschen Abstraktionskraft. Die sagen dann: Dies klappt nicht, damit kommen wir nicht zu Rande, hier brauchen wir ewig, und du kommst mit so einem Liebeslied an.

Mit Mieze Katz sprach Nadine Emmerich

Die EP "Nein! Nein! Nein!" bei Amazon kaufen oder bei iTunes herunterladen.

Tourdaten von Mia. und Tangowerk:

27.11. Dresden, Scheune
29.11. Bremerhaven, Stadthalle Clubfoyer
30.11. Rostock, M.A.U. Club
04.12. Stuttgart, das CANN
05.12. Oberhausen, Resonanzwerk
12.12. Berlin, Columbia Halle
13.12. Hamburg, Docks
14.12. Köln, LUXOR
18.12. Magdeburg, AMO
19.12. Erfurt, Stadtgarten
15.01. Hannover, Musikzentrum
16.01. Cottbus, Gladhouse
21.01. Frankfurt am Main, Zoom
22.01. Münster, Jovel Club
23.01. Leipzig, UT Connewitz
28.01. Mannheim, Alte Sellerie
29.01. Saarbrücken, JUZ
30.01. München, Ampere

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen