Unterhaltung
Erwies Berlin die Ehre: P!nk.
Erwies Berlin die Ehre: P!nk.(Foto: dpa)
Samstag, 12. August 2017

Die Waldbühne als Hitparade: P!nk mit Mord(s)lust in Berlin

Von Volker Probst

Sie tritt nicht in London auf, nicht in Paris und nicht in Rom. Nein, US-Superstar P!nk ist für zwei exklusive Konzerte nach Berlin gekommen. Auf der hiesigen Waldbühne wird sie so gefeiert, dass selbst Dieter-Thomas Heck Augen machen würde.

Erinnern Sie sich, wie das damals war in der "Hitparade"? Nein, haben Sie es vergessen? Oder sind Sie zu jung? Macht nichts. Wir erzählen es Ihnen nochmal. Also, das war so: Immer (und zwar wirklich immer!) wenn ein Typ wie Chris Roberts, Jürgen Marcus oder Roland Kaiser gesungen hat, kam nach etwa dem Dreiviertel-Song eine Frau aus dem Publikum mit Tränen der Bewunderung in den Augen auf ihn zugestürmt, um ihm ein selbst gehäkeltes Deckchen, ein Kuscheltier oder eine Blume zwischen abgespreiztem kleinen Finger und Mikro in die Hand zu drücken. Rex Guildo, Christian Anders oder wer es eben gerade war bedankte sich mit einem Lächeln, einem wohlwollenden Nicken oder vielleicht sogar einer angetäuschten Umarmung.

Ja, so war das in der "Hitparade". Doch was hat das alles mit P!nk zu tun, fragen Sie sich? Nun, sie muss sich am Freitagabend in Berlin ungefähr genauso gefühlt haben wie Roy Black, Bernd Clüwer oder Michael Holm. Es gab so ziemlich nichts, was nicht im Laufe ihres nahezu exakt 90-minütigen Auftritts auf die Bühne geflogen oder ihr beim Bad in der Menge zugesteckt worden wäre. Von Plüschratten über skurrile Kopfbedeckungen bis hin zu einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Pizza Slut". "Ist das Käsekuchen?", fragte die Sängerin ebenso erstaunt wie begeistert über eines der Präsente, die plötzlich ihren Weg kreuzten. Und ja, kurz vor Schluss gab es von einem Fan im weiten Rund auch für sie sogar noch den notorischen Blumenstrauß.

P!nk ließ das alles nicht nur artig über sich ergehen. Sie schien die ihr entgegengebrachte Zuneigung zu schätzen und zu genießen. Ihre neuen rattigen Stofffreunde hieß sie ebenso liebevoll willkommen, wie sie sich die rosa Flauschmütze mit Schweinsgesicht auf den Kopf setzte und den Brief eines Fans zur späteren Lektüre einsteckte. Ganz so, wie man es von einem Superstar ihres Kalibers erwartet. P!nk hatte die Massen in der mit rund 20.000 Zuschauern proppevollen Waldbühne im Griff.

Parforceritt durch die Hits

Über einen Mangel an Zuneigung konnte sich die Sängerin in Berlin nicht beschweren.
Über einen Mangel an Zuneigung konnte sich die Sängerin in Berlin nicht beschweren.(Foto: dpa)

Doch das war nicht das einzige, was den Auftritt zur Hitparade machte. Fünf Jahre nach Erscheinen ihres bis dato letzten Albums "The Truth About Love" absolvierte P!nk einen Parforceritt durch ihr mittlerweile knapp 20-jähriges Popstar-Schaffen. Und wenn man fast schon vergessen hatte, wie viele Charts-Kracher die 37-Jährige tatsächlich bereits auf dem Kerbholz hat - spätestens jetzt wurde es einem wieder bewusst.

Los ging es - natürlich - mit dem Song, mit dem sie ihren kometenhaften Aufstieg einst begonnen hatte: "Get The Party Started". Von da an ging es Schlag auf Schlag "U + Ur Hand", "Just like A Pill", "Trouble", "Try", "Just Give Me A Reason" … das Gassenhauer-Gewitter wollte gar kein Ende mehr nehmen. Ganz im Gegensatz zum Niederschlag im derzeit dauerverregneten Berlin. Gott muss ein P!nk-Fan sein - und so hatten sich die Zuschauer unter dem wolkenverhangenen Himmel glücklicherweise völlig umsonst in ihre Regenponchos geschält. Während P!nks Auftritt fiel nicht ein Tropfen.

Auf akrobatische Einlagen, wie sie die Sängerin teils bei früheren Konzerten in luftigen Höhen vollführt hatte, mussten die Fans zwar verzichten. Aber Langeweile mochte bei der Show, für die die mit riesigen Voodoo-Puppen drapierte Bühne um einen in die Arena ragenden Laufsteg ergänzt worden war, trotzdem nicht aufkommen. Dafür sorgte nicht nur das Powerpaket P!nk selbst, das erledigten auch die aufwendigen Videoprojektionen, Pyrotechnik und ein halbes Dutzend Tänzer, die dem Popstar immer wieder mal mit durchgestylter Choreografie oder mitunter auch ein wenig seltsamem Ausdruckstanz zur Seite standen.

Nena war irgendwie auch da

Wer würde nicht gern einen Plüschfrosch mit nach Hause nehmen?
Wer würde nicht gern einen Plüschfrosch mit nach Hause nehmen?(Foto: dpa)

Und Profi P!nk wusste auch sonst, wie man das Publikum auf seine Seite zieht. Zum Beispiel indem man mal eben "Just A Girl" von Gwen Stefanis No Doubt zitiert oder gar "99 Luftballons" von Nena anstimmt. Den makellosen deutschen Gesang dazu überließ sie allerdings ihrer Keyboarderin. Auch das zeichnet einen Superstar aus - der respektvolle Umgang mit all seinen vielen Wasserträgern.

Dementsprechend hatte P!nk auch den schottischen Songwriter James Gillespie höchstpersönlich für das Vorprogramm ihrer Show in Berlin ausgewählt. Er war ihr durch seine Coverversion ihres Hits "Don't Let Me Get Me" einst aufgefallen. Ein Song, den sie, wie sie nun erklärt, eigentlich gar nicht leiden könne. Doch Gillespie habe ihn ihr mit seiner Version wieder schmackhaft gemacht. Und so holt P!nk den Gitarrero in der Mitte ihres Auftritts noch einmal auf die Bühne - für ein Duett mit dem wieder liebgewonnenen Song.

Ein wenig ruhiger wird es auch nochmal, als sich P!nk mit ihrem Gitarristen Justin Derrico an der Spitze des Laufstegs drei Lieder lang für ein Akustik-Set auf einem Barhocker niederlässt. Dann jedoch geht es auch schon wieder mit Vollgas in Richtung Showdown. "Raise Your Glass", der neue Song "What About Us" und schließlich "So What" bilden das fulminate Finale, ehe die Sängerin das jolende Publikum um kurz nach halb elf in die Nacht entlässt - mit Paukenschlag, Feuerwerk und ohne Zugabe. Und mit dem Cover ihres kommenden Albums "Beautiful Trauma", das am 13. Oktober erscheinen soll, in Übergröße auf der Videoleinwand. Auch da ist sie eben ein Vollprofi.

Keine Frage, P!nk hat Berlin an diesem Abend eine Ehre erwiesen. Auch weil sie in diesem Sommer - neben ein paar wenigen Auftritten bei Festivals - tatsächlich nur ganze zwei Auftritte im Herzen Europas absolvieren wird. Und wo findet das zweite Konzert schon an diesem Samstagabend statt? Ebenfalls auf der Waldbühne. Ebenfalls in Berlin. Nichts zu lachen hatte während der Show am Freitag unterdessen wohl allenfalls eine Mücke, mit der P!nk ins Gehege geriet. "Wenn sie wiederkommt, bringe ich sie um", ließ die Sängerin an ihrer Mordlaune gegenüber dem Insekt keine Zweifel. Die Mücke wird am Samstag wohl zu Hause bleiben.

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Quelle: n-tv.de

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