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Meldet sich mit ihrem siebten Studioalbum zurück: Pink.
Meldet sich mit ihrem siebten Studioalbum zurück: Pink.(Foto: Kurt Iswarienko / Sony Music)
Freitag, 13. Oktober 2017

Mehr "Trauma" als "Beautiful": Pink versinkt im Mainstream-Strudel

Von Kai Butterweck

Kantenlose Sounds aus der Retorte: Im Herbst 2017 überrascht Pink, die Brennnessel im Rosengarten des Pop, ihre Fans mit einem nahezu lupenreinen Format-Album fürs Frühstücksradio. Da kann sogar Eminem nicht helfen.

Alecia Beth Moore hat in ihrem Leben schon viel durchmachen müssen. Als Tochter eines Vietnam-Veteranen und einer jüdischen Krankenschwester lernt Alecia bereits in frühen Jahren die Schattenseiten der fragilen amerikanischen Suburban-Idylle kennen. Nach der Scheidung ihrer Eltern nimmt Alicia so ziemlich alles mit, was die düstere Seite des Lebens zu bieten hat. Alkohol, Drogen, exzessive Partys: Mit 16 Hat Alicia bereits mehrere Therapien hinter sich.

Zwei Jahrzehnte später ist aus dem rebellierenden Darkside-Teenie eine selbstbewusste Powerfrau geworden. Unter dem Künstlernamen Pink folgen ihr Millionen Fans rund um die Welt. Alicia alias Pink singt, tanzt und verkörpert für unzählige Menschen auf der ganzen Welt die personifizierte Unangepasstheit. Als Pop-Gegenpol zu glitzernden Mainstream-Feuerwerken aus den Imperien von Kolleginnen wie Madonna, Kylie Minogue und Jennifer Lopez markiert Pink die dreckigen Flecken auf der ansonsten blütenweißen Showbusiness-Weste.

Ed Sheeran als Maßstab

Nun erscheint das siebte Studioalbum von Pink. Das gute Stück heißt "Beautiful Trauma". Angesprochen auf den Sound des neuen Studioschaffens verweist die Urheberin dieser Tage nur allzu gerne auf das aktuelle Schmuse-Meisterwerk von Ed Sheeran ("Devide"). Und fürwahr: Es gibt so einige Candlelight-Momente auf "Beautiful Trauma", die auf ähnlich weichen Wattewölkchen schweben.

Das Album "Beautiful Trauma" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Beautiful Trauma" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Sony Music)

Die beiden herzzerreißenden Balladen "We Lost It" und "You Get My Lost" beispielsweise präsentieren Pink von ihrer zerbrechlichen Seite. Mit dem Piano im Vordergrund und einer zartschmelzenden Mixtur aus gezupften Gitarrenklängen und melancholischen Streichern im Background säuselt sich Pinks markantes Organ in die Gehörgänge ihres geliebten Gatten Carey Hart. Im Herzschmerz-Modus überzeugt das wasserstoffblonde Energiebündel auf ganzer Linie.

Großraumdisko meets Format-Pop

Sobald es allerdings auf die Überholspur geht, stehen Fans der ersten Stunde nicht nur einmal die Nackenhaare zu Berge. Statt die treibenden Vibes der Vergangenheit ("Trouble", "Slut Like You", "Just Like A Pill") auf ein neues Energielevel zu hieven, versinkt Pink in einem blubbernden Großraumdisko-meets-Format-Pop-Strudel.

Im Herbst 2017 hilft auch die fluchende Zuarbeit von Eminem nicht weiter ("Revenge"). Pinks Vorstellung von High Energy-Pop bettet sich dieser Tage auf einem sterilen Frühstücksradio-Fundament. Songs wie die klinisch vor sich hin pumpende Vorab-Single "What About Us", der zwischen Celin Dion und der Kelly Family pendelnde Arena-Hüpfer "Where We Go" oder der Bohlen-Kniefall "Secrets" haben in puncto songwriterischer Finesse und künstlerischer Leidenschaft nicht mehr viel mit dem zu tun, was Pink in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer der größten High-End-Entertainerinnen der Pop-Welt aufsteigen ließ.

Lediglich das crunchig zwirbelnde "For Now" schießt ein paar leuchtende Raketen in den Himmel. Das war's aber auch schon. Pinks Brückenbau zwischen Ed Sheerans Kuschel-Universum und der Plastik-Pop-Welt endet in einem architektonischen Sound-Desaster. Die einstige Brennnessel im Rosengarten des Pop hat sich ihrer Umgebung angepasst. Wollen wir hoffen, dass das kein Dauerzustand bleibt.

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Quelle: n-tv.de

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