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Carl-Johan Fogelklou und Björn Dixgard haben alles im Griff.
Carl-Johan Fogelklou und Björn Dixgard haben alles im Griff.(Foto: imago/Future Image)

Gute Zeiten mit Mando Diao: Splitterfasernackt im Garten Eden

Von Nadine Wenzlick

Als Mando Diao vor zwei Jahren den Ausstieg von Gustaf Norén bekannt geben, wirkt das wie der Anfang von Ende. Doch die Band rauft sich zusammen und nimmt mit "Good Times" eine vorzügliche Soul-Rock-Platte auf.

Eigentlich ist Björn Dixgård eine echte Rampensau. An diesem Abend im April allerdings wirkt der Sänger der schwedischen Band Mando Diao sichtlich nervös. Zwei Jahre sind vergangen, seit Gustaf Norén die Gruppe verlassen hat - neben Dixgård war er einer der beiden Frontmänner. Und nun haben Mando Diao also in die winzig kleine SkyBar des Hamburger Molotows geladen, um vor rund 150 Freunden und Pressevertretern erstmals Songs aus ihrem achten Album "Good Times" vorzustellen. Er herrscht Totenstille, dann schlägt Keyboarder Daniel Haglund die ersten Töne an. "All the wars we fought / all the love we lost / it won't break us break us / never break us", singt Dixgård sich in der Klavierballade "Break Us" die Seele aus dem Leib. Eigentlich ist der Song ein Liebeslied, doch in diesem Moment wirkt es, als singe Dixgård über seine Band: So schnell, damit das mal klar ist, lassen Mando Diao sich nicht unterkriegen!

Schweden - ein Paradies!
Schweden - ein Paradies!

Doch der Reihe nach. Etwa 20 Jahre ist es her, dass Mando Diao im schwedischen Borlänge anfingen, gemeinsam Musik zu machen. Mit ihren eingängigen Riffs im Stil der Sechziger und Siebziger, aber auch wegen der markanten Stimmen der beiden Sänger machten sie sich in Indie-Kreisen schnell einen Namen. Den großen Durchbruch schafften sie 2009: Die Single "Dance with Somebody" wurde hierzulande zum Radiohit, das dazugehörige Album "Give Me Fire!" erreichte die Spitze der Charts. Statt sich auf ihrem Erfolg auszuruhen, tobten Mando Diao sich anschließend künstlerisch aus. 2011 schlossen Dixgård und Norén sich dem Künstlerkollektiv Caligola an und nahmen ein von HipHop-Beats inspiriertes Album auf, ein Jahr später vertonten sie für das sechste Mando-Diao-Album "Infruset" Gedichte des schwedischen Lyrikers Gustaf Fröding. Mit den elektronischen Klängen des Nachfolgewerks "Ælita" verprellten sie 2014 allerdings eine ganze Menge Fans, und als vor zwei Jahren dann auch noch Norén ausstieg, schien das der Anfang vom Ende ihrer Erfolgsgeschichte zu sein.

"Für mich ist es immer noch ein Mysterium, dass Gustaf nicht mehr dabei ist", erzählt Dixgård. "Eines Tages meinte er plötzlich, dass er keine Lust mehr auf das ganze Musikbusiness hat." Zwei Tage lang haderte Dixgård mit sich. Was nun? Einfach weitermachen? Oder Mando Diao auflösen? Nein. "Wir wollten die Liebe, die wir für die Band haben, und die Energie, die bei unseren Auftritten da ist, einfach nicht aufgeben", so Dixgård weiter. Für Norén stieß der schwedische Gitarrist und Songwriter Jens Siverstedt dazu. "Die Stimmung in der Band ist jetzt eine ganz andere. Das Duo-Ding ist zwar zerbrochen, aber an dessen Stelle ist etwas anderes getreten. Das ist doch das Schöne am Leben: Man verliert etwas, gewinnt dafür aber etwas Neues hinzu."

Songs mit Eiern

Kaum war Siverstedt im Boot, zog die Band sich für eine Woche auf die schwedische Insel Gorland zurück. Sie kochten, tranken Bier - und begannen völlig ohne Zwang an neuen Songs zu arbeiten. "Es war Januar und saukalt, aber wir hatten eine super Zeit", so Siverstedt. "Ich war als Teenager zuletzt in einer Rockband und es hat wahnsinnig Spaß gemacht, einfach zu jammen und Sachen auszuprobieren." Deswegen heißt die Platte nun auch "Good Times". Auf dem Cover springen Mando Diao splitterfasernackt durch den Garten Eden. "Mir ist klar, dass der Titel und das Cover naiv wirken. Natürlich sind das im Moment keine guten Zeiten, in denen wir leben", so Dixgård. "Aber bei allem Mist, der in der Welt passiert, darf man die positiven Dinge nicht aus den Augen verlieren. Und ich hoffe, dass die gute Laune, die wir im Studio hatten, sich beim Hören der Platte auf die Leute überträgt."

Fünf Typen spielen natürlich Songs mit Eiern ...
Fünf Typen spielen natürlich Songs mit Eiern ...

Tatsächlich machen die neuen Songs verdammt viel Spaß. Da sind schmissige Rocksongs wie "Here I Come" oder "All The Things", aber auch Soul-Balladen wie "Brother". Im Titelstück derweil funkt es ordentlich, die Single "Shake" ist ein moderner Gospel und für "One Two Three" geht es in die Disco. Überhaupt: Die Platte kommt mit viel Soul, Funk und Groove daher. "Death Disco" nennen Mando Diao selbst diesen Sound. "Wir haben so viele unterschiedliche Einflüsse - da kann es schon mal im Chaos enden, wenn wir keine Linie haben", so Dixgård. "Also nutzen wir abstrakte Begriffe wie Death Disco." Was das heißt? "Die Songs haben Eier, sind aber trotzdem tanzbar", grinst er.

Dixgårds Texte sind wie so oft recht kryptisch. Aber im Großen und Ganzen geht es auf der Platte um Freundschaft, Liebe, Loyalität und Vergänglichkeit. Er singt von inneren Dämonen ("Good Times") und ungesunder Geldsucht ("Money"), während "Dancing All The Way To Hell" von Narzissmus handelt. Ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Norén? "Nein", winkt Dixgård schnell ab. "Wir haben beim Schreiben gar nicht an ihn gedacht."

Mando Diao haben ganz augenscheinlich ein neues Kapitel aufgeschlagen. Und das merkt man dann auch bei ihrem Konzert im Hamburger Molotow. Langsam aber sicher macht die anfängliche Nervosität in Dixgårds Gesicht Platz für eine gewisse Erleichterung. Viel mehr noch: Mando Diao demonstrieren im Laufe der Show eine frische Energie, ein erstarktes Selbstbewusstsein. Und die Zweifel, ob die Band ohne Norén überhaupt funktioniert, sind am Ende des Abends verflogen.

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Quelle: n-tv.de

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