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Studio war gestern - jetzt geht's auf Tournee: Stefanie Heinzmann.
Studio war gestern - jetzt geht's auf Tournee: Stefanie Heinzmann.(Foto: Michael Zargarinejad / Universal Music)

"Raab hat mir den Arsch gerettet": Stefanie Heinzmann hat einfach Soul

Von Volker Probst

Ja, klar, Stefanie Heinzmann ist Schweizerin. Aber eigentlich würden wir sie gern einbürgern. Wenigstens eine Zeit lang gehört sie jetzt uns, denn die Soulröhre geht auf Deutschland-Tour. Vielleicht schaut ja auch Stefan Raab mal vorbei - Zeit hätte er doch.

Sie ist gerade mal 26 - und hat doch schon so extrem viel auf dem Kasten: Stefanie Heinzmann ist ebenso Gewinnerin eines Gesangswettbewerb wie Jurorin, ebenso eine außergewöhnliche Soulröhre wie eine Live-Granate und ebenso ein Liebling der Schweizer wie der Deutschen.

Da kann man schon auch mal durcheinander kommen. Jedenfalls wurde sie vor Kurzem in einem Interview doch tatsächlich mit den Worten zitiert, sie fühle sich in Deutschland zu Hause. Stimmt das? Bekommt sie für diese Aussage in der Schweiz nicht eins auf die Mütze? "Ach nee", sagt Heinzmann mit einem Lachen. "Ich meine, die Schweiz ist meine Heimat, aber in Deutschland fühle ich mich total zu Hause. Ich arbeite da jetzt seit acht Jahren, fast meine komplette Band kommt aus Deutschland. Ich verbringe sehr viel Zeit hier - gerade in Köln. Da hat damals alles für mich angefangen. Und ich habe mittlerweile viele richtig, richtig gute Freunde in Deutschland."

Ausverkaufte Hallen

Gut, dass das geklärt ist. Und zwischen guten Nachbarn sollte es ja nun auch möglich sein, sich die Künstlerin zu teilen. So wie gerade bei ihrer Live-Tournee mit ihrem aktuellen Album "Chance of Rain". Nachdem Heinzmann vor Weihnachten die Eidgenossen mit ihrer Bühnenshow beglückt hat, stattet sie nun insgesamt 13 deutschen Städten einen Besuch ab. Mehrere Konzerte waren dabei schon Wochen zuvor restlos ausverkauft.

Aufräumen? Nach der Tour wieder.
Aufräumen? Nach der Tour wieder.(Foto: Universal Music)

"Das ist schon ein bisschen fies", erklärt Heinzmann wieder mit einem Lachen auf die Frage, wo sie denn lieber auftritt - in Deutschland oder in der Schweiz. "Ich will mich da wirklich nicht entscheiden." Sie schätze die Art ihrer Landsleute, die sich immer extrem viel Mühe gäben bei ihren Konzerten. Und seien es nur die liebevoll eingerichteten Backstage-Bereiche und das viele Essen, das es dort gibt. "Aber ich weiß auch, dass ich vom Glück geküsst bin, dass ich als Schweizerin überhaupt in Deutschland spielen darf", ergänzt die Sängerin. "Und es macht einfach total Bock, mit dem Nightliner durch Deutschland zu fahren!", sagt sie so überzeugend, dass man auf einmal glatt selbst Lust bekommt, es sich in den kommenden Wochen nachts in einem Bussessel bequem zu machen.

Von "The Voice" bis "Popstars"

Doch nicht nur als Sängerin trägt Heinzmann längst die Kraft der zwei Herzen in ihrer Brust. Auch bei ihrem Engagement als TV-Jurorin spielt sie den Doppelpass. Zwei Staffeln lang beurteilte sie in "The Voice of Switzerland" - dem Schweizer Pendant zu "The Voice of Germany" - neue Talente, ehe sie im Sommer 2015 in Deutschland mit "Popstars" dem Nachwuchs eine Chance gab. Gerade für sie, die einst 2007 ihre Karriere mit dem Gewinn der von Stefan Raab initiierten Castingshow "SSDSDSSWEMUGABRTLAD" ("Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf!") begann, sei es "total spannend", die Seiten zu wechseln, sagt Heinzmann.

Bei "Popstars" saß Heinzmann neben  Bellla Garcia (l.) und Miss Platnum in der Jury.
Bei "Popstars" saß Heinzmann neben Bellla Garcia (l.) und Miss Platnum in der Jury.(Foto: RTL II / Severin Schweiger)

Die Kritik, dass Castingshows ihre Schützlinge oftmals nur im Sinne der TV-Einschaltquoten verheizen und sie danach schnell wieder fallenlassen würden, will sie dann auch nur bedingt gelten lassen. Klar böten die Formate den Teilnehmern keine Karriere-Garantie. "Aber wenn ich jetzt zum Beispiel gerade mal 'Popstars' nehme: Die Mädels dort hatten über mehrere Wochen super Coaches. Ich denke: Sie alle nehmen in jedem Fall unglaublich viel aus der Show mit", ist sich Heinzmann sicher.

"Ein echt emotionaler Moment"

Das beste Beispiel dafür, dass die Teilnahme in einer Castingshow durchaus auch Früchte tragen kann, ist ja nun auch die 26-Jährige selbst. "Stefan Raab hat mir den Arsch gerettet", erklärt sie auf die Frage, welche Rolle der Entertainer denn ihrer Ansicht nach für ihre Karriere gespielt habe. Schließlich habe sie Raab nicht nur die Initialzündung für ihre Laufbahn zu verdanken. "Er war es ja, der es mir überhaupt ermöglicht hat, dass ich nun in Deutschland auftreten darf."

Noch immer stünden ihr einstiger Mentor und sie im Kontakt, sagt Heinzmann, wenn auch nicht ständig. Schließlich sei Raab - jedenfalls bis vor Kurzem - ein vielbeschäftigter Mann, dem man auch nicht dauernd auf die Pelle rücken wolle. Doch gerade in den letzten Wochen vor Raabs TV-Abschied hätte sich der Kontakt intensiviert. Als sie von der Entscheidung des Moderators, sich aus dem Medienzirkus zurückzuziehen, erfahren habe, sei ihr das schon nahe gegangen, gesteht die Sängerin. "Das war ein echt emotionaler Moment."

Heinzmann im März 2008 - kurz nach dem Gewinn von "SSDSDSSWEMUGABRTLAD"
Heinzmann im März 2008 - kurz nach dem Gewinn von "SSDSDSSWEMUGABRTLAD"(Foto: imago stock&people)

Hat ihr Raab die Beweggründe für seinen Entschluss erläutert und, falls ja, würde sie die Information jetzt mit uns teilen? Dann könnte sie uns womöglich einen Preis für investigativen Journalismus bescheren, setzen wir Heinzmann auseinander. Aber sie lacht nur. "Nein, nein. Aber ich denke, das ist doch etwas, was man durchaus nachvollziehen kann. Wenn man das so viele Jahre wie Stefan gemacht hat, kann man doch verstehen, wenn er sagt: Jetzt ist es gut."

Auf Heinzmann wartet R2D2

Raab wird in diesem Jahr 50. "Echt, schon 50?", platzt es aus Heinzmann heraus. Ja, 50. Ihr hingegen steht mit ihren gerade mal 26 Jahren womöglich noch eine lange Zeit im Rampenlicht bevor. Dennoch schmiedet sie schon jetzt gelegentlich Pläne für die Zeit danach. In 20 Jahren oder so könne sie sich zum Beispiel vorstellen, in die Gastronomie zu wechseln, erklärt sie. "So ein kleines Café würde mir schon gefallen."

Dann bliebe ihr wahrscheinlich auch mehr Zeit für ihr heimliches Hobby: Lego! "Ja, das stimmt. Ich spiele echt gern mit Lego", muss Heinzmann ein bisschen über sich selbst schmunzeln. "Das hat für mich so was Meditatives." Mit einfachen Häuschen, wie sie vielleicht auch Stefan Raab in seiner Kindheit zusammengewürfelt hat, kann man ihre Generation allerdings kaum noch beeindrucken. "Vor Kurzem habe ich mein Simpsons-Haus zusammengebaut", sagt sie nicht ohne Stolz, auch wenn die Überwindung dieser Hürde offenbar noch keine endgültige Befriedigung gebracht hat. Zu Weihnachten habe sie sich deshalb nun den Bausatz von "R2D2" gegönnt, verrät sie. Möge die Macht beim Basteln mit ihr sein!

Ihre Deutschland-Tour führt sie in den nächsten Wochen durch 13 Städte.
Ihre Deutschland-Tour führt sie in den nächsten Wochen durch 13 Städte.(Foto: imago/Future Image)

Das vorerst letzte Konzert auf Heinzmanns Deutschland-Tour geht am 19. Februar in Magdeburg über die Bühne. Knapp drei Monate später, am 14. Mai, steigt in Schweden der Eurovision Song Contest (ESC). Eigentlich wäre sie doch eine perfekte Vertretung für Deutschland dort gewesen. Oder etwa nicht? "Nein, da halte ich mich lieber raus", weist die Sängerin das Angebot freundlich zurück. "Das ist bei mir ja eh schon so kompliziert. Wenn ich das machen würde - mache ich das dann für die Schweiz oder für Deutschland? Und nach dem Trubel, den es da jetzt gab, mische ich mich lieber nicht ein", erklärt sie weise, weshalb sie nicht zu den Kandidaten für das ESC-Ticket in diesem Jahr gehört.

Back to Soul

Aber vielleicht sehen wir sie in einem der nächsten Jahre mal beim Song Contest? "Früher hätte ich das komplett ausgeschlossen", sagt Heinzmann. "Aber je älter ich werde …", ergänzt sie, dass es mittlerweile dann doch im Bereich des Vorstellbaren für sie liegt. Na also. Bäm! Aber wenn, dann ja wohl bitte für Deutschland, nicht wahr?! Wir könnten schließlich mal wieder "12 points" gebrauchen.

Doch das ist - im wahrsten Sinne des Wortes - alles noch Zukunftsmusik. Wer jetzt und hier Stefanie Heinzmann live und in Farbe erleben will, sollte zu einem ihrer Konzerte gehen. Auch wenn ihr jüngstes Album für sie ungewöhnliche elektronische Sounds enthielt, braucht sich keiner der eingefleischten Fans Sorgen machen. Sie habe selbst den Soul ein wenig vermisst, gesteht sie. Deshalb werde das nun live wieder stärker herausgearbeitet. Auf die Soulröhre muss also niemand verzichten? "Aber nein, natürlich nicht."

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Stefanie Heinzmann befindet sich im Januar und Februar 2016 auf Deutschland-Tournee: Hamburg (29.01.), Dortmund (30.01.), Köln (31.01.), Bielefeld (02.02.), Osnabrück (03.02.), Bremen (04.02.), Berlin (06.02.), Dresden (07.02.), Frankfurt (09.02.), München (10.02.), Nürnberg (11.02.), Stuttgart (13.02.), Magdeburg (19.02.). Außerdem spielt sie im Sommer 2016 wieder Festival- und Open-Air Termine in Deutschland und der Schweiz: Göttingen (23.06.), Xanten (14.07.), München (23.07.)

Quelle: n-tv.de

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