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Hat viel gelernt durch ihr neues Album: Tanita Tikaram.
Hat viel gelernt durch ihr neues Album: Tanita Tikaram.

Mehr als ein One-Hit-Wonder: Tanita Tikaram kommt uns näher

Sie ist recht klein, zart, und hat einen wunderschönen Teint (und wenn sie jetzt ein Mann wäre, dann hätte ich das genauso geschrieben!): Tanita Tikaram. Und sie hat eine wahnsinnig laute, rauhe, ansteckende Lache, die Fröhlichkeit verbreitet. Das erwartet man fast nicht, denn sie ist ja eher für die ruhigen Töne bekannt, diese Tanita Tikaram. Das ist doch die, die vor einiger Zeit - vor sehr langer Zeit - diesen Hit hatte. "Twist In My Sobriety", oder? Richtig! 1988 erlangte sie weltweite Anerkennung für ihr Debüt-Album "Ancient Heart", auf dem eben dieser unvergessliche Hit "Twist In My Sobriety" ist, aber auch "Good Tradition" zu finden ist. Mit ihrem neuen Album "Closer To The People" hebt sich Tanita Tikaram wieder einmal mit einer außergewöhnlichen Platte ab: Für ihr neuestes Werk wurde sie von ihrer Live-Band beeinflusst (die bereits gemeinsam mit Van Morrison und John Marty spielten), von einem ganzen Leben voller Platten und von zeitgemäßen Recordingansätzen, die ihrer Musik einen ganz eigenen und dynamischen Sound verleihen. n-tv.de traf die Sängerin zu einem sehr entspannten Gespräch in Berlin.


n-tv.de: Lange nicht gesehen und gehört - wie geht's?

Tanita Tikaram: Es geht mir hervorragend. Meine Tour hat gerade angefangen und es macht riesigen Spaß. Ich bin in Köln gestartet, in einer Kirche, und es war so überraschend anders. Die Leute waren mir so nah, es war toll. Und es ist so ein toller Sound in einer Kirche.

Ich liebe das auch sehr.

Es ist aber ein Unterschied, ob die Kirche noch aktiv genutzt wird oder eine Art Veranstaltungsort ist, finde ich. Ich mag das, wenn die Kirche auch noch ursprünglich genutzt wird. Wen hast du zum letzten Mal in einer Kirche singen sehen?

Mich, sehr leise. Nein Quatsch, es war ein Jazz-Konzert, aber ich kann mich an den Namen nicht mehr erinnern, tut mir leid.

(lacht) Alles klar!

Bist du noch immer aufgeregt vor einem Konzert?

Absolut! Sehr! Es wäre nicht normal, wenn ich nicht aufgeregt wäre.

Du bist ja in Deutschland aufgewachsen ...

... das stimmt nicht ganz, ich bin in Münster geboren, und dann sind wir nach England gezogen, als ich ein Jahr alt war. Und dann sind wir wieder zurückgezogen, da war ich sechs. Und jetzt frage mich bitte nicht nach meinen Deutschkenntnissen ... (lacht)

... wie sind deine Deutschkenntnisse denn so?

Katastrophal!! Obwohl ich in Deutschland war, bis ich zwölf wurde. Ich müsste das wirklich wieder auffrischen, ich habe vieles vergessen. Ich meine, ich kann noch in einen Laden gehen und was zu essen bestellen oder einkaufen, aber es ist schwer, eine richtige Unterhaltung zu führen.

Ist ja auch eine schwere Sprache.

Ja, und die Deutschen sprechen so gut Englisch, alle reden englisch mit mir.

Wir können gerne deutsch weitermachen.

So hab' ich das auch wieder nicht gemeint! Es ist ja auch sehr höflich gemeint und sehr bequem für mich, aber so lerne ich es natürlich nie mehr.

Naja, ich sag' in Spanien auch sehr gerne mal "Grazie" und wundere mich dann über den Blick des Gegenübers, aber egal, wir wollen ja über Musik reden. Deine Tour ist ganz schön lange, wie bleibst du da fit?

(lacht) Ich wünschte, ich könnte jetzt sagen, dass ich jeden Tag laufen gehe oder Pilates mache, aber das mache ich nicht, ich bin zu faul. Und ich habe Angst, dass ich dann zu k.o. für mein Konzert bin, das ist ja anstrengend genug. Früher bin ich in anderen Städten gelaufen, aber jetzt reicht mir mein Tai Chi. Das stärkt mich mental.

Keine Angst, ich arbeite ja nicht für ein Fitnessmagazin.

(lacht) Aber: Ich gehe schwimmen!

Man findet wenig Privates über dich.

Ich habe kein Privatleben (lacht). Nein, Blödsinn, ich rede nicht gern über mein Privatleben.

Also mit mir auch nicht ...

(lacht) Ja, nein, also ...

Du lebst in London, soviel ist klar.

Genau.

Das reicht ja auch an privaten Informationen.

(lacht)

Was machst du denn, wenn du nicht auf Tour bist?

Oh, ich komponiere, ich texte, ich lasse mich inspirieren. Dafür braucht man ja eine ganze Weile. Und wenn es gegen Schluss geht, also, wenn man das Gefühl hat, das Album ist so gut wie fertig, dann fängt die Uhr an zu ticken. Dann werde ich kribbelig, weil ich immer denke, es ist noch so viel zu tun.

Wie gehst du vor beim Album-Entwickeln?

Ich mache erstmal viel allein, aber dann brauche ich jemanden, um das weiter zu entwickeln, die Melodie, den Text, ich muss drüber reden. Ich habe dieses Mal so viel gelernt in dem Prozess.

Was denn?

Ähm ... (lacht) dass das Wichtigste an der Musik nicht der Künstler ist. Es ist die Zusammenarbeit mit anderen. Das hat mich ehrlich gesagt total befreit. Ich habe ganz viel gelernt, was mich als Musikerin weiterbringen wird, da bin ich ganz sicher.

Hast du erst die Melodie oder den Text im Kopf?

Komischerweise beides gleichzeitig, ich kenne das gar nicht anders. Ich habe einen Riff im Kopf oder eine Grundmelodie, und dann kommen die Worte ganz automatisch. Anders wäre es echt hart, glaube ich, für mich jedenfalls. 

Werden deine Fans auf der Tour denn deinen Song "Twist In My Sobriety " nach all den Jahren zu hören bekommen?

Auf jeden Fall. Das ist der Song, bei dem ich mich immer total entspannen kann!

 

Mit Tanita Tikaram sprach Sabine Oelmann.

"Closer To The People" ist seit dem 11. März auf dem Markt.

Quelle: n-tv.de

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