Unterhaltung
Lässt sich den Thron nicht streitig machen: Tom Petty.
Lässt sich den Thron nicht streitig machen: Tom Petty.
Freitag, 25. Juli 2014

Von Amtsmüdigkeit keine Spur: Tom Petty bricht noch immer Herzen

Von Kai Butterweck

Die Jugend kratzt am Retro-Thron - warum es aber bis heute nicht zur musikalischen Machtübernahme gereicht hat, zeigt das neue Album von Tom Petty. Schnörkellos und auf den Punkt präsentiert er sich mitsamt Heartbreakers-Gefolge regierungsfähiger denn je.

Crunchige Gitarren, trockene Drums und kratzende Vinyl-Vibes aus der Retorte: Seit Jahren schlängelt sich der Retro-Hype nun schon wie eine nicht enden wollende Do-you-remember-Spirale durch unzählige Newcomer-Proberäume auf der ganzen Welt. Die Jugend huldigt ihren Helden. So weit, so gut. Jedoch schaffen es nur die wenigsten, bis zum Ende des musikalischen Timetravel-Ritts fest im Sattel zu sitzen.

Als wär' die Zeit stehengeblieben - irgendwie.
Als wär' die Zeit stehengeblieben - irgendwie.

Zu aufgesetzt und gestellt schallen die meisten Klang-Kniefälle der neuen Generation aus den Boxen, sodass altehrwürdige Quellenbetreiber wie Neil Young, Bruce Springsteen oder Brian Setzer oftmals nur müde lächelnd auf ihren Thronen hockend abwinken. Auch ein Tom Petty muss sich keine Sorgen um seine Krone machen; denn mit seinem neuen Album "Hypnotic Eye" schiebt er nur noch einen weiteren Riegel vor die eh schon fest verschlossene Old-School-Olymp-Tür.

Es kommt noch besser

Bereits der bullige, von satten Powerchords und straffen Drums geprägte Opener "American Plan B" treibt jedem 60s- und 70s-Liebhaber die Freudentränen in die Augen. Doch es kommt noch besser: Songs wie "Fault Lines" oder "Forgotten Man" brausen auf der Überholspur an kalkulierter Neuzeit-Masse vorbei. Da soll nochmal einer behaupten, dass 64 Kerzen auf der Geburtstagstorte die Muskeln verkümmern lassen. Nix da! Tom Petty und seine Herzensbrecher trippeln wie Jungspunde um die selbstgepflanzten Genre-Wurzeln herum.

Zackige Geradeaus-Perlen, die im Einklang mit Pettys dünnem, aber dennoch markantem Organ kiloweise Staub auf den Windschutzscheiben der Zurückgebliebenen hinterlassen, treiben das Getriebe des Petty-Motors nicht einen Moment lang an die Grenze der Belastbarkeit. Wie ein Schweizer Uhrwerk rattert der "Hypnotic Eye"-Motor über einen frisch geteerten Rock’n’Roll-Highway.

Wer aufs Tempo drückt, der muss auch irgendwann mal einen Boxenstopp einlegen. Doch selbst während der ruhigen, mit Bluesharp-Einschüben und Jazz-Anleihen aufgepeppten Raststätten-Momente versprühen Tom Petty & The Heartbreakers phasenweise mehr Energie und Spielfreude als die meisten Greenhorn-Combos dieser Welt zusammen.

"We'll show the new generation how the big boys do it": Mit diesem Statement eröffnete Gene Simmons einst die offizielle Pressekonferenz vor der legendären Kiss-Reunion-Tour im Jahr 1996.Knapp zwanzig Jahre später haben all die Väter der Handmade-Branche immer noch die Nase vorn, wenn es um basisorientierte Rock’n’Roll-Hausmannskost geht, die selbst in einem futuristischen 5-Sterne-Tempel für sabbernde Mäuler sorgt. Während der eine (Gene Simmons) auch heute noch in tonnenschweren Drachenboots das Fürchten lehrt, grüßt ein anderer (Neil Young) selbstbewusst lächelnd aus dem Inneren einer Telefonzelle. Tom Petty hingegen braucht weder ein Kostüm noch ein explizites Recording-Umfeld, um dem Rock-Nachwuchs dieser Welt zu zeigen, wer die Genre-Hosen anhat. Hut ab.

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Quelle: n-tv.de

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