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Zwischenstation eines FormenwandlersBowies kokainverseuchteste Platte

11.10.2010, 13:20 Uhr
imageManfred Bleskin
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David Bowie ist ein Sonderling in der Musikbranche. (Foto: REUTERS)

Minutenlanges Schienengerassel und monotonster Pseudosoul: Das klingt nach Verriss. Dennoch ist David Bowie mit seiner Platte "Station to Station" ein mutiges Werk gelungen, an welches die Herausgeber mit einer Deluxe-Version nochmal erinnern möchten.

"Station to Station" war und ist eine Platte für echte Bowieaner – und eigentlich auch nur für diese. Ein Monstrum aus kokainverseuchten Jamsessions, okkulten Wortketten und ersten Ausflügen in Richtung Krautrock, das am Ende doch klingt wie eine zweitklassige Funkband aus Philadelphia. Wem diese Einschätzung zu sehr nach Verriss klingt, mag bedenken, dass sich der Formenwandler aus London mit "Station to Station" nur ein Zwischenzeugnis ausgestellt hat – auf seinem Weg vom Singer/Songwriter der frühen Siebziger hin zum experimentell-düsteren Postpunk-Sonderling an der Schwelle der 80er.

Minutenlanges Schienengerassel eines einfahrenden Zuges darf "Station to Station" eröffnen, und wer diese Gehirnwäsche übersteht, wird mit knapp sieben Minuten monotonstem Pseudosoul belohnt. Klingt schon wieder nach Verriss. Nächster Versuch: "Station to Station" ist eine mutige Platte, ein wahrer Test für die Fans. Wenn Bowie nach diesem Album noch welche hat, kann er für den Rest seines Lebens aufnehmen, was er will. Und genau das tat er ja dann auch. Die folgende sogenannte "Berliner Trilogie", die mit Brian Eno in Westberlin eingespielten drei Platten "Low", "Heroes" und "Lodger", belegt eindrucksvoll das Talent des 1976 noch nicht einmal 30-Jährigen, auch außerhalb von Konzeptplatten seine avantgardistischen Ambitionen auszudrücken. Wahrscheinlich brauchte es für Bowies Weiterentwicklung ein "Station to Station"; sogar der Albumtitel kann als eine solche Vorgabe verstanden werden. Auch wenn Bowie selbst irgendeinen verquasten religiösen Hintergrund angibt.

"Station to Station" ist eher ein historisches Tondokument als eine zeitlose Platte, und daher ist der Entschluss, jetzt das alte analoge Masterband als Grundlage der Luxusausgabe heranzuziehen, eine weise Entscheidung der Herausgeber. Hier ist nichts digital glattgebügelt, die Dynamik der CD kommt dem originalen Vinyl so nahe wie möglich. Nicht nur für echte Bowieaner wird die Vita ihres Meisters dadurch deutlich fühlbarer, auch David selbst dürfte sich über die Edition freuen: Er kann sich an das Entstehen des Albums in Los Angeles nämlich überhaupt nicht erinnern. Die Neuauflage inklusive eines bisher nur als Raubkopie erhältlichen Konzerts dürfte sein Gedächtnis auffrischen.

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