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"Wenn sie meiner Tochter auch nur ein Haar krümmen …""Greetings to the Devil": Rache pur

24.02.2012, 08:00 Uhr
imagevon Thomas Badtke
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Ángel muss zu Diablo werden, um seine Tochter zu retten. (Foto: Senator)

Er hat ein grausames Verbrechen begangen - als Guerilla-Kämpfer Diablo. Amnestiert vom Staat, führt er nun als Ángel ein bürgerliches Leben. Als seine kleine Tochter entführt wird, holt Àngels düstere Vergangenheit ihn ein. Ein perfider Racheplan nimmt seinen Lauf.

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Auge um Auge, Zahn um Zahn. (Foto: Senator)

"Wenn Sie jemanden töten, drohen Ihnen 30 Jahre Gefängnis. Doch wenn Sie zu einer Gruppe gehören, die mordet, vergewaltigt, mit Drogen handelt, massakriert, entführt - dann haben Sie Aussicht auf eine Amnestie." So interpretiert Leder (Ricardo Veléz) ein 2005 vom kolumbianischen Kongress verabschiedetes Gesetz. Es soll die Mitglieder der marxistischen Guerilla-Verbände und paramilitärischer Gruppen ermutigen, zu desertieren und in ein alltägliches Leben zurückzukehren. Im Gegenzug wird ihnen eine Amnestie gewährt. Das Gesetz trägt den Namen "Gerechtigkeit und Frieden". Der Schlüssel zu allem ist Vergebung. Doch die kommt für Leder nicht in Frage.

Leder sitzt in einem Rollstuhl, verstümmelt und verbittert. Er und sein Vater wurden einst von Diablo (Édgar Ramírez; "Carlos - Der Schakal", "Kampf der Titanen 2") und seinen Kumpanen entführt, gefoltert und misshandelt. Leders Vater wurde ermordet, er selbst anderthalb Jahre in einem dunklen Erdloch eingesperrt. Seine Beine waren danach nicht mehr zu retten. Doch statt einer Bestrafung kommen Diablo und seine Jungs dank der staatlichen Amnestie frei und ungeschoren davon. Deshalb nimmt Leder das Gesetz selbst in die Hand, immer an seiner Seite seine Schwester Helena (Carolina Gómez; "The Chosen One"). Diablo soll bluten, und leiden - wie Leder einst und noch immer.

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Für seine Tochter Ángela wird Ángel zum Killer. (Foto: Senator)

Leder lässt Ángels - so Diablos neuer, bürgerlicher Name - Tochter Ángela (Maria Luna Béltran) entführen. Sie ist der Faustpfand in Leders perfide geschmiedetem und über Jahre gereiftem Racheplan: Ángel soll alle Mitglieder seiner alten Einheit aufspüren und einen nach dem anderen umbringen. Er hat dafür 72 Stunden Zeit. Weigert er sich, fliegt er auf oder schafft es nicht rechtzeitig, stirbt Ángela.

Ángel bleibt keine Wahl und so macht er sich an seine blutige Arbeit. Die ist zwar zu Beginn erfolgreich, aber nicht einfach. Zum einen ist er mit einem seiner früheren Mitstreiter eng befreundet. Zum anderen führen auch die ehemaligen Mit-Guerilleros nun ein völlig normales Leben, fahren ihre kleinen Kinder im Familienauto zum Musikunterricht. Aber es hilft nichts: Um das Leben seiner Tochter willen und um sie wieder gesund und munter in seine Arme schließen zu können, zieht er Leders Racheplan durch. Eiskalt und ohne Rücksicht - auch nicht auf seine Gesundheit. Einen anderen Weg gibt es für ihn nicht. Das weiß auch Leder: "Wenn du in diesem Land ein Verbrechen begehst, dann zieh es ganz groß auf. Denn je größer das Verbrechen, desto eher kommt man ungestraft davon." Und Leder hat seine Rache ganz groß aufgezogen. Ángel ist nur ein kleines Rädchen darin, aber das alles entscheidende.

Thriller der Extraklasse

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Ángel hat keine Wahl: Das Leben seiner Tochter steht auf dem Spiel. (Foto: Senator)

Gewalt - direkt und ungeschminkt, aber eben auch nicht überzeichnet und in den Vordergrund drängend - ist neben den fesselnden Schauspielkunst der beiden Hauptprotagonisten Ramírez und Veléz einer der Pluspunkte, die "Greetings to the Devil" zu einem außergewöhnlichen Film machen, einem Thriller der Extraklasse. Die Charaktere wirken authentisch, real, nicht überzeichnet. Wie aus dem Leben gegriffen, wenn auch aus dem eines von Europa weit entfernten kolumbianischen. Die Gewaltspirale dreht sich dort auch nach der vom Staat erlassenen Amnestie weiter. Und genau das ist der Inhalt des von den Orozco-Brüdern Juan Felipe und Carlos Esteban geschriebenen und hervorragend umgesetzten Films.

"Greetings to the Devil" offenbart die zwei Seiten der Amnestie-Medaille. Der Film zeigt, dass es neben Schwarz und Weiß auch noch ein Grau gibt, dass das Gute nicht immer gut ist und umgekehrt sich hinter dem Bösen nicht immer das abgrundtief Hässliche verbergen muss. Das Offensichtliche ist nicht immer das Logische.

Das machen auch die zum Teil mehrfachen Wendungen der Persönlichkeiten deutlich: Das eigentliche Opfer Leder schlüpft in die Rolle des Täters. Umgekehrt wird der eiskalte Guerilla Diablo zum liebenden Familienvater Ángel - und dann gezwungenermaßen wieder zum kaltblütigen Killer. Teufel, Engel, Teufel - mal so, mal so. Jeder Mensch trägt beide Seiten in sich. Das ist die Schlussfolgerung, die de Orozcos mit ihrem Film ziehen. Da wundert es nicht, dass auch das Ende aus dem Rahmen fällt und einen grübelnden Zuschauer hinterlässt. "Greetings to the Devil" geht an die Nieren und ans Herz. Er ist wie ein krachender Schlag in die Magengrube und ein stechender Schmerz in der Seele.

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