Dunkle Seite des Dennis Quaid"Inside the Darkness": Liebe stinkt!

Bestatter haben von Natur aus etwas Unheimliches an sich. Eine Clique Jugendlicher in einem texanischen Kuhkaff bekommt das hautnah zu spüren, als sie den örtlichen Totengräber des kaltblütigen Mordes bezichtigen. Nun ist der berufliche Ehrgeiz des Totengräbers geweckt.
Zur typischen US-amerikanischen Kleinstadtidylle gehört das Football-Team wie das Öl zu Texas. Im Stadion trifft sich der ganze Ort - sehen und gesehen werden -, jubelt seinen Helden zu und feiert die Touchdowns, Siege, Meisterschaften. Wer einmal Quarterback des Teams ist und der verschworenen Gemeinschaft Triumphe schenkt, bekommt einen Platz in den Herzen der Einwohner - für immer, egal was sonst passiert. Ely Vaughn (Dennis Quaid; "Dragonheart", The Day After Tomorrow", "Die Reise ins Ich") ist das gelungen: In seiner Jugend unumstrittener Star des Teams und Texas-Champion mit den heimischen "Tigers", geht er mittlerweile einem äußerst ehrbaren und angesehenen Beruf nach. Er ist Bestatter.
Sein legitimer Nachfolger im Football-Trikot ist Brian (Stephen Lunsford; "Zoey 101"). Er, Danny (Devon Werkheiser; "Wir waren Helden"), Travis (Tony Oller) und Abby (Aimee Teegarden; "Scream 4") sind dicke Freunde, eine Clique, die durch dick und dünn geht. Und vor allem Travis hat bereits einiges erlebt: Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Schwester starb, wie ihr Geist ihren Körper verließ - und Travis konnte es nicht verhindern. Seitdem plagen ihn Selbstzweifel und er glaubt an Geister.
Das sorgt bei seinen Freunden immer wieder für Belustigung, auch weil er den Rasen für Vaughn mäht. Und in dessen Haus soll es spuken. Logisch, schließlich ist Vaughn Bestatter. Zudem darf Travis nur vor dem Haus mit dem Rasenmäher hantieren, nicht aber dahinter, obwohl auch dort Gras wächst.
Neugier tötet
Aus einer Bierlaune heraus beschließen die vier, Vaughns Anwesen bei Nacht einen Besuch abzustatten und den Geister- und Spuk-Gerüchten auf den Grund zu gehen. Zu aller Überraschung sehen sie dann auch zwei sich wie Geister bewegende Schatten hinter einer Gardine im Erdgeschoss. Nun ist die Neugier der Clique erst recht geweckt, denn Vaughn lebt allein, seit seine Frau vor ein paar Jahren gestorben ist. Sie beschließen an einem Abend zurückzukehren, an dem Vaughn nicht da ist.
Gesagt, getan. Vaughns Auto steht nicht in der Einfahrt. Brian, Danny und Abby machen sich auf ins Haus, während Travis Wache schiebt. Im Erdgeschoss finden die drei Freunde nichts Außergewöhnliches - aber in der ersten Etage. Im Schlafzimmer. Mitten auf dem Bett liegt eine Frau. Vaughns Frau. Tot. Aber so geschminkt und "wiederhergestellt", als würde sie nur schlafen. Die drei bekommen es mit der Angst zu tun. Die steigert sich noch, als urplötzlich Vaughn auftaucht und sie zur Rede stellt. Abby und Brian fliehen, aber Danny schafft es nicht mehr. Vaughn schnappt ihn an der Treppe und drückt ihn gegen die Wand. Travis kommt ins Haus gerannt und will seinem Freund helfen. Es gelingt ihm nicht: Vaughn stößt Danny die Treppe hinunter - und bricht ihm dann ohne mit der Wimper zu zucken das Genick. Das ist schließlich Texas und Danny ein Einbrecher.
Travis kann es nicht fassen. Aber außer Abby und Brian will ihm keiner in der Kleinstadt glauben. Vaughn ein kaltblütiger Mörder, der auch noch seine tote Frau bei sich im Bett liegen hat? Der Football-Held von einst? Das angesehene Mitglied der Gemeinde? Keine Chance. Travis beschließt deshalb, noch einmal in das Haus zurückzukehren und ein Bild von Vaughns toter Frau als Beweis zu machen. Abby begleitet ihn. Aber beide haben die Rechnung ohne den dort still vor sich hin lebenden Psychopathen gemacht - und so geht es bald für die beiden um Leben und Tod.
Quaid macht den Unterschied
"Inside The Darkness" fängt bereits mit einem Paukenschlag an: Vaughn schnappt sich mit Waffengewalt beim Joggen einen Freund, lässt ihn ein Loch buddeln und begräbt ihn dann lebendig. Wieso? Weshalb? Warum? Die Auflösung liefert erst das Filmende, als es zum Showdown zwischen Travis, Abby und Vaughn auf dem düsteren Kleinstadt-Friedhof kommt. Aber bereits zu Beginn des Film ist damit klar: Hollywood-Action-Held Dennis Quaid spielt diesmal nicht den Weltenretter und Ober-Sympathen. Quaid spielt stattdessen einen waschechten Psychopathen. Und das macht er derart brillant, dass man als Zuschauer das kalte Grausen bekommt. Abgezockt, abgebrüht, ohne jede Gefühlsregung und auch ohne jede Angst vor den Konsequenzen.
Quaids schauspielerische Leistung ist es, die "Inside The Darkness" des Regisseurs Martin Guigui zu einem absolut sehenswerten Film macht. Die Jungdarsteller-Riege kann da leider nicht mithalten. Merken sollte man sich aber den Namen Aimee Teegarden - allein schon wegen ihrer Ähnlichkeit zu Michelle Williams. Teegarden könnte ihre jüngere Schwester sein.
Die im Film vorkommenden Zitate und Anspielungen auf Edgar Allen Poes "Das verräterische Herz" und William Shakespears "MacBeth" geben dem Ganzen noch einen ernsteren, tiefer erscheinenden Sinn. Und kurz vor dem Abspann darf dann auch einmal heftig - und kurz - gelacht werden. Dann, wenn Vaughn sein doppeldeutiges Film- und Bestatterfazit zieht: "Liebe stinkt!"