Männer brauchen Erklärungen!The Shocking Miss Emerald
Die niederländische Pop- und Jazzsängerin Caro Emerald ("A Night Like This") hat so viel zu tun, dass ihr der Trubel in ihrem Land bisher gar nicht so aufgefallen ist. Jetzt denkt die 32-Jährige jedoch: "Hoffentlich versäume ich nichts", wie sie n-tv.de im Gespräch verrät - aber sie sitzt nun mal im Flieger, ihr neues Album steht an.
n-tv.de: Woher kommt die Liebe zu der "alten" Musik, für die du so ein Faible hast?
Caro Emerald: Das hab ich mich auch schon oft gefragt (lacht). Aber ich denke, es kommt einfach von meiner Liebe zur Musik, die ich im Allgemeinen habe. Wenn man Musik liebt, dann fängt man an, sie immer wieder neu zu entdecken. Und dann findet man neue Wege und Richtungen. Ich mag aber nicht nur Musik aus dieser Zeit, es ist nur so, dass diese Zeit so inspirierend ist. Und da meine ich sowohl den Sound als auch die Texte. Wir haben uns richtig bewusst dafür entschieden, diese Phase der Musik wieder zu unserer zu machen. Die Art, wie man damals aufgenommen hat gehört auch dazu, warum wir das so lieben. Und die Instrumente, alles war so authentisch! Außerdem lieben wir Swing!
Haben deine Eltern dich auf den Geschmack gebracht?
(lacht) Neeee, überhaupt nicht! Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ich meinen Abschluss an einem Jazz-College gemacht habe, das ist eigentlich alles. Es ergibt Sinn, ich bin eine Jazzsängerin, das ist meine Musik. Aber ich gebe zu, dass ich immer noch nach etwas anderem gesucht habe. Am Konservatorium war ich immer die, die als Jazzsängerin das Faible für Pop hat, und jetzt, wo ich mehr in der Pop-Ecke zu Hause bin, bin ich diejenige mit dem Faible für Jazz. Ich bin so in-between. Für mich hört sich diese ganze Musik auch gar nicht mehr altmodisch an. Die Jungs (ihre Band, Anm. d. Red.) arrangieren das immer so fantastisch. Ich finde, das sind die coolsten Mixes überhaupt, ich liebe nämlich auch Hip-Hop, und R'nB und Easy Listening, aber das muss alles clever sein. (lacht)
Und die Texte?
Ja, die Texte, die sind total wichtig. Diese Musik würde keinen Sinn haben, wenn die nicht auch intelligent und witzig wären. (lacht) Mein Text-Team ist seit Jahren dasselbe, wir arbeiten wirklich fantastisch zusammen, das geht wie geschmiert.
Deine Karriere hat mehr oder weniger zufällig angefangen, weil du für jemanden eingesprungen bist.
Ja!
Was meinst du, wie dein Start hätte laufen können ohne diesen Zufall?
Huh, schwer zu sagen. Ich hatte Glück! Ich weiß nur, dass ich damals dachte, wenn ich jetzt hier einspringe, dann ist das eine riesige Chance, und die sollte ich mal besser nutzen, so etwas kommt nicht wieder. Und dann hat es ja auch geklappt! Ich glaube aber auch ans Schicksal, und das war wohl meine Bestimmung. Also, auf die eine oder andere Art hätte sicher irgendwann etwas geklappt, aber vielleicht nicht so schnell. Ich hätte es auf jeden Fall darauf angelegt (lacht).
Und dein Look – wie ist der entstanden?
Auch der hat sich entwickelt. Ich bin schließlich eine Frau (lacht), und ich verkleide mich gerne. Aber dazu kommt noch, dass man als Sängerin seinen ganz speziellen Look sucht, um auch nicht so schnell in Vergessenheit zu geraten. Man sollte einen Eindruck hinterlassen, einen guten, und das passiert auch übers Visuelle. Ich war schon immer eher der klassische Typ, ich mag es, mich feminin anzuziehen und roten Lippenstift zu tragen, und anfänglich war das alles noch viel zurückhaltender. Aber schon für das erste Album wollten wir es größer machen, es sollte ein Image kreiert werden. Das Albumcover sollte bereits klarmachen, was für eine Musik darauf zu finden sein würde.
Fühlst du dich dann auch in eine andere Zeit versetzt, wenn du solche Klamotten trägst und ein anderes Styling hast?
Nein, ich fühle mich nicht in einer anderen Zeit, ich mag diese Art einfach (lacht). Es gibt der Musik einen festen Rahmen. Zu der Musik passen diese Klamotten, und wenn ich jetzt in Jeans da sitzen würde, würde das nicht einen falschen Eindruck machen? Ich glaube schon.
Stimme, Musik und der Look gehören also zusammen?
Ja, ich denke schon, so sollte es für mich sein. Ich mag, wenn das ganze Paket stimmt. Ich glaube trotzdem, dass meine Fans mehr Wert legen auf meine Stimme als auf mein Aussehen und meine Klamotten. Sie habe mich zuerst im Radio gehört. Der Look ist ganz sicher nicht der Grund, dass man mich mag.
Du hast gesagt, dass du Karl Lagerfeld besonders schätzt - warum?
Ich habe ihn leider nie getroffen, aber wir haben einen Song über ihn geschrieben, und er ist ganz offensichtlich ein Genie! Er ist immer perfekt, das finde ich bewundernswert! Er ist eine wahre Stil-Ikone.
Ich habe ihn letztes Wochenende zufällig gesehen, und obwohl es schon sehr spät war, sah er wie aus dem Ei gepellt aus.
Ja, das ist faszinierend. In dem Song singe ich "he's dressed for fame" … zuerst sollte es "he is always dressed the same" (lacht) heißen, aber das wäre ihm nicht gerecht geworden. (lacht) Ich bewundere ihn. Außerdem ist er lustig und bringt Dinge gerne auf den Punkt.
In "Tangled Up" singst du davon, dass du zwischen zwei Lieben hin und her gerissen bist – eine persönliche Erfahrung?
Nein. Das ist nur Fiktion!! (lacht) Das kenne ich überhaupt nicht!! Mein Lieblingssong ist übrigens "Black Valentine" – ich schätze aber mal, dass sich das jeden Monat ändert. Ich liebe das Melancholische, das Drama. Das ganze Orchester! Aber da sind auch Elemente aus dem Trip-Hop drin, das liebe ich! Ein bisschen Portishead.
Wie ist es denn eigentlich, mit so vielen Männern auf Tour zu sein?
Das ändert sich täglich! (lacht) Aber es ist meist gut. Total anders als mit Frauen, und eigentlich bin ich eher Frauen gewöhnt. Mit Männern ist es ein völlig anderer Lifestyle. Ich musste mich dran gewöhnen, und an die Art, wie man mit ihnen kommuniziert.
Ist es leichter?
Definitiv nicht! (lacht) Frauen können zwischen den Zeilen lesen – Männern muss man alles erklären! Daran bin ich nicht gewöhnt.
Bist du eine Diva? Und findest du das Wort eher positiv oder negativ?
Für mich ist es ein gutes Wort. Die meisten denken jedoch, dass Diva sein auch immer bedeutet, kompliziert zu sein. Aber ich denke bei Diva zuerst an Beyoncé Knowles (lacht) und das finde ich äußerst positiv! Und ich denke an Madonna, und an starke Frauen, an Frauen, die die Welt erobern, die sich was trauen. Eine Diva ist eine Frau, die nur blaue M&Ms in der Tüte haben möchte, und wenn das nicht so ist, braucht sie jemanden, der sie ihr herauspickt – also nein, da bin ich absolut keine Diva, ich esse sie alle! (lacht) Nur auf der Bühne!
Wie lange brauchst du normalerweise, um dich morgens fertigzumachen?
Nicht so lange, ich bin eine hart arbeitende Frau. Ich habe keine Zeit und bessere Dinge zu tun.
Was denn?
Naja, ganz normale Sachen eben, telefonieren, E-Mails beantworten, ins Office gehen, Freunde treffen, verreisen, so was.
Welche Musik hörst du in deiner freien Zeit?
Alles, total unterschiedlich! Ich versuche immer, auf dem Laufenden zu bleiben. Aber ich schaffe es manchmal nicht, sie zu hören, obwohl ich mir ständig Musik kaufe. Ich möchte gerne mit dem Geld, das ich in letzter Zeit verdient habe, andere Künstler unterstützen.
Warum heißt es denn eigentlich "shocking" in deinem Album-Titel?
Eigentlich wollten wir die Leute nur ein bisschen wach machen und sie mit einem Fragezeichen zurücklassen. Vielleicht findet man die Musik dann ja auch nicht "shocking" … das ist jedem selbst überlassen.
Ganz Holland spricht von der Krönung – wirst du dort sein?
Nein. Ich weiß auch nicht, es klappt nicht. Zuerst fand ich es gar nicht schlimm. Aber jetzt, wo alle davon sprechen, denke ich schon, dass ich vielleicht etwas versäume. Ich werde im Flugzeug von Deutschland nach Großbritannien sitzen, fliege also nur über meine Heimat und werde nichts mitbekommen von dem Trubel.
Vielleicht doch ein bisschen schade?
Ja, aber ich kann es jetzt nicht mehr ändern. (lacht)
Mit Caro Emerald sprach Sabine Oelmann.
Das Album "The Shocking Miss Emerald" erscheint am 3. Mai bei Universal Music