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14 Menschen sterben bei Brand: Die Katastrophe von Titisee-Neustadt

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Viele der Helfer stehen selbst unter Schock - für Titisee wurde der 26. November 2012 zu einem der schwärzesten Tage. (Foto: REUTERS)

Viele der Helfer stehen selbst unter Schock - für Titisee wurde der 26. November 2012 zu einem der schwärzesten Tage.

Geborstene Fenster, eine vom Qualm schwarze Fassade, doch ansonsten ist das Gebäude der Caritas-Werkstatt Sankt Georg in Titisee erhalten.

Dass darin am Montagnachmittag 14 Menschen gestorben sind, führt die Polizei vor allem auf den hochgiftigen Rauch in dem brennenden Gebäude zurück.

Es war nicht das Wüten der Flammen, das zu einer der verherrendsten Feuerkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland geführt hat - es war das vom Feuer freigesetzte Rauchgas.

Wie es aber zu dem Brand kommen konnte, ist nur Stunden nach dem Ausbruch noch unklar.

Etwa 120 Behinderte, darunter viele geistig und auch mehrfach Behinderte, haben in der Caritas-Werkstatt eine Arbeit.

An diesem Montag war am Nachmittag etwa die Hälfte der 20 bis 65 Jahre alten Behinderten sowie deren Betreuer dort.

Eigentlich war es ein für die Einrichtung lange ersehnter Tag: Um 8 Uhr morgens öffnete dort der Weihnachtsmarkt. Die Behinderten wollten das verkaufen, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten gefertigt haben: Holz-Nikoläuse, Weihnachtssterne oder Blumenvasen etwa.

Doch nur sechs Stunden später nahm im Lager der Werkstatt die Katastrophe ihren Lauf. Um 13.58 Uhr gab es Feueralarm, sechs Minuten später trafen die ersten Retter ein.

Sie stießen auf Menschen in blanker Panik. An den Fenstern standen um Hilfe rufende Menschen.

Mit schwerem Atemgerät geschützt rannten die Feuerwehrleute ins Gebäude.

Etwa 50 Menschen konnten sie noch retten - für 14 kam jede Hilfe zu spät. Acht weitere wurden verletzt.

Nach den Worten eines Polizeisprechers kam es in der Werkstatt zu einer oder sogar mehreren Explosionen.

Ob die Explosion der Auslöser des Feuers oder ob ein Feuer die Explosion ausgelöst hat, müssen nun die Brandgutachter klären.

Womöglich boten in dem Lager aufbewahrte Chemikalien dem Brand einen zusätzlichen giftigen Nährstoff - auch dies müssen nun die Sachverständigen klären.

Offen ist auch, warum es die Behinderten nicht schnell genug aus dem Gebäude geschafft haben. Die Polizei fürchtet, dass es einen Zusammenhang mit den Behinderungen gibt - dass sie womöglich nicht ausreichend orientiert für eine Flucht waren.

Wolfgang Schäfer-Mai, der Geschäftsführer des Rotes Kreuzes in Freiburg, berichtete am Abend in Titisee, es sei den Rettern zum Teil schwer gefallen, die Behinderten zur Flucht zu bewegen.

Für den Brandschutz sind Konzepte für Menschen mit Behinderung immer eine große Herausforderung: Geistig Behinderte können etwa für nicht Behinderte irrationale Verhaltensweisen zeigen, heißt es etwa bei der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes.

Sitzt ein geistig Behinderter im Rollstuhl, ist er zudem häufig auf Hilfe angewiesen - dies kann entscheidende Zeit gekostet haben.

Vom Brandschutz her entsprach das Gebäude nach Angaben der Caritas modernsten Standards. Erst vor wenigen Jahren zog das Sozialwerk dort ein, es sei ein "moderner Bau", sagte ein Caritas-Sprecher.

Unter den Mitarbeitern der Hilfsorganisation herrschte schieres Entsetzen. Mit Tränen in den Augen trat Egon Engler (r.) von der Caritas Stunden nach dem Brand vor die Kameras. Er dankte den Rettern der Feuerwehr, die eine noch größere Katastrophe verhindert haben.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann flog mit einem Hubschrauber nach Titisee, um sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Er zeigte sich "zutiefst betroffen".

"In Gedanken bin ich bei den Opfern, und mein tiefes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Ganz Baden-Württemberg trauert mit ihnen", sagte Kretschmann.

Für Angehörige richtete die Polizei einen Sammelpunkt ein, wo sie Informationen bekamen.

Außerdem wurden 25 Seelsorgerteams entsandt.

Diese mussten den Familien der Toten die Nachricht vom Verlust ihres Angehörigen überbringen.

Viele der Helfer stehen selbst unter Schock - für Titisee wurde der 26. November 2012 zu einem der schwärzesten Tage.

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