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Nie wieder dieses hohe C!
Luciano Pavarotti - dieser Name war, ist und bleibt ein Synonym für unvergessliche musikalische Momente des 20. Jahrhunderts.
Kaum ein anderer Tenor hatte eine derartige Bühnenpräsenz wie der Dreizentnermann aus der norditalienischen Stadt Modena, kaum einer war so charismatisch wie er.
"Big Luciano" liebte sein Publikum, er liebte die ganz großen Auftritte, bei denen die Menschen ihm zu Füßen lagen.
Immer wieder hat Pavarotti deshalb seinen Bühnenabschied hinausgezögert, genoss noch das Bad in der Menge, als er das hohe C schon längst nicht mehr präzise traf.
Dafür wurde er ausgebuht - um dann umso erfreuter empfangen zu werden, wenn er doch wieder auf die Bühne trat, mit oder ohne perfektem hohen C.
Jetzt starb der "Tenorissimo" im Alter von 71 Jahren an einem Krebsleiden - und die ganze (Opern-)Welt trauert.
"Er hinterlässt eine nicht mehr ausfüllbare Lücke bei allen Fans großer italienischer Musik", betonte der italienische Kulturminister Francesco Rutelli.
"Big Luciano wird für immer einen Platz in der Musikgeschichte haben." Schade, dass er das nun nicht mehr miterlebt: ...
... Das Ministerium hatte erst am Dienstag bekannt gegeben, Pavarotti einen Preis für seine "herausragenden Leistungen in der italienischen Kultur" verleihen zu wollen.
Sein schwergewichtiger Körper hatte dem Tenor schon jahrelang Probleme bereitet. Immer wieder musste er Konzerte etwa wegen Rückenproblemen absagen, zeitweise soll er fast gelähmt gewesen sein.
Trotz aller gesundheitlichen Probleme aber absolvierte der Bäckersohn weiter Auftritt um Auftritt und saugte den Jubel und tosenden Applaus der Fans auf - ein Jungbrunnen für den Maestro.
Im vergangenen Jahr schließlich wurde bei dem Tenor Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Bei einer Operation in New York wurde ihm der Tumor zwar von Spezialisten entfernt, der Sänger erholte sich jedoch anschließend nicht mehr.
Einen letzten, unvergesslichen Auftritt hatte er am 10. Februar 2006 bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin.
Noch einmal betrat "Big P" die Bühne und schmetterte sein Paradestück "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot. Es war, als ahnte er es selbst: Es sollte sein letzter Vorhang sein.
Vielen Anhängern stiegen die Tränen in die Augen. Als der alternde Star noch einmal alles gab, von "Speranza" (Hoffnung) und "Amore" (Liebe) sang, war das Gänsehautatmosphäre pur.
Auch privat hatte er erst vor nicht allzu langer Zeit neues Glück gefunden.
Nach der Scheidung von seiner Ehefrau Adua ...
... mit der er drei erwachsene Töchter hat ...
... heiratete er Ende 2003 seine langjährige Freundin, die 30 Jahre jüngere frühere Sekretärin Nicoletta Mantovani.
Sie hatte wenige Monate zuvor die gemeinsame Tochter Alice zur Welt gebracht. In die Vaterfreuden mischte sich bei Pavarotti aber auch tiefe Trauer: ...
... Der Zwillingsbruder des Mädchens überlebte die Geburt nicht. "Ich bin ein unglücklicher Mann, das ist einer der schlimmsten Tage meines Lebens", zitierten italienische Medien Pavarotti damals.
"Seine Stimme erkennt man unter hundert anderen heraus", schwärmte ein Konzertveranstalter in Deutschland einmal.
Nicht umsonst wurde der "Tenorissimo" Jahrzehnte lang rund um die Welt gefeiert. Für die Rolle des Nemorino in Donizettis "Liebestrank" bekam er 1988 in Berlin 115 Vorhänge.
Immer wieder glänzte er auch als Rudolf in Puccinis "La Bohème" - jener Rolle, mit der er am 29. April 1961 in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia sein Bühnendebüt gab.
Als Pavarotti 1964 am Covent Garden in London für den erkrankten Giuseppe di Stefano einsprang, begann seine Weltkarriere.
Zwei Jahre später gab er sein Debüt an der Mailänder Scala, ...
... 1968 an der New Yorker Met.
1993 lockte der Mann mit dem Vollbart und dem Frack eine halbe Million Fans in den New Yorker Central Park.
Weltberühmt wurde auch das Unternehmen "Die drei Tenöre" zusammen mit Placido Domingo und José Carreras.
Mit den gemeinsamen Auftritten taten sich ganz neue Dimensionen auf - vor allem finanziell.
1990 nutzte das Trio die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien für einen weltweit ausgestrahlten Auftritt.
Der Live-Mitschnitt sei mit mehr als zehn Millionen verkauften Platten und CDs der "größte Klassiker- Bestseller der Schallplattengeschichte", jubelten Branchenkenner anschließend.
Schon damals sang Pavarotti die Arie "Nessun Dorma" des Prinzen Kalaf - das Stück wurde zur Hymne der WM.
Dass Opern-Puristen über solche musikalischen Niederungen die Nase rümpften, störte Pavarotti überhaupt nicht. (Foto: Mit Tina Turner)
Ganz im Gegenteil: Bei seinen alljährlichen Benefiz-Konzerten "Pavarotti & Friends" (Foto: Mit Fürst Albert von Monaco) ...
... trat er in Modena unter anderem mit den Spice Girls, ...
... Stevie Wonder, ...
... James Brown, ...
... George Michael, ...
... Bono und U2, ...
.. Sting, ...
... Celine Dion, ...
... Anastacia, ...
... oder Elton John auf, der heute sagte, dass dies ein "trauriger Tag für die Musik und ein trauriger Tag für die Welt" sei.
Pavarotti hatte zusammen mit dem Popstar 1996 das Duett "Live Like Horses" gesungen.
Sowohl Pavarotti als auch John waren Freunde von Prinzessin Diana.
Pavarotti hatte bei der Beerdigung der Prinzessin am 6. September 1997 singen sollen, war aber durch den Tod zu aufgewühlt und sagte ab.
Seine weltweite Abschiedstournee "A Night to Remember", die ihn auch nach Deutschland führte, musste der Sänger wegen gesundheitlicher Probleme im Jahr 2005 unterbrechen.
"Den Tumor, den spürst Du in Dir drinnen", sagte er später über sein Leiden.
Aber dennoch war da noch jene "Speranza", Hoffnung, von der er so oft gesungen hatte: ...
"Ich bin optimistisch und werde es bis zum Tode sein", erklärte Pavarotti mit jenem mutigen Blick, den er seinen Opern-Helden so oft verliehen hatte.
Der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Tobias Richter, hat den Star-Tenor Luciano Pavarotti als Künstler mit einer Jahrhundertstimme gewürdigt.
"Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Operngesang als populäre, im besten Sinne volkstümliche Kunst von einem breiten Publikum wahrgenommen wurde", sagte Richter.
Der italienische Starregisseur Franco Zeffirelli (84) hat Luciano Pavarottis alle Musikgrenzen überschreitendes Talent gewürdigt: "Es gab Tenöre, und dann gab es Pavarotti. ... (Foto: Mit Angie Dickinson)
... Er liebte die Musik, und sein größter Verdienst war es, sie als ein Ganzes behandelt zu haben, vom lyrischen Fach über einfache Lieder bis hin zur Operette", sagte der Film-, Theater- und Opernregisseur. (Foto: Mit Catherine Zeta Jones)
Luciano Pavarotti war neben Maria Callas der kommerziell erfolgreichste Klassikstar aller Zeiten. Seine Mischung aus Oper, Pop und Geschäft wurde von Kritikern als "Pavarotti AG" geschmäht.
Das Schwergewicht im Musikmarkt verkaufte rund 100 Millionen Langspielplatten, CDs und Videos und erreichte damit als erster Klassikkünstler Verkaufserfolge wie im Popmusikgeschäft.
Ein Live-Mitschnitt von Pavarottis Auftritt zusammen mit Placido Domingo und José Carreras während der Fußball-WM in Italien 1990 wurde mit rund elf Millionen verkauften Platten und CDs der größte Klassik-Bestseller der Geschichte.
Pavarotti soll dafür nach Medienberichten mit 300.000 US-Dollar seine bis dahin höchste Gage erhalten haben. Angesichts des großen Erfolgs habe er aber 1,5 Millionen US-Dollar "Nachzahlung" erzwungen, hieß es.
Bei einem Auftritt der Tenöre in Los Angeles 1994 habe dann bereits jeder der drei Künstler zwei Millionen US-Dollar kassiert.
Um die Höhe seiner Einnahmen stritt Pavarotti wiederholt mit dem Finanzamt. Im Jahr 2001 sprach ihn ein Gericht in Italien frei - die Staatsanwaltschaft hatte eineinhalb Jahre Haft wegen der Hinterziehung von mehr als 20 Millionen Euro Steuern gefordert.
Dass Pavarotti, wenngleich nicht mit früherem Glanz, immer noch bis ins Alter singen konnte, war in Anbetracht der vieljährigen extremen Belastung seiner Stimme in rund 4.000 Konzerten fast schon ein Wunder.
Doch der Sänger selbst hat das Geheimnis verraten: Seit Beginn seiner Karriere singe er an zwei Tagen in der Mitte des Monats nie.
Sowohl am 12. wie am 14. jeden Monats schone er seine Stimme: "Darum konnte ich so lange singen."
Der massige Sänger musste immer wieder mit Gewichtsproblemen kämpfen: "Vor einem Teller Fettucine alla panna kann ich einfach nicht Nein sagen."
Die Körperfülle sowie ständige Rückenschmerzen hatten Auftritte Pavarottis oftmals zum Risiko werden lassen. Im Juni musste er ein Konzert in Mexiko wegen Kehlkopfentzündung absagen. (Foto: Mit Mariah Carey)
Kraft gab ihm immer wieder seine junge, zweite Frau Nicoletta und ihre gemeinsame Tochter Alice.
Dem kleinen Mädchen hat der Sänger zuletzt den Titelsong des Popalbums "Ti adoro" gewidmet.
Im Rückblick auf sein Leben und seine Karriere empfand Luciano Pavarotti sein Dasein als "einziges Highlight".
Der "Sänger der überschäumenden Lebens-, Liebes- und Lukulluslust" hat Millionen Freude geschenkt und viele Millionen dafür kassiert.
Der Glanz seiner Stimme wird auf vielen Tonträgern gewiss weiterleben. (Foto: Mit Gloria Estefan)
Doch nun trauern alle Musikfreunde in Italien und der Welt um einen begnadeten Sänger, der von seinem schweren Leiden erlöst wurde. (Foto: Seine Witwe nach einem Spaziergang am Morgen des 6. September)
Stimmen, die den Sänger nur in Zusammenhang mit "Oh Kohle mio" sehen, werden nun erst einmal ruhig sein und denen den Vortritt lassen, die einen Freund, Kollegen und Sänger vermissen.
Wie Placido Domingo: "Ich habe immer seine göttliche Stimme bewundert und auch seinen Sinn für Humor", so der "Drei Tenöre"-Sänger tief betroffen am Morgen des Todes.
Und das Gerede um die Geldgier entschärft er durch seine Aussage: "Bei unseren Konzerten mit Carreras habe ich manchmal fast vergessen, dass wir vor einem zahlenden Publikum auftraten, so viel Spaß haben wir dabei gehabt!"
Das Royal Opera House in London hat Luciano Pavarotti als einen der "besten Sänger unserer Zeit" gewürdigt, den "Millionen Menschen vermissen werden. Er war einer dieser seltenen Künstler, der das Leben der Menschen auf dem ganzen Globus berührte."
Er habe die Oper auch den Menschen näher gebracht, die sonst vielleicht nie der klassischen Musik begegnet wären. "Indem er das tat, machte er ihr Leben reicher. Das wird sein Erbe sein."
Na dann - "nessun dorma"! Niemand schlafe! Sondern höre! Irgendeine Pavarotti-CD haben Sie garantiert auch! (Fotos: soe/ap/ dpa)
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