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Aus dem kleinen ins große Gefängnis: Peking macht Ai Weiwei mundtot

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Nach zweieinhalb Monaten Gefängnis kann der prominente chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei erst einmal aufatmen. (Foto: REUTERS)

Nach zweieinhalb Monaten Gefängnis kann der prominente chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei erst einmal aufatmen.

Nach zweieinhalb Monaten Gefängnis kann der prominente chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei erst einmal aufatmen.

Er ist wieder auf freiem Fuß - ...

... wobei Freiheit ein höchst dehnbarer Begriff ist.

Er darf Peking nicht verlassen und keine Auskunft zu seinem Fall machen.

Die Behörden werfen ihm Steuerhinterziehung vor.

Nach Angaben eines befreundeten Anwalts soll er deshalb umgerechnet 1,3 Millionen Euro zahlen.

Umgerechnet 540.000 Euro Steuerschulden, sowie eine Strafe in Höhe von 760.000 Euro.

Menschenrechtler in aller Welt vermuten, dass Peking nur einen unbequemen Regimekritiker zum Schweigen bringen will.

Chinesische Sicherheitskräfte hatten den schillernden und unbequemen Konzeptkünstler am 3. April früh auf dem Flughafen in Peking verhaftet.

Wochenlang hören weder seine Frau noch Freunde etwas von ihm.

Der Sohn des Dichters und Malers Ai Quing ist den Behörden schon lange ein Dorn im Auge.

Durch seinen Vater, der zu 20 Jahren Verbannung verurteilt worden war, ...

... lernt er früh die unrühmlichen Seiten der Kulturrevolution kennen.

Seitdem, so resümiert er kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung", habe sich in China nicht viel verändert: ...

... "Das zugrunde liegende Prinzip ist immer noch dasselbe. Die Mächtigen wollen verhindern, dass kritische Stimmen gehört werden. ...

... Sie wollen sie vernichten....

... Nie wollen sie sich auf eine offene Diskussion einlassen."

Noch als Filmstudent in Peking Ende der 70er Jahre wehrt er sich mit der von ihm gegründeten Künstlergruppe "Sterne" gegen staatliche Bevormundung.

Von 1981 bis 1993 lebt er in den USA, kehrt dann aber wegen seines kranken Vaters in die Heimat zurück.

Während er in China nie ausstellen darf, ...

... wird er international immer bekannter.

Bei der Documenta 2007 in Kassel sorgt er mit der Kunstaktion "1001 Chinesen" für Aufsehen.

Fragen nach dem künstlerischen Wert interessieren ihn dabei nicht: ...

"Es ist nicht wichtig, ob es Kunst ist. ...

... Das Leben ist viel größer als die Kunst."

Bei der Documenta zeigt sich auch sein spezieller Sinn für Humor.

Als ein Sturm sein aus Resten von Abrisshäusern gebautes Kunstwerk "Template" zerstört, ...

... sagt er nur lakonisch: "So sieht es eigentlich besser aus."

Für die Olympischen Spiele ein Jahr später darf Ai sich immerhin an der Gestaltung des "Vogelnests", des Pekinger Olympiastadions, beteiligen.

Doch seitdem zieht Peking die Schrauben an.

Ai Weiwei, der sich nie den Mund verbieten ließ, wird mehr und mehr zu einer missliebigen Person.

Als er zu dem Erdbeben in Sichuan recherchiert, prügeln ihn Polizisten krankenhausreif.

Später wird er in Deutschland wegen einer Gehirnblutung operiert.

Im Herbst 2010 verkündet die Stadtverwaltung von Schanghai, dass Ai sein Studio auf eigene Kosten abzureißen habe.

Ai protestiert und lädt dennoch unverdrossen zu einer "Abrissparty" ein. 800 Personen kommen - nur der Künstler nicht.

Ihn haben die Behörden unter Hausarrest gestellt.

Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten chinesischen Autoren Liu Xiaobo in Oslo wächst die Nervosität des Regimes weiter.

Ai wird erstmals an der Ausreise gehindert, die Repressionen nehmen zu.

Seine Lage in China sei unsicher geworden, sagt er erst kurz vor seiner Verhaftung der "FAZ".

"Mein Atelier in Schanghai wurde zerstört, ...

... meine Solo-Schau in Peking wurde abgesagt. ...

... Ich kann hier nicht so viel tun."

Ai plant schon, in diesem Jahr ein großes Atelier in Berlin zu eröffnen - ...

... emigrieren will er dennoch nicht.

Es ist, als kann er nicht anders, als sich weiter an seiner Heimat zu reiben.

Schließlich, so Ai, müssten Künstler in Diktaturen immer auch politisch sein.

"Die Kunst dient dem Leben. ...

... Unser Leben ist politisch. ...

... Also ist auch die Kunst politisch", sagte er.

Was das in einem Land wie China in letzter Konsequenz heißt, ist Ai nur zu klar: ...

"In letzter Zeit stecken sie immer mehr Leute ins Gefängnis, nur weil sie etwas auf Twitter oder einem Blog im Internet schreiben", sagt er in seinem letzten Interview vor der Verhaftung der "Süddeutschen Zeitung".

"Ihr Telefon wird stillgelegt, ...

... sie werden beschattet, ihre Wohnungen werden durchsucht. ...

Die Polizei bricht mitten in der Nacht bei dir ein, durchwühlt dein Haus - ...

... und dann fabrizieren sie Beweise gegen dich für ihre Gerichte. ...

... Sie verurteilen unschuldige Leute zu zehn Jahren Haft."

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