Bilderserie
Samstag, 29. August 2015

Flugschau mit Putin und "fliegender Axt": Russland lässt die Flieger kreisen

Von Martin Morcinek

Bild 1 von 50
Vor den Toren der russischen Hauptstadt donnern rauchspeiende Kampfjets durch die Wolken. Brandneue Ziviljets ziehen ohne Passagiere an Bord scheinbar sinnlos wilde Kreise. (Foto: imago/ITAR-TASS)

Vor den Toren der russischen Hauptstadt donnern rauchspeiende Kampfjets durch die Wolken. Brandneue Ziviljets ziehen ohne Passagiere an Bord scheinbar sinnlos wilde Kreise.

Vor den Toren der russischen Hauptstadt donnern rauchspeiende Kampfjets durch die Wolken. Brandneue Ziviljets ziehen ohne Passagiere an Bord scheinbar sinnlos wilde Kreise.

Der Grund? Russland lädt zur großen Flugschau: Der Internationale Luft- und Raumfahrtsalon MAKS bei Moskau ist die russische Antwort auf Farnborough, Le Bourget und die Berliner ILA.

Flugzeugbau ist in Russland Chefsache: Die Eröffnungsrede hält Kreml-Chef Wladimir Putin persönlich. Für die russische Luft- und Raumfahrtindustrie ist die MAKS das wichtigste Aushängeschild.

Die russische Rüstungsindustrie hofft auf milliardenschwere Exportaufträge: Auf dem Ausstellungsgelände des früher streng abgeschirmten Militärstützpunkts Schukowski sind alle großen Hersteller des Landes mit Neuheiten, Verkaufsschlagern und bewährten Aushängeschildern wie etwa dieser Suchoi Su-27 vertreten.

Wie ihre großen Vorbilder in Großbritannien, Frankreich und Deutschland findet die Messe nur alle zwei Jahre statt. Bis Sonntag noch können sich Flugzeugfans im Südosten der russischen Hauptstadt unter Militärs, Testpiloten und Industrievertreter mischen.

Show-Vorführungen mit Kunstflugstaffeln umrahmen die Veranstaltung wie bei den Schwestermessen des Westens. (Im Bild eine Staffel Su-27 der russischen Flugakrobaten Russkije Witjasi.)

Stargast des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist ein einflussreicher Gast aus dem Golfemirat Abu Dhabi. Gemeinsam mit dem Kremlchef verfolgt Kronprinz Scheich Mohammed bin Said al-Nahjan (im Hintergrund) eine Vorführung mit Kampfhubschraubern und Militärflugzeugen, die am russischen Sommerhimmel ihre Bahnen ziehen.

Mit aller Macht sucht Russland nach neuen Partnern: Mit der Leistungsschau der russischen Industrie will der Kreml auch den westlichen Sanktionen im Ukraine-Konflikt trotzen.

Voller Zuversicht lässt sich Putin bei seinem Eröffnungsrundgang im Messepavillion der "Jungen Designer" neueste Errungenschaften der russischen Ingenieurskunst vorführen - hier in Form einer "fliegenden Axt" (ein flugfähiges Leichtbaumodell, das inklusive Antrieb nur zwei Kilo wiegt).

Draußen ziehen unterdessen lautstarke Kriegsmaschinen alle Aufmerksamkeit auf sich: Der russische Flugzeugbauer Jakolew stellt mit der Jak-130 eine überarbeitete Version seines leichten Erdkampfflugzeugs vor.

"Ich bin überzeugt, dass die MAKS unabhängig von der aktuellen internationalen politischen Konjunktur ein effektives Forum für den Austausch unter Experten sein wird", sagt Putin der Agentur Interfax zufolge.

Russland solle künftig auch seine zivile Luftfahrttechnik aktiver auf den Markt bringen, betont der Staatschef.

Die Produktion der russischen Flugzeug- und Helikopterschmieden sei 2014, so Putin, um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Bei der Messe auf dem Flugfeld vor den Toren Moskaus zeigen neben fast 600 russischen Herstellern auch rund 150 Firmen aus etwa 30 anderen Ländern neueste zivile und militärische Technik.

Wegen der Spannungen mit dem Westen seien zwar weniger westeuropäische Unternehmen vertreten, heißt es aus Moskau.

Trotzdem sind beinahe alle namhaften Konzerne auf der MAKS mehr oder weniger prominent vertreten: Boeing aus den USA ist ebenso vor Ort wie Airbus aus Europa - sowie auch einige deutsche Luftfahrtunternehmen.

Der Flugzeugbauer Airbus führt in Moskau sein neuestes Langstreckenmodell, die A350, vor.

Überhaupt gibt sich Messe betont international, auch in der Beflaggung: Zwischen historischen Oldtimern und neuesten Helikopter-Modellen knüpfen auch ILA-Mitarbeiter aus Berlin neue Kontakte.

Ebenso in Moskau dabei ist die MTU-Tochter MTU Maintenance und die Lufthansa Technik-Sparte, die auf Wartungs- und Reparaturaufträge hoffen darf. (Im Bild ein alter US-Transportflieger vom Typ Douglas DC-3.)

Auf der Liste der Aussteller tauchen international bekannte Namen wie Bombardier, Beechcraft, Honeywell und die Triebwerkshersteller Pratt & Whitney und Rolls-Royce auf.

Aus Frankreich kommen Schwergewichte wie Dassault, Safran oder Thales.

Die große Masse der Stände setzt sich allerdings aus Vertretern russischer Hersteller und Zulieferer zusammen.

Die Spannungen mit dem Westen überschatten die gesamte Veranstaltung - obwohl sich Unternehmer auf beiden Seiten um Kooperation und gute Geschäftsverhältnisse bemühen. (Im Bild ein Mehrzweckkampflugzeug vom Typ Mig-35 samt "entschärfter" Übungszuladung.)

Für die Zusammenarbeit in der Raumfahrt findet der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Johann-Dietrich Wörner (nicht im Bild) ausdrücklich lobende Worte - trotz des schwierigen politischen Klimas.

Die russischen Kollegen seien allerdings besorgt, ob die Kooperation mit den Europäern durch die Sanktionen gefährdet sei, betonte Wörner in einem Vorabgespräch zu den Erwartungen an die Moskauer Messe.

Die Raumfahrt, sagte Wörner, müsse gezielt aus dem Konflikt herausgehalten werden. "Wir brauchen Themen, um die Krise zu überbrücken."

Russland steckt seit Monaten in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Industrie leidet nicht nur unter dem Druck westlicher Strafmaßnahmen, sondern insbesondere auch unter dem dramatisch gefallenen Ölpreis und dem daraus resultierenden Rubelverfall.

Präsident Putin, hier am Rande der MAKS im Gespräch mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu, könnte vorzeigbare Erfolge für die russische Wirtschaft mittlerweile sehr gut gebrauchen.

Russlands Staatskonzerne erwarten wie in den Vorjahren bedeutende Geschäftsabschlüsse - diesmal jedoch unter erschwerten Bedingungen.

Weil der Westen sich dem Handel mit Russland verschließt, muss sich der Kreml-Chef nach neuen Partnern umsehen.

Mögliche Abnehmer für die Produkte der russischen Rüstungs- und Luftfahrtindustrie sucht Putin in der Golfregion: ...

Neben dem Kronprinzen al-Nahjan (im Bild) aus den Emiraten will sich Putin dem Vernehmen nach am Rande der Messe auch mit dem jordanischen König Abdullah II. treffen.

Die Wüstenmonarchie ist angeblich nicht nur an den neuesten Kampffliegern interessiert. (Im Bild eine Suchoi Su-30.)

Jordanien könnte theoretisch auch Passagiermaschinen vom Typ Superjet-100 (Archivbild) kaufen.

Der Superjet 100 von Suchoi ist immer noch der große Hoffnungsträger der zivilen russischen Luftfahrt - auch wenn der Verkauf bislang mehr als schleppend verläuft.

Immerhin ist der Superjet das erste in Russland gebaute Passagierflugzeugmodell seit dem Ende der Sowjetunion.

Das Prestigeprojekt Superjet leidet schwer unter dem Ukraine-Konflikt und den Zwangsmaßnahmen des Westens - zahlreiche westliche Zulieferer sind am Bau beteiligt. (Im Bild ein AWACS-Flugzeug vom Typ A-50.)

Vor den Kuppeln einer orthodoxen Kirche geben unterdessen die spektakulären Flugmanöver der A350 von Airbus ein gutes Bild für den europäischen Flugzeugbau ab.

In den Messehallen setzt sich Russlands Präsident persönlich für den Aufbau der zivilen Luftfahrtindustrie ein: Ein geeigneter Abnehmer für den Superjet 100 wäre - aus russischer Sicht - Scheich al-Nahjan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Für den Kreml und die russische Wirtschaft wäre ein Großauftrag vom Golf - wo mit Etihad und Emirates gleich zwei große Fluggesellschaften sitzen - ein spektakulärer Durchbruch im heiß umkämpften Flugzeugmarkt.

Der große Verkaufserfolg bleibt auf der MAKS für den Superjet offenbar aus. Der Absatz kommt einfach nicht in die Gänge. Immerhin kann Präsident Putin auf der MAKS seine Kontakte in andere Staaten pflegen und ausbauen.

Aus dem Iran ist Vizepräsident für Wissenschaft und Technologie Sorena Sattari (im Bild rechts neben Putin) angereist, um sich einen Eindruck vom russischen Angebot zu verschaffen.

Teheran ist an russischen Luftabwehrraketen vom Typ S-300 (nicht im Bild) interessiert. Die Lieferung in das religiös geführte Land ist international umstritten. Unklar ist noch, ob das Geschäft überhaupt zustande kommt.

Der Iran stellt nicht die einzige ausländische Delegation.

Hier nimmt ein Abgesandter aus Saudi-Arabien einen russischen Transporthubschrauber vom Typ Mi-38 in Augenschein.

Der Andrang aus dem Ausland hält sich ansonsten offenbar in Grenzen: ...

Putin bleibt ausreichend Zeit, um mit dem vergleichsweise wenig finanzstarken Präsidenten Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow (2. v. l.), über das Ausstellungsgelände zu spazieren.

Vor zwei Jahren, bei der MAKS 2013, wurden bei Moskau noch Verträge im Wert von insgesamt rund 19 Milliarden Euro abgeschlossen.

In Anbetracht der angespannten politischen Lage ist fraglich, ob die Veranstalter der MAKS 2015 diesmal auf eine ähnliche Summe kommen.

Beim russischen Publikum kommt die Flugschau dagegen recht gut an: Bis zum kommenden Sonntag werden auf dem Flugfeld bei Moskau rund 400.000 Messebesucher erwartet.

weitere Bilderserien