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Dienstag, 08. Juni 2010

Milliardär und Karstadt-Retter: Wer ist Mr. Berggruen?

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Das Hoffen und Bangen bei Karstadt hat nun endlich ein Ende: Nach wochenlangen Verhandlungen hinter den Kulissen ... (Foto: REUTERS)

Das Hoffen und Bangen bei Karstadt hat nun endlich ein Ende: Nach wochenlangen Verhandlungen hinter den Kulissen ...

Das Hoffen und Bangen bei Karstadt hat nun endlich ein Ende: Nach wochenlangen Verhandlungen hinter den Kulissen ...

... können die Karstadt-Retter um Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Durchbruch bekanntgeben.

Die Lösung sieht - so bestätigen sich Beobachter hinter vorgehaltener Hand - bemerkenswert gut aus.

Im wochenlangen Verhandlungspoker kann sich Investor Nicolas Berggruen schließlich durchsetzen.

Nach der grundsätzlichen Einigung mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet, dem der Großteil der Karstadt-Warenhäuser gehört, ...

... kann Berggruen rechtzeitig alle Gläubiger zur Unterschrift unter dem neuen Mietvertrag bewegen.

Die Karstadt-Beschäftigten atmen auf: Der Weg für eine Rettung der insolventen Warenhauskette ist frei. Karstadt bekommt eine zweite Chance.

Nach einer hochdramatischen Zitterpartie mit vielen Rückschlägen, Gerüchten und obskuren Interessenten geht Karstadt endgültig an den deutsch-amerikanischen Investor.

Deutschland staunt: Investoren und Firmenkäufer hat man sich schon ganz anders vorgestellt.

Von nun an liegt das Schicksal von rund 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 120 Karstadt-Standorten in seinen Händen.

Mit der Entscheidung für den Privatinvestor Nicolas Berggruen hat der Warenhauskonzern wieder eine Perspektive für die Zukunft. Die Zerschlagung ist vom Tisch.

Wer ist dieser Mann, mit dem selbst Arbeitsministerin Ursula von der Leyen offensichtlich gerne Rolltreppe fährt?

Nicolas Berggruen, Sohn eines Kunstsammlers und Mäzens, investiert weltweit in Immobilien und andere Branchen wie etwa erneuerbare Energien - und legt dabei eigenen Angaben zufolge Wert auf langfristige Engagements.

Sein Vater, Heinz Berggruen, stammt aus dem Berliner Stadtteil Wilmersdorf. Der studierte Germanist und ausgebildete Journalist kehrt dem nationalsozialistischen Deutschland 1939 den Rücken.

Nach dem Krieg kehrt Heinz Bergruen nach Europa zurück. Im Jahr 2000 übergibt er eine Sammlung von 165 Gemälden - darunter Werke von Paul Klee und Pablo Picasso - an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die herausragende Sammlung ist damit der Öffentlichkeit frei zugänglich: Die Werke hängen im Museum Berggruen in Berlin. Anlässlich einer Erweiterung kommen dort auch die Kinder des Mäzens für dieses Bild zusammen, von links nach rechts: Nicolas, John, Helen und Oliver Berggruen.

2007 stirbt Heinz Berggruen im Alter von 93 Jahren in Paris. Begraben ist er in seiner Heimatstadt Berlin.

Mit dem Namen des Kunstförderers verbinden die Berliner nicht nur das Museum Berggruen (Archivbild): Im Stadtteil Charlottenburg trägt seit 2008 auch ein Gymnasium den Namen Heinz Berggruen.

Mit seinem Leben und seinem Vermögen schafft Heinz Berggruen (Bild) postum die Grundlage zur Rettung des Traditionshauses Karstadt.

Nicolas Bergruen war und ist der erklärte Favorit der Arbeitnehmerseite. Die Warenhauskette sei "eine alte Dame", sagt Berggruen. Er wolle Karstadt "erneuern, interessanter machen".

"Karstadt gehört den Kunden, das ist das Wichtigste", stellt der künftige Eigentümer fest. "Ich hoffe, dass mehr kommen, mehr kaufen, glücklich sind."

Für dieses Vorhaben hat sich Berggruen als industriellen Partner den Modedesigner und weltweit aktiven Textilunternehmer Max Azria (links) ins Boot geholt.

Und, wichtigster Punkt für die Gewerkschafter: Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern verlangt er keine Zugeständnisse von den Mitarbeitern, sondern von den Vermietern.

Verdi spricht nach dem Zuschlag für das Berggruen-Konzept dann auch von einem "guten Tag für Karstadt". Berggruen biete dem Konzern gute Perspektiven.

Ohne Probleme wird es jedoch nicht abgehen: Der wichtigste Karstadt-Vermieter, das Konsortium Highstreet um die US-Großbank Goldman Sachs, scheint nicht zu Konzessionen bei den Mieten bereit.

Highstreet hält einen Großteil der Warenhäuser. In seiner Zeit als Arcandor-Chef hatte Thomas Middelhoff die wertvollen Immobilien verkauft.

Seitdem muss Karstadt quasi im eigenen Haus recht hohe Mieten zahlen. An dieser stelle setzte Berggruen den Hebel an. Die Mietkosten für Karstadt sollen sinken, forderte er. Doch so einfach war das nicht.

"Wir bleiben unverändert bei den Konditionen unseres Angebots", betonte ein Highstreet-Sprecher nach der Entscheidung für Berggruen. Das Konsortium hätte Karstadt am liebsten selbst übernommen.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg kennt die Zahlen und weiß es damit am besten: Auch mit Berggruen wird es Karstadt nicht leicht haben.

Dennoch tritt Görg nach der Entscheidung Anfang Juni sichtlich erleichtert an Berggruens Seite vor die Presse.

Der Insolvenzverwalter bezeichnet die Entscheidung der Gläubiger einen wesentlichen Schritt zur Sanierung des Traditionskonzerns.

Nun komme es allerdings darauf an, die Kunden in die Warenhäuser zu bringen, gibt Görg zu bedenken.

Der Vertrag mit Berggruen sollte so schnell wie möglich unterzeichnet werden. Mit den Unterschriften der Vermieter und der Zustimmung des Amtsgerichts kann er jetzt rechtsverbindlich werden.

Für Karstadt drängt die Zeit. Wie im Handel üblich, müssen die Bestellungen für das Wintergeschäft mit mehreren Monaten Vorlauf raus.

Gibt es weitere Verzögerungen, drohen Lücken in den Regalen. Auch deshalb, betont Görg, sei es vor allem um "zügig stabile Rahmenbedingungen für alle Beteiligten, insbesondere für die Lieferanten" gegangen.

Trotzdem muss Berggruen wohl weiter mit Highstreet um die Mieten pokern. Dabei verfügt er allerdings nicht nur über Rückhalt in der Belegschaft, sondern auch über ausreichend Kleingeld.

Das US-Magazin Forbes schätzt das Vermögen des 49-Jährigen auf rund 1,8 Mrd. US-Dollar. In der 2009er Liste der Reichsten der Reichen liegt Nicolas Berggruen auf Platz 397.

Auch mit Sanierungen kennt sich der potente Investor aus: Ende 2007 hatte Berggruen wesentliche Teile des in die Insolvenz gegangenen Möbelherstellers Schieder aus Westfalen übernommen und fortgeführt.

Im kommenden Jahr will Berggruen bereits gemeinsam mit den Beschäftigten das 130-jährige Karstadt-Jubiläum feiern. Bis dahin ist es noch ein langer Weg mit vielen Hindernissen.

Und im Hintergrund wartet der Dax-Konzern Metro auf eine Gelegenheit, Teile von Karstadt mit der eigenen Warenhauskette Galeria Kaufhof in eine gemeinsame Tüte zu packen.

Für den neuen Mann bei Karstadt gibt es viel Arbeit.

Ebenso wie für seine 25.000-köpfige Mitarbeiterschar: Nach den Gläubigern müssen die Karstädter ihre Kundschaft überzeugen.

Auch mit Berggruens Einstieg steht Karstadt nach Einschätzung von Branchenkenners eine ungewisse Zukunft bevor.

Das Kaufhaus-Konzept für Innenstädte gilt als überholt, für die gesamte Warenhaus-Branche rechnen Experten in den kommenden Jahren allenfalls mit einer Stagnation

Entscheidend dürfte daher Berggruens Maßnahmen zur Neuausrichtung der Kette sein.

Nach der monatelangen Zitterpartie gibt es an den Kassen, in den Pausenräumen und über den Wühltischen einiges zu besprechen. Wer ist dieser unverheiratete Milliardär, der Karstadt retten will?

Eine weitere, etwas eigentümliche Frage lautet: Wem sieht Nicolas Berggruen denn nun eigentlich ähnlicher?

Hat er tatsächlich Ähnlichkeiten mit Robert Redford?

Der Mund, vielleicht?

Oder sieht er doch eher aus wie Sherlock-Holmes-Darsteller Robert Downey jr.?

Ein bisschen, vielleicht?

Insolvenzverwalter Görg wird sich mit solchen Fragen nicht befassen. Für ihn ist es egal, ob Berggruen tatsächlich weder Eigenheim noch Auto besitzt, wie es in Berichten über ihn heißt, und ob er wirklich nur in Hotels lebt.

Nach dem Aus der anderen großen Arcandor-Handelstochter Quelle im vergangenen Jahr hatte Görg alles daran gesetzt, wenigstens die Karstadt-Rettung in trockene Tücher zu packen.

Seine Bedingung: Karstadt soll als Ganzes erhalten bleiben. Einer Übernahme lediglich von Teilen der Warenhauskette, wie sie der Düsseldorfer Metro-Konzern und andere Interessenten ins Spiel gebracht hatte, lehnte Görg kategorisch ab.

Nach dem endgültigen Durchbruch gibt sich Investor Berggruen optimistisch: "Karstadt steht", sagt er vor Mitarbeitern, Helfern und Journalisten.

"Karstadt wird jetzt, glaube ich, ein sehr aufregendes Leben haben", kündigt Berggruen an. "Ich bin persönlich glücklich, dass ich dabei bin."

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht eine gute Überlebenschance für den Konzern. "Karstadt ist zwar noch nicht überm Berg", sagt sie. Aber es gebe eine realistische Chance dafür, dass das Unternehmen erfolgreich arbeiten werde.

Nicht schaden kann es da, dass Mr. Berggruen über gute Kontakte in alle Richtungen verfügt.

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