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Liberté, Égalité, Fraternité!: 50 Jahre Renault 4: Kult in kantiger Kastenoptik

 
Liberté, Égalité, Fraternité!: 50 Jahre Renault 4: Kult in kantiger Kastenoptik

Frankfurt, 21. September 1961: Die Autowelt pilgert zur IAA. Und ausgerechnet in dem Land, in dem Kompaktklasse mit Käfer übersetzt wird, fährt Renault mit einem ungewöhnlichen Kleinwagen ins Rampenlicht. É Voilà, Weltpremiere: Der Renault 4 ist da!

Bereits 1958 fällt - nach mehreren Vorkonzeptionen - die Entscheidung bei Renault für das Projekt "112", wie es damals offiziell heißt, oder "Marie Chantale" wie es die Konstrukteure liebevoll nennen. Nach der Fachpresse bekommt nun auch die breite Öffentlichkeit den R4 zu Gesicht. Sein auffälligstes äußeres Markenzeichen ist die kantige Karosserieform.

Ihre Schnörkellosigkeit steht im krassen Gegensatz zu den abgerundeten Formen der Konkurrenten VW Käfer und Citroën 2CV ("Ente").

Hochbeinig (1,55 Meter) kommt er daher - basierend auf Plattformstrategie und Baukastenprinzip - mit …

… Einzelradaufhängung. Er …

… ist ein Fronttriebler, der erste seiner Art bei Renault.

3,66 Meter misst er in der Länge, …

… bietet fünf Personen Platz und …

… hat vier Türen, …

… Schiebefenster sowie ein steiles Schrägheck mitsamt einer unwahrscheinlich großen Klappe am Heck, in dem …

… sich ein außergewöhnliche geräumiges Gepäckabteil befindet.

Der Platz im R4 ist zudem variabel gestaltbar: Als erstes Serienauto der Welt besitzt er …

… eine umklapp- und herausnehmbare Rücksitzbank.

Der Clou ist aber im vorderen Innenraum des Wagens zu finden und …

… heißt Revolverschaltung - der Gangwechsel wird mittels einer Stange, die wie ein Pistolengriff aus dem Armaturenbrett ragt, auf den Antriebsstrang übertragen. Der Vorteil ist sofort ersichtlich: …

… Diese ungewöhnliche Schaltung ermöglicht einen vollkommen ebenen Wagenboden. Ein Durchrutschen vom Fahrer- zum Beifahrersitz oder umgekehrt ist problemlos möglich und vor allem bei engen Parklücken ein nützlicher Vorteil.

Dennoch ist der R4 bei Frauen zu Beginn seiner Karriere nicht beliebt. Das ändert sich aber schlagartig, als Renault mit der Frauenzeitschrift "Elle" den "La Parisienne" kreiert, dessen hervorstechendstes Merkmal üppig dekorierte Karosserieflanken sind.

Von da an ist der R4 auch bei der holden Weiblichkeit ein Renner und besteht selbst im Konkurrenzkampf mit dem Mini.

Die Deutschen brauchen noch länger, um den kleinen Franzosen in ihr Herz zu schließen. Erst …

… Ende der 1960er Jahre entdeckt die Jugend den Wagen. Er wird …

… für sie eines der Symbole der "68er Revolution", ihres Aufbegehrens gegen das Establishment.

Der R4 wird zum Studentenauto, …

… zur Liebesschaukel junger Paare und …

… später sogar zum Familienauto. Mit einem Einstiegspreis von nicht einmal 4000 Mark ist er für jeden erschwinglich und …

… auch bei Handwerkern sehr beliebt.

Insgesamt bringt Renault in Deutschland in 27 Verkaufsjahren mehr als 900.000 R4 an die Frau ...

... oder den Mann.

Weltweit sind es sogar in 31 Jahren mehr als 8 Millionen Fahrzeuge der R4-Modellreihe. Reihe deshalb, weil …

… das R4-Modellsortiment stetig erweitert und aufgestockt wird.

Es gibt beispielsweise den Kastenwagen Fourgonnette, …

… einen Rallye-tauglichen Allrad-Ableger …

… "Sinpar 4x4", …

… das Spaß- und Strandmobil "Plein Air" mit …

… Faltdeck oder auch die …

… "Rodeo"-Variante, ebenfalls für Open-Air-Buggy-Freaks, aber mit einem stärkeren Motor versehen.

Die Motorisierung reicht vom 23 PS starken, wassergekühlten Reihen-Vierzylinder mit 0,75 Litern Hubraum bis zum …

… 34 PS-"Boliden", der Spitzengeschwindigkeiten von 120 Kilometern je Stunde erlaubt.

1992 rollt der letzte R4 vom Band. In Deutschland verabschieden sich die Franzosen sinnigerweise mit dem Sondermodell "Salü". Der letzte hierzulande verkaufte R4 (ein GTL) geht an Günther Jauch, der diesen Wagen noch heute besitzt.

An eine Neuauflage des R4 wagt ...

... sich Renault - im Gegensatz beispielsweise zu VW und dem New Beetle - aber ...

… bis heute nicht heran. Mit dem "Kangoo" soll der Geist des R4 als praktischer Lastenträger laut Renault aber weiterleben. Der Geist mag dabei willig sein, ...

... allein, es fehlt an der Aura. Ein R4 ist ...

... und bleibt eben ...

... ein R4.

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