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Mittwoch, 05. Januar 2011

VW T5 Multivan 4Motion: Bulli-Spaß auf allen Vieren

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Ein Freund, ein guter Freund: In der fünften Generation fährt der Bulli aus Wolfsburg vor. Er ist zwar noch nie ein Designwunder gewesen, aber trotz der nur zarten Renovierung hat er einen etwas flotteren Auftritt bekommen. (Foto: Markus Mechnich)

Ein Freund, ein guter Freund: In der fünften Generation fährt der Bulli aus Wolfsburg vor. Er ist zwar noch nie ein Designwunder gewesen, aber trotz der nur zarten Renovierung hat er einen etwas flotteren Auftritt bekommen.

Ein Freund, ein guter Freund: In der fünften Generation fährt der Bulli aus Wolfsburg vor. Er ist zwar noch nie ein Designwunder gewesen, aber trotz der nur zarten Renovierung hat er einen etwas flotteren Auftritt bekommen.

Als Kleinbus oder großer Van hat er sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Allerdings ist er das einzige Auto seines Segments, das einen Allradantrieb anbietet.

Allradantrieb? Hört sich gut an. Also haben wir die Sachen gepackt ...

... und sind nach Schweden gefahren, um den Allrad-Bulli zu testen.

Bis zur Fähre geht es schon gemütlich zu, auf den schwedischen Landstraßen wird es allerdings richtig ruhig. Höchsttempo 110 auf der Autobahn und 90 auf der Landstraße - da ist cruisen angesagt.

Immerhin entschädigt die schöne Landschaft ...

... und versüßt jede Rast. Der Stressfaktor liegt allerdings recht niedrig, denn der T5 ist ein sehr kommodes Reisemobil.

Nach schier endlosen rund 300 schwedischen Autobahn- und Landstraßen-Kilometern sind wir angekommen.

Einen Durchschnittsverbrauch von 9,7 Litern messen wir nach insgesamt rund 600 Kilometern.

Auf den langsameren Passagen zeigt der Bordcomputer zwischenzeitlich einen Konsum von 9,3 Litern an.

Das liegt zwar über dem Normverbrauch von 8,8 Litern, ist aber nahe dran.

Zumal wir dem Bulli schon einiges an Gewicht aufgeladen haben.

Fünf Personen plus volles Gepäck bis unter das Dach - dafür ist der Verbrauch sehr ordentlich.

Vom Äußeren her unterscheidet sich der VW T5 Multivan mit Allrad kaum erkennbar von seinen rein frontgetriebenen Brüdern.

Ein kleines Schild mit der Bezeichnung "4Motion" kennzeichnet den Allrader unter den Bullis.

Ansonsten ist unser T5 ganz Multivan. Außen unauffällig, ...

... innen geräumig ...

... und vor allem sehr praktisch.

Auf dem Fahrerarbeitsplatz gibt es auch nach 600 Kilometern keine körperlichen Beschwerden. Durch die aufrechte Sitzposition erlahmt weder der Gasfuß noch die Rückenmuskulatur. Die Anordnung der Instrumente und Bedienelemente ist einwandfrei.

Seine wahren Stärken spielt der Multivan jedoch im großzügigen Fond aus. Ein ausziehbarer Tisch, eine horizontal verschiebbare Dreierreihe und jede Menge Stauraum.

Den Passagieren gefällt es so jedenfalls auch auf den hinteren Plätzen. Kraftsparend sind die elektrischen Schiebetüren auf beiden Seiten, die sich auch vom Cockpit aus bedienen lassen.

Praktisch: Sehr findig sind die Boxen unter der Sitzreihe. Allerdings kosten die 57 Euro extra.

Ebenso nett sind die beiden drehbaren Einzelsitze. Der Ausbau wird allerdings zum Kraftakt, denn sie bringen ein beachtliches Gewicht auf die Waage. Durch die Schienen auf dem Boden ist alles Mobiliar im Fond horizontal verschiebbar.

Variabler geht es kaum. Der Innenraum des T5 lässt sich frei konfigurieren. In der Ausstattungslinie "Highline" gibt es dafür serienmäßig einen Leder-Alcantara-Mix auf den Sitzplätzen. Das wirkt sehr edel.

Räder mit Leichtmetallfelgen in der Dimension 17 Zoll sind Serie. 18-Zöller können als Sonderausstattung bestellt werden.

Schön, dass die neueren Generationen von Volkswagens Bulli auf beiden Seiten Schiebetüren mitbringen. Das macht die Beladung und den Zustieg deutlich einfacher.

Aber, wie bereits erwähnt, ist unser VW T5 Multivan mit einem Allradantrieb ausgestattet. Und auf diesen sind wir natürlich besonders gespannt.

Also entern wir die schwedischen Wälder für einen Ausritt.

Der vierrädrige Antrieb ist mit einer neuen Lamellenkupplung ausgestattet. Sie ersetzt die bisher verwendete Haldexkupplung.

Damit sind flüssigere Gangwechsel unter Volllast möglich.

Auf den Schotterpisten macht der Allrad-Bulli schon mal eine gute Figur.

Auch bei flotterer Kurvenfahrt ist der T5 nicht aus der Ruhe zu bringen.

Beruhigend greift das ESP ein, wenn doch mal ein Rad durchdreht. So haben wir keinerlei Probleme auf den Feldwegen Südschwedens.

Und trauen uns sogar einen Galopp zu.

Allerdings heißt es aufpassen, denn es verstecken sich immer wieder Findlinge auf der Strecke. Bei einer Bodenfreiheit von 16,7 Zentimetern ist mit denen nicht zu spaßen.

Er ist eben kein Gefährt für die Schlammwüsten oder richtig wildes Terrain. Dazu ist der VW T5 4Motion zu groß und zu schwer.

Aber den Schlechtwegetest hat er dennoch mit "sehr gut" bestanden.

Auch dank des kräftigen Diesels unter der Haube.

Der selbstzündende Vierzylinder ist die Krone der Motorisierungen beim T5.

180 PS stemmt er auf die Kurbelwelle. Das ist zwar bedeutend weniger als bei diesem gelben Kontrahenten hier, aber mehr als ausreichend.

Um diese Kraft zu erzeugen, wird der Motor von zwei Turboladern beatmet.

Das erzeugte Drehmoment liegt bei beachtlichen 400 Newtonmetern, die schon ab 1500 Umdrehungen anliegen.

Damit zieht er aus niedrigen Drehzahlen mächtig nach vorne. Gut, für den Dicken hier reicht es nicht, aber für gut drei Tonnen zulässiges Gesamtgewicht schon.

So viel Kraft will auch mal ausgefahren werden. Deshalb verlassen wir die schlechten Feldwege und entern die Landstraße.

Nicht, dass wir den Bulli hier an die Grenzen bringen könnten. Aber zumindest kann er etwas von seiner Dynamik zeigen.

Und schließlich ist das Fahrwerk auch ein Thema. Denn bisher ließ sich der Bulli fahren wie ein Pkw.

Dank des starken Motors und der straffen Abstimmung sind dem Auto die rund zwei Tonnen Leergewicht nicht anzumerken.

Der hohe Aufbau macht sich aber in engen Kurven dann schon etwas bemerkbar. Die Karosserie neigt zum Aufschaukeln, wenn es eng wird.

Und das Heck wird damit etwas unruhig. Allerdings regelt der gut abgestimmte Schleuderschutz ESP alles ordentlich weg. Und nicht zuletzt stabilisiert das Allradsystem hier erheblich mit.

So bietet der T5 mit Allrad auch bei flotter Fahrt über die Landstraße so gut wie keine bösen Überraschungen.

Nach dem kleinen Ausritt passen wir uns wieder der schwedischen Fahrkultur an und schweben gemütlich über die Landstraßen. Hilfreich ist der fein abgestimmte Tempomat.

Der kommt zwar noch ohne Abstandsregelung daher, aber er verrichtet dennoch einwandfrei seinen Dienst.

Ansonsten ist der T5 aber nicht übersät mit Fahrerassistenzsystemen wie manch andere Autos.

Dabei gibt es Dinge, die sicher nicht vermisst werden, ein Totwinkelassistent zum Beispiel.

Ein Müdigkeitswarnsystem wäre auf den gefühlt endlosen Straßen Südschwedens keine schlechte Idee gewesen. Andererseits funktionieren die lebenden Warnsysteme auf der Rückbank weitaus effektiver.

Den Einparkassistenten lernt man schnell schätzen. In unserem Testwagen war er mit Kamera installiert, aber akustisch genügt das sicher auch.

Auf der anderen Seite ist das Auto noch erfreulich natürlich und gerade eben nicht zugestopft mit Elektronik. Dort, wo sie Sinn macht, wird sie eingesetzt.

Die elektrischen Schiebetüren beispielsweise mag man schnell.

Und wünscht sich manchmal die riesige Heckklappe auch elektrifiziert. Obwohl die Pneumatik gut funktioniert.

Von den Abmessungen her hat sich mit dem Facelift im vergangenen Jahr nichts getan. Das Auto ist 4,89 Meter lang, 1,90 breit und 1,97 Meter hoch. Maße, die gerade noch den Besuch im Standard-Parkhaus erlauben.

Die Abmessungen bringen ihre Vorteile beim Ladevolumen. Im Normalfall sind es 664 Liter. Durch die horizontal verschiebbare Rückbank ist das aber schon variabel.

Im Notfall können aber sogar alle Sitze im Fond herausgenommen werden. Dann entsteht ein Ladevolumen von gigantischen 4525 Litern.

Damit fährt der Bulli der gesamten Konkurrenz davon. Mehr Nutzraum bieten nur echte Transporter, die dann aber nicht mehr als parkhausfähig und Familienkutsche durchgehen.

So hat der Bulli im Prinzip immer noch seine Nische, in der es relativ wenig Konkurrenz gibt.

Und dort setzt er die Standards wie kein andereres Auto.

Leider auch beim Preis, was uns zum unangenehmen Teil führt.

Denn der VW T5 Multivan 4Motion ist alles andere als ein Schnäppchen.

Schon der Grundpreis der günstigsten Allradvariante liegt bei 53.198 Euro.

In der netten Ausstattung Highline, die unser Testwagen hatte, kommt er auf einen Grundpreis von 59.434 Euro.

Werden noch ein paar Kleinigkeiten dazu geordert, steigt der Preis nochmal sprunghaft an.

Die Anhängekupplung kostet rund 800 Euro extra, das Navi mit Soundsystem rund 3000, und wer den Radstand verlängern möchte, um noch mehr Platz im Innenraum zu bekommen, der sollte weitere 2862 Euro beiseite legen.

So kommen wir auf einen Preis von rund 70.000 Euro für unseren Testwagen (ohne verlängerten Radstand). Das ist schon ein Wort.

Als Fazit stellen wir allerdings fest, dass dieser hohe Anschaffungspreis fast die einzige Schwäche ist, die sich der Allrad-Bulli leistet.

Der Antrieb in Kombination mit dem starken Motor ist eine solide Kombination. Die Vorzüge des T5 als Reise- und Familienmobil sind hinreichend bekannt und beliebt.

Auch bei unserer Ausfahrt stellte der Bulli seine Stärken unter Beweis. Perfekter kann man mit dem Auto kaum Urlaub machen. Es sei denn, man ist bereit, mit dem Wohnmobil herumzuschleichen. Aber wer will das schon, wenn man einen Bulli haben kann? (Text: Markus Mechnich)

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