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Opel gehört zu den traditionsreichsten Autobauern Deutschlands. Die Firma lässt sich auf die fünf Söhne des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel zurückführen. Adam Opel gründete 1862 nach Wanderschaft und Lehre seine eigene Nähmaschinenfabrik.
Die Fertigung von Nähmaschinen war damals ein kleines Kunstwerk. Im Bild die Opel Nummer eins aus dem Jahr 1862.
Die Ehe mit der Fabrikantentochter Sophie Marie Schell im Jahr 1868 versetzte Adam Opel in die Lage, in Rüsselsheim eine eigene Fabrikhalle zu errichten und Anteile an einer Gießerei zu kaufen. Damit standen dem Jungunternehmer neue Möglichkeiten offen.
Und natürlich den fünf Söhnen namens Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig (von links nach rechts, Bild aus dem Jahr 1884). Die Zukunft der Opels lag aber nicht in der Produktion von Nähmaschinen. Ende des 19. Jahrhunderts war der Markt bereits übersättigt.
Die Jungen waren - im Gegensatz zu ihrem Vater, der nie Autos produzieren wollte - ohnehin mehr an beweglichen Gegenständen interessiert. Die Fahrradproduktion war eines der Steckenpferde, aber auch die Produktion von Autos reizte.
1898, drei Jahre nach dem Tod des Firmengründers, begannen die Söhne mit dem Bau von Autos. Der erste Patent Motorwagen mit dem System Lutzmann aus dem Jahr 1899.
Bald folgte auch ein Nutzfahrzeug auf Basis des Patent Motorwagens, das allerdings noch einen sehr klobigen und unförmigen Eindruck machte. Der Volksmund nannte es auch "Koloss von Rüsselsheim".
Vorangetrieben wurde die Entwicklung durch die technische Begeisterung der Brüder. 1901 konnte sich Opel nach dem Triumph von Heinrich von Opel erstmals in den Siegerlisten von Autorennen verewigen.
Kurz darauf baute Opel mit dem Motorwagen die erste Eigenkonstruktion. Das Gefährt hat einen Zweizylindermotor, der bis zu 12 PS leistet.
Auch Motorräder konstruierten die umtriebigen Opel-Brüder. Das Zweizylinder-Luxus-Motorrad mit 3 1/2 PS stammt aus dem Jahr 1905.
Doch die Zukunft gehörte den Automobilen. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts begann der Autobau zu boomen. Im Bild der Opelstand auf der Automesse in Berlin im Jahr 1906.
Die Autoproduktion beanspruchte immer mehr Kapazitäten der Firma. Die Fertigung von großen Wagen im Jahr 1912.
Daher wurde die Produktion von Nähmaschinen 1911 eingestellt. Die einmillionste Opel-Nähmaschine war die letzte.
Interessanter war da schon die Produktion von Flugmotoren. Sie waren auch in Autos einsetzbar, die teure Forschung lohnte sich damit doppelt.
Richtig erfolgreich war Opel im Bau von Automobilen. Technisch waren die Autos aus Rüsselsheim auf der Höhe der Zeit und auch optisch hatten sie einiges zu bieten. Wie dieser Opel 5 mit 14 PS von 1914, auch "Püppchen" genannt.
Der Erste Weltkrieg brachte dem Unternehmen eine Zwangspause. Fritz von Opel gehörte nach den Wirren der Anfangsjahre der Weimarer Republik zu den ersten Rennpionieren. Er gewann das erste Autorennen auf der Berliner Avus in seiner Klasse.
Es sollte nicht sein letzter Sieg dort sein. 1928 siegte er im RAK2 ebenfalls auf der Avus. Das Auto wurde von Raketen angetrieben, weshalb der Volksmund Fritz von Opel auch "Raketenfritz" nannte.
Viele Ingenieure experimentierten in den 20er Jahren mit solchen Antrieben. 24 Feststoffraketen trieben den Wagen zu einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 238 km/h. Opel war 1928 mit einem Anteil von 44 Prozent der größte Kfz-Hersteller Deutschlands.
Berühmtheiten wie Luis Trenker fuhren und warben für Opel. Der Bergsteiger-Star mit seinem Opel 1,2 Liter vor dem Hauptportal des Werkes.
Die Weltwirtschaftskrise brachte dem Unternehmen ernste Schwierigkeiten. 1929 verkauften Wilhelm von Opel und sein Bruder Fritz 80 Prozent der Anteile an General Motors, 1931 gaben sie das Ruder komplett aus der Hand.
Sie konnten nur durchsetzen, dass der Name Opel und eine eigene Modellpolitik erhalten bliebenm. Unter den Nazis wurde Opel mit seinen Exporten Devisenbeschaffer für das Regime. Noch 1938 bekam ein Vizepräsident von GM einen Orden durch Adolf Hitler verliehen.
Berühmt wurde die Marke auch wegen des legendären Transporters namens Blitz. Dieser wurde zu einem Bestseller.
Ihn gab es von 1930 ab in allen möglichen Variationen und Opel wurde damit der größte Lkw-Produzent in Deutschland. 1935 wurde in Brandenburg/Havel ein eigenes Werk für die Produktion des Transporters gebaut.
Zu zweifelhaftem Ruhm kam der Transporter mit seinem robusten und genügsamen 75-PS-Motor im Zweiten Weltkrieg. Hier galt er als "Rückgrat der Wehrmacht".
Auf Anweisung von Rüstungsminister Albert Speer musste ab 1944 sogar Daimler-Benz den Blitz in Lizenz bauen.
Bei einem britischen Bombenangriff 1944 wurde das Werk in Rüsselsheim komplett zerstört. Auch die Produktion in Brandenburg fiel den Bomben zum Opfer.
Nach dem Krieg profitierte Opel von der Zugehörigkeit zu General Motors und konnte bald wieder die Produktion aufnehmen. Pläne für die Vorkriegsmodelle lagen noch in den Schubladen. Der Kapitän war das erste Modell der Nachkriegsproduktion.
Opel wurde Teil des deutschen Wirtschaftswunders. Die ersten Urlaube in den Bergen ... (Bild: Olympia Rekord von 1953)
... und der erste eigene Lieferwagen. Opel stieg erneut zu einem der erfolgreichsten Automobil-Produzenten auf. (Bild: Olympia Lieferwagen)
Bereits 1956 feierte Opel das zweimillionste Auto seit Bestehen. Der Kapitän, der vom Band lief, war teilweise vergoldet.
Zahlreiche erfolgreiche Modelle folgten. Einer der größten Gewinnbringer wurde der Kadett, der von 1962 an gebaut wurde. Er sollte zum Umsatzträger für den Konzern werden.
Zum hundersten Jubiläum von Opel konnte das Werk in Bochum eingeweiht werden. Es gehörte später zu den umkämpftesten Standorten von Opel und profitierte vom Kadett-Boom.
Auch der Opel Rekord, der von 1963 an als Rekord A gebaut wurde, brachte dem Konzern viel Umsatz und verkaufte sich fast 900.000 Mal.
Der Diplomat war Opels letztes erfolgreiches Modell im Oberklassesegment. Opel wurde zunehmend zum ewigen Konkurrenten von Volkswagen, zum ewigen Verfolger. Wirklich überholen konnte Opel die Wolfsburger nie.
Ein echtes Kultauto gelang Opel mit dem Manta, der ab 1970 gebaut wurde. Das zweitürige Coup war die Antwort auf den Capri von Ford und war mit dem im selben Jahr vorgestellten Ascona technisch identisch.
Der Manta wurde in seinen zwei Modellen A und B Kult. Er wurde Basis für zahlreiche Witze und schaffte es sogar zum Hauptdarsteller in mehreren Filmen. Das gelang sonst nur wenigen Automobilen.
Ebenfalls eine Stilikone ist der GT. Erste Designstudien gab es bereits 1963, 1965 wurde dann ein Prototyp gezeigt. Der Erfolg des Autos war so groß, dass Opel nicht ausreichend Kapazitäten frei hatte und die Karosserie von einer Fremdfirma bauen lassen musste.
Sinnbild für das Wettrennen mit VW ist der Kadett, der immer ein mehr oder weniger großes Stück hinter dem VW Golf herfuhr. Mit dem Kadett E begann für Opel allerdings eine schwierige Zeit. Das Auto war qualitativ vor allem innen nicht auf dem besten Stand.
Die Motoren waren gut, aber die Verarbeitung ruinierte den Ruf des Unternehmens.
Ein ähnliches Problem hatte dann auch die zweite Auflage des Vectra. Durch die Probleme bei den "Brot und Butter"-Modellen schlitterte der Konzern in die roten Zahlen.
Doch bei Opel schaffte man, auch dank des europäischen Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, langsam wieder den Umschwung. Der Calibra zum Beispiel konnte sich durchaus sehen lassen im Vergleich zum VW Corrado.
Auch der Opel Astra, als Nachfolger des am Ende unglücklichen Kadett, war ein konkurrenzfähiges Auto. Doch das Image ließ sich erst nach und nach aufpolieren. Weitere Gründe für die Probleme waren der Radikal-Sanierer Lpez, ...
... der wohl später auch für VW Unterlagen weitergereicht hat, sowie unglückliche Opel-Vorstände, die aus der GM-Zentrale in den USA kamen. Nach der Wende investierte der Opel-Konzern in Eisenach in ein hochmodernes Werk.
Dort wird der Corsa gebaut, der für Opel ebenfalls zum Umsatzträger geworden ist.
Mit frischen Modellen wollte Opel in den 90er Jahren die Verwerfungen durch verfehlte Modellpolitik und mangelnde Qualität wieder vergessen machen. Der Tigra ist ein kleines, sportliches Modell unterhalb des Astra, der zu einem Erfolg für Opel wurde.
Im Transporterbereich konnte Opel nicht mehr die ganz großen Erfolge feiern. Der Movano wurde bis 2003 gebaut.
Ein Erfolgsmodell wurde der Zafira. Ein innovatives Innenraumkonzept mit sieben Sitzen, die sich alle zu einer ebenen Fläche umlegen lassen, und die Van-Welle brachten Opel in diesem Segment phasensweise sogar vor Erzkonkurrent VW.
In neuester Zeit glänzt Opel mit Klappdachkonstruktionen namens TwinTop, wie hier beim Tigra.
Den Hoffnungsträger präsentierte Opel im Juli mit einem großen Event bei der London Motorshow. Der neue Insginia fiel vor der Kulisse der Towerbridge in London vom Himmel. Opel heimste bereits vor dem Verkaufsstart viel Lob ein.
Der Insignia bekam kürzlich die Auszeichnung "Auto des Jahres". Bleibt zu hoffen, das der Traditionskonzern auch in Zukunft Autos in Deutschland bauen wird. (Text: Markus Mechnich; Bilder: Opel, dpa, AP)
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